Heft 3/2019Ethik der Mobilität

Inhalt

Verstopfte Städte, Klimawandel oder Diesel-Fahrverbote: Ethische Fragen zur Mobilität werden derzeit rege diskutiert. Die Beiträge dieser Ausgabe beschäftigen sich mit einer verantwortungsvollen Mobilität der Zukunft und stellen alternative Modelle zur derzeitigen Verkehrspolitik vor.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Die Konsequenzen des Pariser Klimaabkommens für die deutsche Verkehrspolitik

    Mit dem Pariser Klimaabkommen und den Klimaschutzzielen der EU hat sich auch Deutschland zu einer deutlichen Reduzierung der klimarelevanten Emissionen verpflichtet. Im Gegensatz zu den anderen Sektoren sind die CO2-Emissionen im Verkehr aber nicht rückläufig, das Minderungsziel von minus 40 bis 42 % für das Jahr 2030 scheint kaum erreichbar. Obwohl die wesentlichen Ansätze zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr auf Bundesebene liegen, bleibt der Bund weitgehend untätig oder verhindert sogar wirksamere Interventionen seitens der EU. Stattdessen delegiert er mit Förderprogrammen die Verantwortung an die Kommunen, die in diesem Bereich nur wenig ausrichten können. Ohne deutlich entschlosseneres Handeln des Bundes werden die CO2-Emissionen im Verkehr im Jahr 2030 etwa auf dem heutigen Niveau liegen.

  • Plus S. 10

    Nachhaltige urbane Mobilität von morgen zwischen Reproduktion von Normen

    Der vorliegende Beitrag zeigt, in welcher Weise Vorstellungen und Prozesse einer nachhaltigen urbanen Mobilität von morgen durch soziale und kulturelle Normen geprägt sind. Wir machen deutlich, wie sie zu „Lock-Ins“ im Mobilitätssystem führen und dadurch einen nachhaltigen Wandel behindern. Gleichzeitig fordern neue, globale Umwelt- und Klimanormen diesen Status quo allerdings heraus. Sie legen sowohl Gerechtigkeitskonflikte von als auch Gelegenheitsstrukturen für Transformationsprozesse offen, wie abschließend am Beispiel der Superblocks in Barcelona gezeigt wird.

  • Plus S. 17

    Ethik der Mobilität

    Aufgrund seiner zentralen Bedeutung für das individuelle wie das gesellschaftliche Leben bedarf das Verkehrswesen sozialethischer Reflexion. Dabei gibt es ein Spannungsfeld von Gerechtigkeitskriterien, wobei der intergenerationellen Gerechtigkeit Vorrang zukommt. Solche Gerechtigkeitskriterien stehen auch im Konflikt zu anderen gesellschaftlichen Zielvorstellungen wie der weltwirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Individualethische Überlegungen zu einem verantwortlichen Verkehrsverhalten runden den Beitrag ab.

  • Plus S. 25

    Mobilität: Soziale Teilhabe im Zeichen des Klimawandels

    Verkehr ist seit einigen Jahren wieder auf der Agenda der Tagespolitik. Es wird sogar über eine „Verkehrswende“ diskutiert. Mehr und mehr rückt ins Bewusstsein, dass mit über 47 Mio. zugelassenen Pkws Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind. Doch wie sehen die Alternativen jenseits des privaten Autos aus? Während für viele Jahre die Formel galt, dass der soziale Aufstieg eng mit der Verfügbarkeit von immer größeren und leistungsfähigeren Fahrzeugen verbunden war, hat sich dies in den letzten Jahren verändert: in den urbanen Milieus sinkt die Zahl der Fahrzeuge, während in den Stadtrandlagen mit niedrigen Haushaltseinkommen die Autozahlen steigen. Das Auto wird für Geringverdiener zum Überlebensvehikel und eröffnet damit neue Fragen nach der Gerechtigkeit in der Klimapolitik. Fragen von der Vereinbarkeit der sozialen und räumlichen Mobilität mit den Erfordernissen der Nachhaltigkeit rücken in den Vordergrund.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    "The Long Road"

    "The Long Road"

    Matvey Slavin: „The Long Road“

Interview

  • Plus S. 33

    "Weil man das Rad nicht zurückdrehen kann, müssen wir es immer weiter beschleunigen."Interview über die wahren Kosten des Verkehrs und den Wandel zu einer sanften Mobilität

    In den vergangenen Jahrzehnten gab es unter Verkehrsplanungsprofessoren einen Wandel weg von der Dominanz des Straßenbaus zugunsten des Automobils hin zu einem Ansatz, der sanfte Mobilität priorisiert und viel Mobilität für alle mit möglichst wenig Verkehr verbindet. Es müssen Klimaschutzmaßnahmen eingeleitet werden und die externen Kosten für Lärm und Abgas internationalisiert werden. Dadurch entstehen kostenwahre Preise, die Konzerne zu mehr Effizienz und Verbraucher zu einem anderen Verhalten bewegen. Derzeit leiden vor allem die sozial schwachen Personengruppen unter den Verkehrsproblemen, die sie nicht verursacht haben; sanftere Mobilitätsformen würden ärmere Bevölkerungsgruppen daher nicht benachteiligen, sondern ihnen zu Gute kommen. Um Nachteile für den ländlichen Raum zu vermeiden, müssen auch dort neue Strukturen geschaffen werden, die den Menschen eine autoreduzierte Mobilität ermöglicht.

Vorgestellt

Kommentar

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