Titelseite Amosinternational 1/2020

Heft 1/2020Sozialethische Ansprüche an die Kirchenreform

Inhalt

Die Krise der katholischen Kirche wirft Fragen auf. Rolle der Laien, Machtfrage und Zugang zu Weiheämtern werden im aktuellen Heft aus sozialethischer Perspektive reflektiert.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    EinführungEine selbe Gerechtigkeit - für die Welt und für die Kirche?!

    Durch die aktuelle Krise der katholischen Kirche in Deutschland, Europa und der Welt werden Fragen aktuell, die lange im Dunkeln gelassen wurden: Wie steht es um die Umsetzung verschiedener Forderungen der Kirche an „die Welt in ihr selbst“? Inwieweitsoll und muss die Kirche ihre eigene Soziallehre auch auf sich selbst anwenden? Vor allem Machtfragen und die Rolle der Laien als Gesprächs-, Bündnis- und Gestaltungspartner stehen dabei im Vordergrund. Anstöße hierzu bieten das nicht mehr zeitgemäß scheinende Gewaltengefälle, die Beschränkung des Zugangs zu entscheidenden Positionen auf geweihte Männer und das Ringen darum, was Kirche und Nachfolge Jesu Christi heute bedeuten. In der Einleitung wird nach einer Bezugnahme auf aktuelle Kontroversen die Anwendung von Prinzipien der gerechten Gestaltung von Gesellschaften auf die Kirche diskutiert, außerdem gibt sie einen Überblick über die Beiträge des Heftes.

  • Plus S. 11

    Vom Supranaturalismus zur DemokratieWarum es nicht mehr ohne eine Neuerfindung des Christentums geht

    Wenn es angesichts eines kirchenamtlich gepflegten Klerikalismus um das Thema „mehr Demokratie und Beteiligung in der Kirche“ geht, dann handelt es sich nicht nur um ein kirchenorganisatorisches Problem (das natürlich auch). Vielmehr stößt man sehr schnell auf hintergründige theologische Denkfiguren, die zum Kern des kirchlich verfassten Christentums gehören – und die meines Erachtens schlicht und ergreifend nicht mehr zu halten sind. Das theologische Denkmuster, das hier eine zentrale Rolle spielt und überwunden werden muss, ist der „Supranaturalismus“1. Erforderlich ist sowohl theologisch als auch kirchenorganisatorisch nicht weniger als eine umfassende Neuerfindung des Christentums.

  • Plus S. 18

    Die MenschenrechteVerpflichtende Standards auf für den Binnenbereich der (katholischen) Kirche?

    Seit sich die katholische Kirche mit der Enzyklika Pacem in terris zu den Menschenrechten bekannt hat, wird immer wieder die Frage gestellt, ob diese auch für den kirchlichen Binnenbereich verbindlich sind. Während sich die meisten kirchlichen Dokumente zu dieser Frage kaum äußern, werden in den ekklesiologischen Texten des Zweiten Vatikanums die Grundlagen für eine bejahende Antwort gelegt. Die Realität sieht anders aus: Hier stehen kirchliche Praxis und menschenrechtliche Forderungen bisweilen in Spannung zueinander. Entscheidende moralische Begründung dafür, dass die Menschenrechte trotz aller Besonderheiten auch im Binnenbereich der Kirche grundsätzlich gelten, ist die Kohärenz und Glaubwürdigkeit der kirchlichen Anerkennung der Menschenrechte und des ihnen zugrundeliegenden Menschenbilds.

  • Plus S. 25

    Ihr seid zur Freiheit berufen (Gal 5,1) - und auch mit den dafür nötigen Rechten ausgestattet?Das kirchliche Gesetzbuch auf dem Prüfstand

    Freiheit im Kirchenrecht? Dieser Frage versucht die Autorin auf den Grund zu gehen. Anhand der Neuorientierung des kirchlichen Rechts nach dem II. Vatikanum verdeutlicht sie, dass Recht ein wesentlicher Teil der Kirche geworden ist. Allen Gläubigen der Kirche spricht deshalb das kirchliche Gesetzbuch (CIC) von 1983 gewisse Grundrechte zu. Diese Grundrechte eröffnen Freiheitsräume, setzen bisweilen aber auch Grenzen. Die Autorin benennt diese Grenzen (z. B. die zum Teil fehlende Rechtssicherheit in der Kirche) und entwirft einige Reformvorschläge, die Recht und Freiheit in der Kirche sichern und Möglichkeiten zur aktiven Teilhabe von Gläubigen schaffen sollen, unter anderem die Einrichtung von kirchlichen Verwaltungsgerichten und die gerechte Besetzung kirchlicher Gremien.

  • Plus S. 35

    Erneuerung braucht Subsidiarität

    Aus politischer Perspektive sticht ein Missverhältnis ins Auge: Während die Politik sich regelmäßig Ermahnungen zu mehr Subsidiarität in der Ausgestaltung des Gemeinwesens von Seiten der Kirche gefallen lassen muss, scheint es die Kirche nicht in gleicher Weise ernst zu meinen mit der Anwendung dieses Prinzips in der eigenen Kirchenpraxis. Wie die Entwicklung dieses Prinzips in der Geschichte der katholischen Soziallehre aber zeigt, birgt es Ressourcen, die auch in der Kirche als dem religiösen Gemeinwesen zur Geltung kommen könnten. Eine heute neu versuchte Synodalität könnte ein Ort subsidiär erneuerter Kirchlichkeit sein.

Arts & ethics

Interview

  • Gratis S. 43

    "Ich erhoffe mir sichtbare Zeichen"Interview mit Birgit Mock zu Frauen, Kirche und dem Synodalen Weg

    Im Jahr 2013 waren nur etwas mehr als ein Sechstel der oberen Führungspositionen in der katholischen Kirche mit Frauen besetzt. Ein Anlass für den Hildegardisverein, gemeinsam mit Bistümern, DBK und Bonifatiuswerk das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ ins Leben zu rufen. Im Interview spricht Birgit Mock, Geschäftsführerin des Hildegardisvereins, über sichtbare Ergebnisse des Förderprogramms sowie Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Als Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Weges berichtet sie außerdem über ihre Rolle in der Synodalversammlung und ihre Hoffnung auf sichtbare Ergebnisse des Reformprozesses.

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