Heft 4/2017Konsumethik

Inhalt

In der Wirtschaftsethik werden vor allem Fragen der Gestaltung der Wirtschaftsordnung sowie der Unternehmensethik thematisiert. Demgegenüber nehmen Veröffentlichungen zur Konsumethik nur einen schmalen Raum ein. Mit diesem Heft soll der bisher vernachlässigte Bereich vorangebracht werden.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Die soziale Rolle des KonsumentenZum Verantwortungsrahmen von Verbrauchern

    Viele Verbraucherstudien und politische Konzepte beschreiben Konsumenten1 als mündig, vertrauend, hilfsbedürftig und vieles mehr. Oft genug wird der private Konsum der gesellschaftlichen Sphäre gegenüber gestellt, so dass keine übergreifende Verantwortung existiert. Gibt es nicht doch einen minimalen Verantwortungsrahmen, der allgemein für jeden Konsumenten gilt? Einen solchen Minimalrahmen werden wir ausgehend vom soziologischen Rollenbegriff begründen. Wir argumentieren, dass Personen in der Rolle des Konsumenten notwendigerweise gesellschaftliche Verantwortung haben. Eine Fundierung der Verbraucherrolle allein in der privaten Sphäre kann folglich nicht gelingen. Es ist im Gegenteil unausweichlich, dass Konsumenten auf simultane Weise sowohl die Rolle des Verbrauchers als auch die des Bürgers einnehmen. Damit ist ein minimaler Verantwortungsrahmen vorgegeben.

  • Plus S. 10

    Erfolge und Aussichten des Fairen HandelsFairTrade im Gefüge von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

    Der Beitrag erzählt die Geschichte des Fairen Handels, erläutert sein Regelwerk und führt die Standards aus, die seinen Erfolg sicherstellen möchten. Es wird die bisherige Wirkung beschrieben und auf aktuelle Herausforderungen eingegangen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Politik und Handel, die den Kern der FairTrade-Bewegung bilden.

  • Plus S. 17

    Konsumgenuss und Verfeinerung des LebensstilsBraucht es statt Überfluss mehr Suffizienz?

    Die Faszination, die die moderne Konsumkultur weltweit ausstrahlt, beruht nicht nur auf Komfort und Luxus, sondern auch auf dem Reichtum an Möglichkeiten zur Lebensgestaltung. Dennoch erfährt sie seit Beginn der Industrialisierung Kritik von konservativer, progressiver und ökologischer Seite. In jüngster Zeit fordern die Vertreter einer Suffizienzpolitik und Postwachstumsökonomie den Rückbau des herkömmlichen Wachstums- und Wohlstandsmodells. Der Autor sieht darin ein Gefährdungspotential für die Bedürfnisoffenheit des Menschen und für die freiheitliche Gesellschaft. Vorzuziehen sind demnach eine freiwillig gewählte Selbstbeschränkung und ein geschärftes Verantwortungsbewusstsein des Konsumenten für soziale und ökologische Zusammenhänge. Sie können die liberale Konsumkultur stärken.

  • Plus S. 24

    Nachhaltiger Konsum und was er uns nütztEin Blick aus ökonomischer Richtung

    Der Beitrag geht von der Feststellung aus, dass nachhaltiges Handeln heute notwendig ist, um die Grundlagen menschlicher Existenz nicht zu gefährden. Dazu wird zunächst die Frage geklärt, was nachhaltigen Konsum ausmacht. Daran anschließend wird diskutiert, wie nachhaltiger Konsum überhaupt möglich ist. In vielen Fällen sind es Wissensdefizite, die ihn erschweren oder verhindern. Erläutert werden die verschiedenen Wissensebenen, die bei Konsumentscheidungen eine Rolle spielen. Welche individuellen Vorteile und Nachteile ergeben sich aus nachhaltigem Konsum, wenn es doch um eine kollektive Verantwortung geht, die andere möglicherweise nicht besonders ernst nehmen?

  • Plus S. 31

    Konsumethik aus sozialethischer PerspektiveIm Horizont von christlicher Gesellschaftsethik und politischer Wirtschaftsethik

    Der Beitrag bietet die systematische Skizze einer Konsumethik aus einer christlichsozialethischen Perspektive. Dazu werden Bezüge zur katholischen Sozialtradition, zur Sozialethik als Gesellschaftsethik und zum Ansatz der politischen Wirtschaftsethik hergestellt. Auf dieser Basis werden grundlegende konsumethische Thesen formuliert, die die ökonomische Systemrationalität ebenso berücksichtigen wie wirtschaftspolitische Aufgaben der Politik. Eine besondere Rolle kommt sozialen Bewegungen zu, die ein Bewusstsein für die sozialethischen Probleme des Konsumverhaltens bzw. Konsumstils schaffen. Die Überlegungen münden in ein Plädoyer für eine größtmögliche Transparenz und umfassende Informationspflicht über die Produktionsbedingungen der im Handel angebotenen Güter (Kennzeichnungspflicht).

Arts & ethics