Titelseite Amosinternational 3/2021

Heft 3/2021Soziale Medien: Ethik und Politik

Inhalt

Der Wahlkampf vor der Bundestagswahl 2021 hat gezeigt: Soziale Medien haben eine wichtige Stellung in der politischen Diskussion übernommen. Die Beiträge dieses Heftes stellen Fragen nach einer digitalen Werteordnung, dem rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Umgang mit Hassrede auf Sozialen Netzwerken und versuchen den Entwurf einer "Ethik der Digitalität".

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Ethik der Digitalität als Chance für eine Renaissance christlicher Sozialethik

    Der digitale Epochenbruch wirft neue ethische und politische Fragen auf, die bei einer Weiterentwicklung der christlichen Soziallehre zu einer Chance für deren Renaissance werden können. Leitmotiv ist das im Buch des Autors „Kritik der digitalen Vernunft“ entfaltete Prinzip digitaler Humanität. Denn Personalität lässt sich mit Blick auf digitale Personalität als die Suche nach Menschenwürde und digitaler Souveränität im digitalen Raum deuten. Subsidiarität entfaltet sich als digitale Subsidiarität durch die Bestimmung des besten Orts zur Wahrnehmung von Verantwortung und durch das Leitprinzip digitaler Fairness. Der politische Raum der digitalen Solidarität ist im Rahmen einer erneuerten Sozialen Marktwirtschaft zu gestalten und mit Blick auf die globale Zivilgesellschaft auszubilden, etwa durch einen Internationalen Digitalgerichtshof oder die wettbewerbskonforme Zerschlagung digitaler Monopole.

  • Plus S. 11

    Mehr Nutzen als Schaden?Die Regulierung digitaler Hassrede

    Hassrede richtet Schaden an. Sie kann die Menschenwürde Einzelner verletzen, aber auch eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung gefährden. Das geschieht, wenn sich Menschen aus Furcht vor Beleidigungen nicht mehr trauen, sich offen zu bestimmten Themen zu äußern. Dem entgegenzutreten, ist ein legitimes Ziel der Politik. Hierfür stehen vor allem das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz und künftig der Digital Services Act auf europäischer Ebene. Allerdings ist ebenfalls zu beobachten, dass bestehende Regulierungen selbst zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit führen können. Das ist gerade dann der Fall, wenn diese nicht die Komplexität privat-öffentlicher Kommunikation über Soziale Netzwerke berücksichtigen – also nicht netzwerkgerecht sind.

  • Plus S. 17

    Digitale Gesellschaft und digitale WerteordnungEthische Perspektiven auf politische Diskurse im Netz

    Das Internet hat sich zu einer „digitalen Lebenswelt“ entwickelt. Es ist ein wichtiger Raum für die politische Debatte und für politische Information. Da vor allem auf Sozialen Plattformen Phänomene wie „Fake News“ oder Hassrede zunehmen, stellt sich verschärft die Frage nach einer Ethik der digitalen Diskurse. Essenzielle ethische und moralische Linien, die uns in Zukunft prägen sollen, sind in breiten Teilen der Bevölkerung zu diskutieren. Es wird vorgeschlagen, die Debatte unter der ethischen Perspektive einer digitalen Werteordnung im Sinne einer digitalen Lebenskompetenz zu stellen.

  • Plus S. 23

    Social Media als Spielwiese des Populismus?Der Bundestagswahlkampf der AfD auf Facebook im Parteienvergleich

    Die zunehmende Digitalisierung gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse spiegelt sich auch in der strategischen Ausrichtung und Interaktivität politischer Wahlkämpfe wider. Insbesondere Soziale Netzwerke haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Als ressourcengünstige und reichweitenstarke Kanäle verhelfen sie Parteien zu einem nie gekannten Maß an strategischer Selbstbestimmung in den digitalen Kampagnen, sorgen aber aufgrund veränderter Nutzungs- und Verbreitungslogiken auch für eine stärkere Orientierung an den Interessen der Wähler*innen. Besonders erfolgreich ist in den hybriden Öffentlichkeiten des Social Web also, wer Aufmerksamkeit generiert. Der polarisierende und vereinfachende Stil populistischer Kommunikation scheint dafür besonders gut geeignet. Eine Analyse der Facebook-Kampagnen der AfD und sechs weiterer Parteien zeigt, welche inhaltlichen Schwerpunkte und Elemente der Wähleraktivierung vor den Bundestagwahlen 2013 und 2017 zum Einsatz kommen und inwiefern sich daraus Indikatoren einer populistischen Agitation seitens der AfD ableiten lassen.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    „Hiding 1“

    „Hiding 1“

    Anke Lieb-Kadge: „Hiding 1“

Interview

  • Gratis S. 34

    „Wir sollten uns im Internet verhalten, wie wir es uns Offline wünschen.“Interview zu Hassrede auf Sozialen Medien

    Hassrede auf Twitter, Facebook und Co. ist so alt wie die Sozialen Medien selbst. Doch woher kommt der Drang, an die Grenzen des Sagbaren zu gehen? Die Kommunikationswissenschaftlerin Ursula Kristin Schmid von der LMU München promoviert zu Wahrnehmung und Wirkung humorvoller Hassrede und ist Mitarbeiterin im Projekt KISTRA (Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Früherkennung von Straftaten), das nach technischen Lösungen sucht, um Hasskriminalität m Internet zu erkennen. Amosinternational hat mir ihr darüber gesprochen, welche Formen Hate Speech annehmen kann und welche Möglichkeiten es juristisch und zivilgesellschaftlich gibt, dagegen vorzugehen.

Beitrag

  • Plus S. 39

    Not kennt kein Gebot?Die Rule of Rescue als Leitprinzip in der Covid‑19‑Pandemie

    Die SARS-CoV-2-Pandemie zeigt die Notwendigkeit eines akademischen und politischen Diskurses über die normativen Grundlagen der Ressourcenallokation im Gesundheitswesen deutlich auf. Einerseits ist die Priorisierung verschiedener Maßnahmen zur Vorbeugung und Therapie von Erkrankungen – insbesondere von Covid-19-Fällen – angesichts der begrenzten Ressourcen des Gesundheitswesens unvermeidbar. Andererseits sind zahlreiche Maßnahmen zur Vorbeugung und Therapie von SARS-CoV-2-Infektionen unvereinbar mit Präventions- oder Therapiemaßnahmen bei anderen Krankheiten, sodass auch in diesem Rahmen Priorisierungsentscheidungen notwendig werden. Viele der in Deutschland und den meisten anderen europäischen Staaten getroffenen Priorisierungsentscheidungen folgen dabei der Logik der Rule of Rescue, die sich damit auch in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie als ein wichtiges Prinzip der Ressourcenallokation im Gesundheitswesen erweist.

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