Titelseite Amosinternational 2/2021

Heft 2/2021Landwirtschaftspolitik

Inhalt

Landwirtschaftliche Betriebe produzieren immer mehr. Das hat viele negative Folgen für Tierwohl, Biodiversität und Klima. Das neue Heft beleuchtet das Thema Landwirtschaftspolitik aus agrarökonomischen, sozialethischen und volkswirtschaftlichen Perspektiven und entwirft Konzepte einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Ökologische Umkehr - Umkehr zur LebensvielfaltEin Beitrag der Kirche für eine nachhaltige Landwirtschaft

    Der vorliegende Artikel thematisiert den spezifischen Beitrag, mit dem sich die Kirche in die gesellschaftliche Debatte über eine nachhaltige Landwirtschaft einbringen kann. Ausgangspunkt hierfür ist das in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes formulierte Postulat, wonach Kirche die Zeichen der Zeit zu erforschen und im Licht des Evangeliums zu deuten habe. Unter dieser Prämisse werden schöpfungstheologische, sozialethische und spirituelle Impulse für eine ökologische Erneuerung der Landwirtschaft gegeben. Dabei hebt der Verfasser hervor, dass die Kirche auch durch Bildungsarbeit, praktische Initiativen und nicht zuletzt durch das eigene Beispiel zu mehr Nachhaltigkeit im Agrarbereich beitragen kann.

  • Plus S. 10

    Tierethik im Schatten der Agrarpolitik

    Die gegenwärtige Gesellschaft ist von einer extremen Diskrepanz zwischen der emotionalen Annäherung an Tiere und der gleichzeitigen Dominanz beispielloser Tierverachtung in der industrialisierten Landwirtschaft geprägt. Die systemische Herausforderung der Agrarpolitik betrifft sowohl die Bedingungen der Tierhaltung also auch die massive Verdrängung und Ausrottung von Wildtieren durch die landwirtschaftliche Flächennutzung. Die bisherigen Initiativen für mehr „Tierwohl“ sowie eine Umsetzung der verfassungsrechtlich verankerten Achtung der Tiere als „Mitgeschöpfe“ sind unzureichend.

  • Plus S. 17

    Von Verbraucher*innen, landwirtschaftlichen Produkten und Gütesiegeln

    Konsument*innen-Verantwortung wird gerne thematisiert im Sinne einer markt-ökonomischen Komponente, die über die Summe individueller Kaufentscheidungen und die so entstehende Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten die Agrarwende herbeiführe. Diese Vorstellung erweist sich jedoch als wenig effektiv; strukturelle Maßnahmen, welche die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zugunsten größerer Kostentransparenz verändern, sind wesentlich aussichtsreicher. Davon unberührt bleibt jedoch die moralische Pflicht der Endverbraucher*innen, sich ihrer individuellen Verantwortung (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) auch beim Einkaufsverhalten zu stellen. Diese Verantwortung beim Einkauf kommt nicht nur Privatpersonen zu, sondern auch Institutionen und ist bei der Kirche und ihren Einrichtungen insofern besonders relevant, als sie die Verwirklichung des von ihr verkündeten Reiches Gottes betrifft. Hier vermitteln ökologische Gütesiegel Verständigung über ökologische Standards zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen, können darüber hinaus aber auch die Sorgfalt sichtbar machen, mit der die Kirche im Bereich der Landwirtschaft (hoffentlich immer mehr) ihre Verantwortung für die Schöpfung und für das Wohlergehen von Menschen und Tieren in die Praxis umsetzt. Abschließend bietet der Beitrag eine kurze Vorstellung der gängigsten Gütesiegel für landwirtschaftliche Produkte.

  • Plus S. 24

    Biodiversität und LandwirtschaftLandwirtschaftliche Wertschöpfung auf neue Grundlagen stellen

    Die globale Biodiversitätskrise weist auf eine Vernichtung unserer Lebensgrundlagen hin, wie sie in der Geschichte der Menschheit noch nie zuvor mit einer solchen Geschwindigkeit beobachtbar war. Als Hauptursache des Biodiversitätsverlustes sind veränderte Formen der Landnutzung und die intensive industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz an Düngern und Pestiziden anzusehen. Angetrieben werden diese Prozesse u. a. durch den übermäßigen Fleischkonsum in den Industrieländern. Um den Biodiversitätsverlust zu stoppen, muss die landwirtschaftliche Wertschöpfung auf eine neue Grundlage gestellt werden – weg von der Belohnung der Produktionsergebnisse hin zu einer Honorierung ökologischer Leistungen. Dies erfordert einen Systemwechsel, der neue Rahmensetzungen durch umfassende Regulierung der Produktion, veränderte Anreizstrukturen und verringerten Fleischkonsum der Konsument*innen erfordert.

  • Plus S. 33

    Genome Editing als Herausforderung für die christliche Sozialethik

    Die neuen Verfahren des Genome Editing stellen einen qualitativen und quantitativen Sprung in der Pflanzenzüchtung dar. Gewünschte Veränderungen in Pflanzen können erheblich schneller und mit vermeintlich höherer Präzision erreicht werden. Für ihre Befürworter stellt dies ein Hauptargument zu ihrer Nutzung dar, da sie sich Verbesserungen für die Ernährungssicherung und den Umweltschutz versprechen. Kritikern geben die Schnelligkeit und die mögliche Eingriffstiefe der Verfahren Anlass zu Vorsicht und Sorge. Der Diskurs um die neuen Techniken und deren rechtliche Bewertung und Regulierung wird je nach Interessenslage extrem divergent geführt. Diese schwierige Gemengelage aus Interessen und die Komplexität der Fragestellung stellt auch die Christliche Sozialethik vor eine Herausforderung. Allerdings kann sie durch ihr spezifisches Fachprofil auch wichtige Beiträge zu diesem Diskurs liefern.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    "Hiding 2"

    "Hiding 2"

    Anke Lieb-Kadge: „Hiding 2“

Interview

  • Gratis S. 40

    Weiter wie bisher?Interview zu Perspektiven einer zukunftsfähigen Landwirtschaft

    Kein gesellschaftlicher Sektor hat sich in den vergangenen hundert Jahren so gewandelt wie die Landwirtschaft. Sowohl Ställe als auch Maschinen wurden immer größer, um mehr zu produzieren. Zwischen Konkurrenz auf dem Markt, Reformstau und Überproduktion fallen Tierwohl, Biodiversität und Klimaschutz oft aus dem Blick. So kann es nicht weitergehen, findet der Agrarökonom Alois Heißenhuber. Amosinternational hat mit ihm darüber gesprochen, wie eine Landwirtschaft der Zukunft aussehen kann.

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