Titelseite Amosinternational 3/2020

Heft 3/2020Friedensethik vor neuen Herausforderungen

Inhalt

Konflikte zwischen Staaten, gewaltsame regionale Auseinandersetzungen sowie der Zusammenhang von Religion und Gewalt: Die Friedensethik steht gegenwärtig vor vielen Herausforderungen. Die neue Ausgabe beleuchtet das Thema aus verschiedenen sozialethischen Perspektiven und entwirft Konzepte eines Friedens, der mehr sein soll als die Abwesenheit von Krieg.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Versöhnung als Prinzip christlicher Friedensethik

    Das Verhältnis des Christentums zum Frieden ist ambivalent: Einerseits ist er die Mitte der biblischen Botschaft, andererseits haben die Kirchen durch starre Wahrheitsansprüche und Ausgrenzungen zu gewaltsamen Konflikten beigetragen. Auch heute ist Religion häufig ein Eskalationsfaktor von Gewalt in den vielschichtigen weltpolitischen Identitätskonflikten. Es braucht vor diesem Hintergrund neue Formen religiöser Aufklärung. Als Leitmaximen hierfür werden Toleranz und Versöhnung vorgeschlagen. Der Beitrag plädiert dafür, Versöhnung in die Reihe der Sozialprinzipien der katholischen Kirche aufzunehmen. Aus diesem Ansatz werden zehn Prioritäten für die Friedenssicherung angesichts der gegenwärtigen Entgrenzungen des Krieges abgeleitet.

  • Plus S. 10

    „Ungeheuer ist viel und nichts ist ungeheurer als der Mensch“ (Sophokles)Prolegomena zu einer Friedensethik im Anthropozän

    Die Gegenwartsdiagnose Anthropozän postuliert ein fundamental verändertes Verständnis des Menschen zur Welt und zu sich selbst: In bisher nicht gekanntem Ausmaß sowie auf globaler Ebene nimmt er Einfluss auf die Ökologie des Planeten Erde. Vor diesem Hintergrund entfaltet der Aufsatz die These, dass das Anthropozän als Epochenbewusstsein den Rahmen einer zeitgemäßen Friedensethik bildet. Dabei skizziert er die wesentlichen Eckpunkte dieses Bewusstseins und legt dar, warum vor allem der Anthropologie eine Schlüsselfunktion im friedensethischen Diskurs zufällt.

  • Plus S. 18

    Heilig, nicht sakralÜber das religiöse Potenzial zum Frieden

    Religiöse Akteure betätigen sich sowohl als Gewalttäter als auch als Friedensstifter. Dies resultiert aber nicht aus einer Ambivalenz des Religiösen, sondern kann mittels Henri Bergsons Unterscheidung zwischen statischer und dynamischer Religion bzw. mittels René Girards Unterscheidung zwischen dem Sakralen und dem Heiligen erklärt werden: Die frühen Sakralreligionen dämmten Gewalt mittels Gewalt ein, während erst in der dynamischen Religion und ihrer Heiligkeit ein Weg aus der Gewalt gefunden wurde. Die religiösen Potenziale zum Frieden lassen sich anhand der Dimensionen des Heiligen beschreiben, worunter vor allem das verantwortliche Individuum, die Losgelöstheit von weltlicher Macht und die Kenosis bzw. Gewaltfreiheit Gottes hervorzuheben sind. Die Heiligkeit der dynamischen Religion öffnet sich für eine universale Geschwisterlichkeit, die heute für den Weltfrieden unabdingbar geworden ist.

  • Plus S. 25

    ‚Gerechter Friede‘ – Mehr als ein kirchliches Leitbild?

    Der Terminus ‚gerechter Friede‘ wird als Paradigma und friedensethisches Leitbild vorgestellt, das seinen Ort insbesondere in Dokumenten und Verlautbarungen der großen christlichen Kirchen hat. Gerechter Friede fordert heraus zur Klärung seiner beiden Komponenten. Daher ist zu fragen, was in diesem Leitbild zum einen mit Frieden, zum anderen mit Gerechtigkeit gemeint ist und wie sich insbesondere auch das Verhältnis zwischen beiden bestimmen lässt. Als normative Säulen des Leitbildes vom gerechten Frieden lassen sich unter anderem Menschenrechte, Demokratie, Entwicklung, Rechtsstaatlichkeit und internationale Vernetzung benennen. Da das Leitbild des gerechten Friedens keineswegs als unumstritten gelten kann, verdienen auch entsprechende Einwände und Kritikpunkte Berücksichtigung. Und schließlich ist zu fragen, welche Perspektiven sich aus dem Leitbild des gerechten Friedens für die Zukunft ergeben.

  • Plus S. 34

    Ein friedensethischer Blick auf die auswärtige EU‑SicherheitspolitikDas Engagement in Mali

    Auch wenn sich die EU im außenpolitischen Bereich eher als ziviler Akteur versteht, verstärkt sie zunehmend ihr militärisches Engagement. Der folgende Beitrag fokussiert das strukturelle Gefüge der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik und reflektiert diese am Beispiel Malis. Dabei werden sowohl der gegenwärtige Ist-Zustand als auch die aus friedensethischer Sicht anzustrebenden Zielprojektionen in den Blick genommen.

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