Titelseite Amosinternational 3/2022

Heft 3/2022Künstliche Intelligenz

Inhalt

Der Mensch sieht sich mit immer schnelleren technischen und technologischen Entwicklungen konfrontiert. Daraus entstehen Fragen nach ethischer Orientierung innerhalb verschwimmender Grenzen zwischen Natur und Technik. Das neue Heft Amosinternational greift die Diskussion um die Digitalisierung mit ihren verschiedenen Facetten auf und untersucht Künstliche Intelligenz im Spannungsfeld zwischen Heilversprechen und apokalyptischen Warnungen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5

    Datenzentrierte Biologie und KIParadigmenwandel für Wissenschaft und Technologie

    Im Zusammenspiel von KI und Biotechnologie zeigten sich in den letzten 40 Jahren umfangreiche Wandlungsprozesse im Forschungsdesign von Wissenschaft und Technologie – über die Biologie hinaus. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die der Autor mit dem Begriff „Technoresearch“ beschreibt. Dieser Strukturwandel beruht auf einem neuen Forschungs-Paradigma, dem „algorithmic turn“, der allerdings nicht – wie oft behauptet – zum Ende wissenschaftlicher Theorie führt, sondern auf einem neuen Denkstil beruht. Dieses Paradigma entsteht im Übergang von der klassischen Systemtheorie (Kybernetik) zur Synergetik (Theorie dynamischer komplexer Systeme). Die neue Orientierung an Komplexität und die Art, mit ihr datenbezogen umzugehen, verändert Praxis und Theorie von Wissenschaft und Technologie im 21. Jahrhundert.

  • Plus S. 12

    Digitalisierung und Künstliche IntelligenzTechnikfolgenabschätzung trifft Anthropologie

    Die Technikfolgenabschätzung (technology assessment; TA) erarbeitet Orientierung zum technischen Fortschritt durch Zukunftsaussagen und ihre Bewertung. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz erschweren Zukunftsaussagen angesichts des maschinellen Lernens und neuer Mensch/Technik-Verhältnisse. Selbst der gängige Ansatz der TA, mit Szenarien zu arbeiten statt Vorhersagen zu machen, funktioniert häufig nicht mehr. Zu offen und unwägbar ist die Zukunft. In diesem Artikel stellt der Autor dar, wie die TA mit dieser Situation umgeht. In einer hermeneutischen Perspektive nutzt sie verbreitete Zukunftsaussagen zu Digitalisierung und KI, um über die Gegenwart zu lernen, insbesondere über die sich in den Projektionen der KI zeigenden neuen Mensch/Technik-Verhältnisse. Diese gilt es zu explizieren, um sie der transparenten Debatte zugänglich zu machen und die Ergebnisse für Technikgestaltung in diesem Feld zu nutzen.

  • Plus S. 19

    Erlösung von der Last der Entscheidung?Die Algorithmisierung der Gesellschaft in theologisch-ethischer Reflexion

    Der Text setzt sich mit der These eines möglicherweise zu erwartenden unaufhaltsamen Transfers der Entscheidungsmacht vom Menschen an die Maschine auseinander, wie sie sich in derzeit kursierenden Zukunftserzählungen zur Algorithmisierung der Gesellschaft findet. Vor dem Hintergrund von Überlegungen, wie solche Zukunftserzählungen für das ethische Nachdenken hermeneutisch erschlossen werden können, reflektiert der Text, welche Konsequenzen die Abgabe der Entscheidungsmacht an künstliche Intelligenzen mit sich brächte. Die These, dass Algorithmische Entscheidungssysteme einen Fortschritt hin zum Besseren darstellen, da sie den überforderten Menschen entlasten und damit auch sein Leid mindern, wird aus einer theologisch-ethischen Perspektive problematisiert.

  • Plus S. 26

    What does it mean to be human in a world of technology and AI?

    Wir leben in einer Welt, die von scheinbar intelligenten Maschinen beherrscht wird, und wir neigen dazu, unser eigenes Menschsein durch die verzerrende Brille von Technologie und KI zu betrachten. Digitale Technologien führen dazu, dass wir uns auf körperlose, abstrakte und quantifizierbare Informationen konzentrieren und dazu neigen, unsere menschliche Verkörperung zu entwerten. Der nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch ist wesentlich mit Gott verbunden und von Gott mit einer einzigartigen Berufung ausgestattet. Die Menschwerdung und Auferstehung Christi bieten eine reiche Grundlage, um die menschliche Verkörperung und Einzigartigkeit in einer Welt intelligenter Maschinen zu feiern, zu respektieren und zu schützen. Die Herausforderung, vor der wir stehen, besteht darin, innovative und kreative Wege zu finden, um hochentwickelte Technologien der Künstlichen Intelligenz nicht dazu zu nutzen, uns zu erniedrigen, zu entstellen oder zu schmälern, sondern uns zu befähigen, uns als menschliche Personen zu entfalten, die einzigartig geschaffen sind, um Gottes Charakter und Wesen widerzuspiegeln.

  • Plus S. 35

    Moral für Maschinen?Grundsätze der Maschinenethik

    In vielen Anwendungsbereichen wie beim autonomen Fahren, im Krieg, aber auch in der Pflege stehen künstliche Systeme moralischen Problemen gegenüber. Die Maschinenethik ist eine aufstrebende Disziplin an der Schnittstelle von Philosophie, Informatik und Robotik, die sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie künstliche Systeme auch moralische Entscheidungen treffen können. In diesem Beitrag wird die neue Disziplin vorgestellt und Argumente für und wider dieses Vorhaben diskutiert. Abschließend werden drei Grundsätze eingeführt, die als Leitplanken dienen und sicherstellen sollen, dass die technologische Entwicklung in eine positive Richtung erfolgt.

Arts & ethics

Interview

  • Gratis S. 41

    „Maschinen können keine moralische Verantwortung tragen.“

    Oliver Bendel verortet sich – so ist auf seiner Website zu lesen – in der Technikphilosophie, wobei er auf Roboter und Künstliche Intelligenz fokussiert. Er untersucht das Verhältnis zwischen Mensch bzw. Tier und Maschine und fragt danach, wie die Maschine der Gegenwart und Zukunft beschaffen ist, sein wird und soll. Zu seinen wichtigsten Disziplinen sind seit der Jahrtausendwende Informationsethik, Maschinenethik und Roboterethik (allgemeiner: Roboterphilosophie) geworden. Als studierter Philosoph und promovierter Wirtschaftsinformatiker denkt er nicht nur über Maschinen nach, sondern entwickelt sie zusammen mit seinen wechselnden Teams auch. Im Rahmen der Maschinenethik und der Sozialen Robotik sind Chatbots, Sprachassistenten und tierfreundliche Maschinen entstanden, die auf internationalen Konferenzen und in internationalen Journals beschrieben wurden.

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