Plus
S. 9
In den Kontroversen um die „Flüchtlingskrise“ wird Migration als eine neue Herausforderung wahrgenommen. Hinter dem aktuellen Phänomen der Migration liegt aber eine lange Entwicklungsgeschichte territorial bestimmter, demokratischer Nationalstaaten und deren Wohlfahrtspolitik, die Migration zum „Problem“ haben werden lassen. Aktuell ist dagegen die starke politische Polarisierung zwischen traditionellen und liberalen Vorstellungen von Gesellschaft, die im Streit, wer zum „Volk“ (nicht) dazugehört, sichtbar geworden ist. Dabei ist das deutlich hervortretende Spannungsverhältnis zwischen Migration und Demokratie nicht einseitig aufzulösen. Moderne Demokratien müssen mit der Pluralität und Konkurrenz politischer Ansichten über kontroverse Themen wie Migration nicht nur leben – sie sollten den Streit um Wahrheit und Richtigkeit offen austragen. Von Oliviero Angeli