«sp20_wallace»

Öl/Nessel, 116 × 82 cm
«sp20_wallace» ,2014, Öl/Nessel, 116 × 82 cm© Foto: Bernd Ikemann, VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Reflexlichter, wie sie vornehmlich auf dunklen Gemälden auftreten, werden im allgemeinen als Störungen empfunden. Bernd Ikemann hat daraus ein Thema für seine Malerei entwickelt: Er macht dabei keinen visuellen Unterschied zwischen dem eigentlichen Malstück und den darauf befindlichen Störlichtern, sondern fasst sie mittels seiner Maltechnik zu einer optischen Einheit zusammen.

Nun sind aber diese gemalten Lichtreflexe nicht willkürlich gewählte Leuchteffekte, sondern Spiegelungen der realen Außenwelt des Museums, in dem das dargestellte Gemälde hängt. Auf diese Weise holt Bernd Ikemann die häufig profane Gegenwart in das historische Bildmotiv hinein und erzeugt so eine Diskrepanz zwischen dem traditionellen Bildsujet und dem tatsächlich Abgebildeten.

Der Betrachter nimmt zuerst das dunkle halbfigürliche Porträt einer Dame wahr, gemalt im Barockstil eines Velázquez, und ist irritiert über den vermeintlichen Lichtfleck, der genau auf dem Gesicht der Porträtierten liegt. Dieser gemalte helle Fleck verdeckt das historische Gesicht in diesem Gemälde, lässt jedoch die Skizze einer gegenwärtigen Straßenszene aufscheinen, die durch die Fenster des Museums hinein gespiegelt sein könnte.

Stefanie Lieb (nach einem Gespräch mit Bernd Ikemann)

Bernd Ikemann (*1956)
studierte an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf (bei N. Tadeusz, L. von Arseniew, G. Graubner). Er lebt und arbeitet heute in Köln. 1998 bis 2001 lehrte er als Gastdozent für Malerei an der Kunstakademie Münster, 2004 bis 2005 mit einem Lehrauftrag für Gestaltung an der Hochschule Niederrhein. 1987 erhielt er den Förderpreis Malerei für junge Herner Künstler, 1988 den Förderpreis der Stadt Herne für Film Video und Foto, 1994 ein Stipendium für Bildende Kunst im Künstlerdorf Schöppingen, 2013 den Joseph und Anna Fassbender Preis, 2014 ein Stipendium der Jakob-Eschweiler-Stiftung. Werke des Künstlers finden sich unter anderem in der artothek Köln, der artothek Masserberg, der Städtischen Galerie Herne, dem Diözesanmuseum Paderborn.
Weiteres zum Künstler, zu seinen zahlreichen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen unter www.berndikemann.jimdo.com. Aktuell (bis zum 19. Februar) sind Werke von Bernd Ikemann unter dem Titel „lupo“ in der Akademie Schwerte ausgestellt (www.akademieschwerte.de).