Titelseite Amosinternational 2/2022

Heft 2/2022Finanzethik

Inhalt

Wie steht es auf den Finanzmärkten um die Kriterien Gemeinwohl und Sozialpflichtigkeit? Auf welche Weise kann die Finanzwirtschaft zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen, angesichts der großen gegenwärtigen Herausforderungen? Die Beiträge des neuen Heftes Amosinternational zum Thema Finanzethik gehen diesen Fragen nach.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Soziale Marktwirtschaft und Finanzordnung

    In der alten Bundesrepublik waren Geldpolitik sowie Finanz- und Bankensektor von dem ordnungspolitischen Konzept der Sozialen Marktwirtschaft geprägt. Demnach hatten Währungsstabilität und Funktionalität des Preissystems wirtschaftspolitische Priorität. Angesichts der Internationalisierung der Finanzwirtschaft und eines globalen Finanzkapitalismus ist dieses Konzept nun nicht mehr ausreichend. Die Finanzkrise ab 2007 und die sich daran anschließende europäische Staatsschuldenkrise haben gezeigt, welch großes Krisenpotential heutzutage vom privaten Kapitalmarkt ausgeht und welche Bedeutung öffentlichen und privaten Schulden als Krisenbeschleuniger zukommt. Dieses Umfeld macht die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft nicht obsolet, im Gegenteil: Eine internationale Finanzordnung nach diesen Prinzipien wäre sehr notwendig. Die Europäische Union sollte bei diesem Ziel Vorreiterin sein.

  • Plus S. 11

    Klimawandel, Klimapolitik und Finanzstabilität

    Der Klimawandel bringt immense wirtschafts- und klimapolitische Herausforderungen mit sich. Seit einigen Jahren befassen sich auch die Zentralbanken mit den spezifischen Auswirkungen des Klimawandels auf das Finanzsystem. Für das wirtschaftspolitische Management des Klimawandels können bestimmte Finanzmarktakteure, wie zum Beispiel Versicherungen und Rückversicherungen, eine wichtige Informationsfunktion im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaftssektoren leisten. Zugleich gehen jedoch mit den Anpassungen an den Klimawandel möglicherweise systemgefährdende Rückwirkungen auf das Finanzsystem einher. Insbesondere die sogenannten Transitionsrisiken können sich negativ auf die Finanzstabilität auswirken. Aus finanzethischer Perspektive gilt es, einen verantwortungsvollen Umgang mit Klima- und Finanzmarktrisiken zu finden.

  • Plus S. 18

    Wozu noch Banken?Zur jüngeren Entwicklung des deutschen Bankensystems und zur Zukunft der Großbanken

    Starke Geschäftsbanken sind traditionell für die deutsche Variante des Kapitalismus kennzeichnend. Dabei versteht man unter Geschäftsbanken (synonym: Kreditinstituten) solche Finanzinstitute, die (zumindest auch) im Geschäft mit Krediten und Einlagen tätig sind. Typisch für das System der deutschen Kreditinstitute ist dabei eine Einteilung in drei Säulen – private Banken, Kreditgenossenschaften sowie öffentliche Banken, unter denen die Sparkassen die wichtigste Gruppe bilden. In den folgenden Ausführungen gilt ein besonderes Augenmerk den großen Instituten, welche die Säule der privaten Banken dominieren. Dabei wird im Folgenden zuerst mit einigen wenigen Strichen skizziert, wie sich das deutsche Finanzsystem in den letzten 40 Jahren entwickelt hat. Ohne Bezug zu einer bestimmten Phase dieser Entwicklung schaut der Beitrag dann allgemein auf die Aufgaben, welche die Geschäftsbanken für die Gesamtwirtschaft übernehmen können. Vor diesem Hintergrund wird aufgezeigt, wie deutsche Großbanken die Hauptstoßrichtung ihrer Geschäftsstrategie in den letzten Jahrzehnten verändert haben und welches Verständnis von finance dabei jeweils leitend war. Der Beitrag endet mit einer kurzen wirtschaftsethischen Reflexion dieser auf die institutionelle Entwicklung fokussierten Analyse.

  • Plus S. 26

    Ethisch-nachhaltiges InvestmentEin Beitrag aus der Anlagepraxis der Bank für Kirche und Caritas (BKC)

    Als wertorientierte Investorinnen sind die Kirchen „Avantgarde“ (Bassler/Wulsdorf 2016, 15), wobei sich speziell die Kirchenbanken als Vorreiterinnen des ethisch-nachhaltigen Investments einen Namen gemacht haben. So zeichnet sich etwa die Bank für Kirche und Caritas eG mit ihrer Anlagestrategie dadurch aus, dass sie die verschiedenen Bausteine ethisch-nachhaltiger Geldanlagen mit den jeweiligen Wirkmechanismen in ihren Investmentprozessen kombiniert. Aus Risikoperspektive nimmt sie dabei nicht nur die finanzielle und Nachhaltigkeitsperformance in den Blick, sondern auch christliche Wertvorstellungen. Speziell für Investor:innen aus Kirche, Caritas und Diakonie stellt sich die Frage, welchen Beitrag sie zur sozial-ökologischen Transformation aus dem christlichen Glauben leisten wollen, mit der unser Planet zukunftsfähig gemacht werden soll.

  • Plus S. 35

    Die Politik der Bedingungen von Internationalem Währungsfonds und WeltbankgruppeEine sozialethische Analyse

    Die Internationalen Finanzinstitutionen, IWF und Weltbankgruppe, nehmen einen zentralen Raum in der internationalen Politik ein. Sie vergeben Kredite mit in der Fachwelt so bezeichneten Konditionalitäten an Länder in makroökonomischer Schieflage. Diese wurden in der diesem Beitrag zugrundeliegenden Dissertation exemplarisch untersucht. Als Fazit kann gelten: Die wirtschaftspolitischen Vorgaben sind zu stark, die Vorgaben in den übrigen Politikbereichen zu schwach und unpräzise.

Arts & ethics

Interview

  • Gratis S. 42

    „Der ehrbare Kaufmann schließt auch den Bankkaufmann ein.“Interview zu ethischen Standards in der Finanzethik

    Die Finanzwirtschaft umfasst ein breites Spektrum von Gebieten, das u. a. entsprechende Ordnungssysteme, nachhaltige Investmentstrategien, Konditionalitäten internationaler Finanzinstitutionen oder Tätigkeitsfelder von Banken und Sparkassen umfasst. Da sie somit eine wichtige Rolle für die Wirtschaft und Gesellschaft spielt, gewinnen ethische Standards in ihren einzelnen Bereichen zunehmend an Bedeutung. Amosinternational sprach mit Dr. Ulrich Schürenkrämer, Managing Director von Machlaan GmbH, München und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sektion der Fondazione Centesimus Annus Pro Pontifice, Vatikan, über die Herausforderungen, vor denen eine ethisch grundierte Finanzwelt steht, sowie über die Möglichkeiten der Kirche, das Finanzsystem im Sinne der Christlichen Soziallehre zu prägen.

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