Heft 4/2018Steuergerechtigkeit

Inhalt

Die finanzwirtschaftliche Situation in den Ländern des globalen Südens und die Verzahnung mit den Strukturen der Weltwirtschaft macht es nicht leicht, mehr Steuerehrlichkeit und Steuergerechtigkeit zu erreichen. Doch auch in den hoch entwickelten Ländern hapert es vielerorts mit der „tax compliance“. Dieses Heft sucht nach Wegen zu höherer Steuermoral und Ansätzen für ein gerechteres Steuerwesen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Besser weniger als gar nichts?Die Souveränität des Steuerstaates

    Verliert der deutsche Steuerstaat an Souveränität, seine steuerpolitischen Ziele durchzusetzen? Der Beitrag sammelt einige Indizien dafür: Die mangelnde Steuerehrlichkeit bei der Veranlagung der Steuerpflichtigen, die Steuervermeidung und -hinterziehung gerade unter den vermögens- und einkommensstarken Steuerpflichtigen, die nachlassende Wirkung der Progression im deutschen Steuersystem sowie der verschärfte Steuerwettbewerb zwischen den (auch europäischen) Staaten. Demgegenüber wird die Notwendigkeit der steuerstaatlichen Souveränität zumal für einen demokratischen Staat begründet – und zwar einer Souveränität gegenüber den Steuerpflichtigen wie auch gegenüber anderen Steuerstaaten. Um diese Souveränität sicherzustellen, wird der bundesdeutsche Steuerstaat bei seinen leistungsfähigen Steuerpflichtigen eine höhere Steuermoral durchsetzen und gegenüber anderen Steuerstaaten seine steuerpolitische Souveränität mit diesen teilen müssen.

  • Plus S. 14

    Wirtschaft und Steuerwesen überdenkenDer Wechsel zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem bedarf eines radikalen Wandels im Steuerwesen

    Klimawandel und Umweltkrisen erfordern eine rigorose Abkehr vom wachstumsorientierten Wirtschaftssystem. Der vorliegende Beitrag skizziert die Merkmale eines alternativen, auf Nachhaltigkeit basierenden Gemeinwesens, das nicht nur im wirtschaftlichen Bereich, sondern auch auf vielen anderen Gebieten entsprechende Transformationsprozesse durchlaufen hat. Im Mittelpunkt steht dabei die These, dass das Steuerwesen ein zentrales Instrument zur Schaffung einer ökologisch erneuerten und sozial gerechteren Gesellschaft ist.

  • Plus S. 22

    Steuerpolitik und soziale UngleichheitAnalyse und Reformvorschläge

    Die soziale Ungleichheit in Deutschland ist beim Haushaltsnettoeinkommen zwar gering, beim Markteinkommen vor Steuern und Transfers sowie beim Vermögen jedoch auffallend hoch. Das Markteinkommen wird indirekt beeinflusst durch exorbitant hohe Erbschaften. Die Steuerbeiträge des obersten Zehntels der Einkommensbezieher entsprechen nicht ihrem Anteil am Gesamteinkommen. Personen mit außerordentlich hohem Wohlstand können sich deutlich stärker politisches Gehör verschaffen und darüber eigene Privilegien schützen. Der Autor schlägt konkrete Reformen vor, um Ungerechtigkeiten bei der Verteilung von Steuerbeiträgen und Sozialabgaben zu beheben und so die soziale Ungleichheit abzumildern. Konkret gilt es, ungerechtfertigte Steuerprivilegien für das oberste Zehntel abzuschaffen und im Gegenzug geringe und mittlere Einkommen zu entlasten. Dazu gehört auch ein Umdenken bei staatlichen Zuwendungen über steuerliche Freibeträge.

  • Plus S. 34

    Tax Compliance: Das Befolgen steuerlicher VorschriftenEine afrikanische Perspektive

    Steuerpolitische Legitimität wird stets ein Kompromiss und weit entfernt von Perfektion sein. Vor diesem Hintergrund thematisiert der vorliegende Beitrag die finanzwirtschaftliche Situation von Entwicklungsländern und insbesondere das Steuersystem Kenias. Dabei wird deutlich, dass die Länder des Globalen Südens auch auf diesem Gebiet eng mit den Strukturen der Weltwirtschaft verbunden sind und die reichen Industrieländer einen wesentlichen Beitrag zu mehr Steuergerechtigkeit auf weltweiter Ebene wie auch in den einzelnen Staaten leisten können.

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