„herbertshöh“

Andreas Otto: „herbertshöh“

250 × 250 mm, Mischtechnik auf Karton
herbertshöh, 2020, 250 × 250 mm, Mischtechnik auf Karton© Andreas Otto

Andreas Otto hat 2020 den alten Schulatlas seines Großvaters von 1903 wiederentdeckt. Dieser beschreibt „das Weltbild einer Zeit, die wir uns heute nur sehr schwer vorstellen können – die Kolonien, die Inbesitznahme von Ländern und Inseln, das Aufteilen von Gebieten auf dem Reißbrett“. Andreas Otto verwertet die Seiten aus diesem Altas für seine neue grafische Serie „EXPLORER“, bei der er sich mit dem Thema der Eroberung aber auch Erforschung der Welt auseinander setzt. Die Seite aus dem Atlas, die Andreas Otto als Grundlage für das vorliegende Bild „herbertshöh“ ausgewählt hat, zeigt die Insel Neuguinea, damals die Kolonie „Deutsch-Neuguinea“ oder auch „Kaiser Wilhelm Land“ (1899–1910) mit ihrer Hauptstadt Herbertshöh. Über diese alte Karte hat der Künstler den farbigen Schattenriss einer Person im Ruderboot gelegt. Dieser geht auf ein Foto vom rudernden Künstler Kurt Schwitters (1887–1948) zurück. Der Künstler thematisiert mit der Wahl der Atlasseite und dem Bildtitel die Brutalität der imperialistischen Eroberungszüge in der Kolonialzeit – gleichzeitig nimmt er dieser vergangenen Zeit ihre Gültigkeit, indem er grenzübergreifend und befriedend einen Künstler über die Karte rudern lässt. Der „Explorer“ ist hier nicht der kriegerische Eroberer, sondern der friedliche „Entdecker“.

Andreas Otto
(* 1966 in Arnsberg), lebt und arbeitet als Künstler und Designer in Arnsberg. Seit 1985 ist er regelmäßig mit Ausstellungen in der Region vertreten, u. a. 2000 mit „Bilderräume“ in der Stadtgalerie Altona, 2004 mit „Fragmente“ in Schloss Opherdicke in Holzwickede oder 2011 mit der Ausstellung „Amorphe Spuren“ in der Katholischen Akademie Schwerte. 2018 präsentierte Andreas Otto seinen Zyklus „Via Dolorosa“ im Landtag NRW in Düsseldorf.