Nachhaltig wirtschaften - gerecht teilen

Stefan Federbusch: Nachhaltig wirtschaften – gerecht teilen (Franziskanische Akzente 8), Würzburg: Echter Verlag 2015, 112 S., ISBN/EAN: 9783429037826.

Stefan Federbusch gelingt mit Nachhaltig wirtschaften – gerecht teilen eine ausführliche Darstellung der Debatte um ein post-kapitalistisches, solidarökonomisches Wirtschaftssystem. Gleichzeitig sucht Federbusch hierzu Anknüpfungspunkte aus biblischer, insbesondere aber auch franziskanischer Perspektive. So wird deutlich, dass sich die von ihm dargestellte Systemkritik aus vielen Motiven der Heiligen Schrift und franziskanischer Spiritualität heraus begründen lässt. Federbusch gliedert seine Darstellung und Kritik in vier Teile: Zwei Analyseteilen zum „Guten Leben“ einerseits und zur monetären Ökonomie andererseits folgt eine Rezeption franziskanischer Kapitalismuskritik, bei der Federbusch insbesondere auch auf die Positionen von Papst Franziskus Bezug nimmt. In einem vierten Kapitel entwirft der Autor Perspektiven für eine „Solidarische Ökonomie“, die auf diesen Positionen aufbauen, indem er die verschiedenen bestehenden Ansätze aus der Sicht christlicher, franziskanischer Ethik und Spiritualität reflektiert.
Von Beginn an wird deutlich, dass dem Autor die dargestellte Systemkritik ein persönliches Anliegen ist, von dem er die Leserinnen und Leser durch seine Analyse zu überzeugen versucht. Gerade in den ersten Teilen des Buches leidet deren Schärfe allerdings recht stark unter dieser expliziten Positionierung des Autors, die den neutralen Zugang zu den dargestellten, offenkundigen Problemen an der einen oder anderen Stelle behindert. Hinzu kommt, dass der Autor für viele der von ihm vertretenen Thesen kaum oder gar keine Belege anführt. Dies mag allerdings dem populärwissenschaftlichen, impulshaften Charakter des vorliegenden Buches geschuldet sein. Wenngleich Federbusch nur wenige neue Vorschläge zur Gestaltung eines post-kapitalistischen Wirtschaftssystems einzubringen vermag, stellt sein Impuls doch eine beachtenswerte Orientierung innerhalb der laufenden Debatte zu diesem Thema dar. Die Anknüpfung bestehender Probleme und ihrer Lösungsansätze an die christlich-franziskanische Ethik und Spiritualität liefert einen neuen, bisher wenig besprochenen Zugang zum wirtschaftsethischen Feld der Postwachstumsökonomie, von dem Leserinnen und Leser verschiedenster Hintergründe profi tieren können.
Nils Stockmann, Münster