Titelseite Amosinternational 2/2020

Heft 2/2020Pflegearbeit

Inhalt

Pflegekräfte werden während der Corona-Pandemie als Heldinnen und Helden gefeiert. Dennoch gehört Pflege zu den vernachlässigten Bereichen des deutschen Sozialsystems. Die Beiträge beschäftigen sich mit dieser Problematik und nehmen dabei Angehörigenpflege, häusliche Betreuung sowie der Integration ausländischer Pflegekräfte näher in den Blick.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Das Trilemma der PflegeZu Zielkonflikten und Unzulänglichkeiten verbreiteter pflegepolitischer Strategien

    Das Konzept eines „Trilemmas2 der Pflege“ ist ein mögliches Deutungsraster zur Einordnung pflegepolitischer Strategien. Dabei geht es vor allem darum, grundlegende Spannungen zwischen einigen pflegepolitischen Zielen herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, dass diese Abwägungs- oder Gewichtungsentscheidungen erforderlich machen. Im Anschluss an Analysen des US-amerikanischen Ökonomen William J. Baumol (1922–2017) argumentieren die Verfasser, dass das besondere Profil der bezahlten Pflegearbeit in einer Ökonomie mit steigender industrieller Produktivität dazu führt, dass Pflegedienstleistungen gegenüber anderen Gütern immer teurer werden. Vor dem Hintergrund dieses ökonomischen Trends werden die Prekarisierung bezahlter Pflegearbeit, aber auch ihre Zerstückelung („Minutenpflege“) sowie neuere Bemühungen zur Einführung zeitsparender Techniken als – bestenfalls vorübergehend wirksame – Versuche verständlich, diesem Trend entgegenzuwirken. Die Analyse beginnt mit einer gesamtwirtschaftlichen Einordnung der Branche personenbezogener Dienstleistungen, zu denen auch die hier untersuchten Pflegedienstleistungen gehören.

  • Plus S. 11

    Angehörigenpflege unter Dauerdruck

    Etwa drei Viertel der pflegebedürftigen alten Menschen in Deutschland werden durch meist weibliche Angehörige und mehrheitlich ohne professionelle Hilfe gepflegt. (Ehe-)Partnerinnen und (Schwieger-)Töchter stellen für die familiäre Pflege eigene Erwerbstätigkeit und soziale Sicherheit hintan. Sie stehen unter einem hohen gesellschaftlichen und politischen Erwartungsdruck, der durch geltende pflegepolitische Regelungen bisher eher verstärkt als abgebaut wird. Der Beitrag fragt nach Gründen des Dauerdrucks, diskutiert Reformbedarfe im Bereich der sozialen Sicherung, insbesondere der Rentenansprüche, sowie bezüglich der Honorierung familiärer Pflege (z. B. Pflegendenzeit, Pflegendengeld) und fordert eine Neujustierung des Verhältnisses von familiärer und professioneller Pflege im Sinne eines Rechtes, zu pflegen oder nicht zu pflegen.

  • Plus S. 19

    CariFair – Warum sich die Caritas in der Live-in-Pflege engagiertEin Praxisbericht

    Unterstützung für pflegebedürftige Menschen und ihre Betreuungskräfte gleichermaßen: Seit 2009 engagieren sich mehrere Caritasverbände in Deutschland und Polen mit dem Angebot „CariFair“ für eine faire und legale Beschäftigung ausländischer Betreuungskräfte, die als sogenannte Live-ins in Privathaushalten leben und arbeiten. Das Programm schult die Live-ins und bereitet sie auf ihre Tätigkeit vor. Zudem unterstützt sie diese bei der Suche nach einer geeigneten Stelle und begleitet sie während ihres Einsatzes in Deutschland. Der Beitrag gibt eingangs einen knappen Überblick über die Beschäftigung ausländischer Live-in-Kräfte in Deutschland. Im Weiteren wird dargelegt, warum sich die Caritas in diesem Feld engagiert, wie das Modell CariFair funktioniert und wie es von unterschiedlichen Interessensgruppen bewertet wird. Abschließend werden das Engagement der Caritas auf europäischer Ebene und mögliche weitere Entwicklungsoptionen in Deutschland angerissen.

  • Plus S. 27

    Ansprüche der Pflegekräfte an ihren Beruf

    Seit dem Corona-Ausbruch ertönt jeden Abend Applaus für jene, die sich an vorderster Front um kranke und alte Menschen kümmern und dabei auch ihre eigene Gesundheit einem Risiko aussetzen. Pflegerinnen und Pfleger sind die Heldinnen und Helden unserer Zeit. Dieser Akt der Wertschätzung ist edel, soll aber nicht von den Problemen und Herausforderungen dieses Berufs ablenken: Die Pflege gehört zu den vernachlässigten Bereichen des deutschen Sozialsystems. Fehlendes Personal, schlechte Bezahlung sowie mangelnde Ausstattung sind nur einige Kennzeichen der Defizite, die jetzt im Zuge der Corona-Krise brennglasartig zum Ausdruck kommen. Der Beitrag fragt nach den Ursachen der Misere, nennt Ansätze zur Problemlösung und legt dar, wie der Verein „Pflege in Bewegung e. V.“ um Verbesserungen kämpft.

  • Plus S. 34

    Internationale PflegekräfteIntegrationsarbeit in Einrichtungen der Gesundheits- und Krankenpflege

    Der Fachkräftemangel in der Pflege in Deutschland soll unter anderem durch die Anwerbung internationaler Pflegekräfte gemildert werden. Deren Integration schafft zunächst zusätzliche Arbeitsbelastungen in der pflegerischen Praxis. Der Umgang mit der Herausforderung dieser Integration und die wissenschaftlichen Erklärungen des Scheiterns der Integration sind Gegenstand des Artikels.

Arts & ethics

Interview

  • Gratis S. 41

    „Die Frauen sind nicht genug geschützt“Interview zu fairen Arbeitsbedingungen von Live-in-Kräften

    Bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Kündigungsschutz: Das ist für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Normalität. In den Verträgen vieler ausländischer Betreuungskräfte, die in deutschen Privathaushalten arbeiten, kommen diese Rechte nicht vor. Oft wird von ihnen 24-Stunden-Bereitschaft für die pflegebedürftige Person erwartet, ohne dass diese entsprechend vergütet wird. Das DGBProjekt „Faire Mobilität“ berät diese „Live-in-Kräfte“ und unterstützt sie dabei, ihre Rechte einzufordern.

Beitrag

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