Während Abweichung als Methode im Kampf um die Ressource Aufmerksamkeit so alltäglich wurde, dass die Werbewirtschaft mit Guerilla-Marketing und ähnlichem die künstlerischen Handlungsmuster längst kopiert, ist das freiwillig gewählte Exil keine übliche Form künstlerischen Auftretens. Ursula Kreutz entschied sich 2010 bei einem internationalen Kunstprojekt in einem Waldstück bei Nürnberg für ihre Form des Exils: Ein lichtdurchlässiges Tarnzelt markierte den Ort für eine mehrfach abgewandelte Performance, die Künstlerin verschmolz in ihrer Tarnkleidung mit der Umgebung. Der Mythos vom Wald verbindet sich eng mit der Vorstellung vom Verschwinden, vom Weggehen aus der Zivilisation. Ein ähnliches Unterfangen im Stadtraum wirkt paradox. Möglich, dass es dadurch eher zu Reaktionen und ungewöhnlichen Formen der Kommunikation kommt, als bei einer expressiv-aggressiven künstlerischen Intervention. Diese Möglichkeit zu eröffnen, ist Intention von Ursula Kreutz, die in ihrem Konzept die Beobachtung des möglichen Beobachters mitdenkt.
Ursula Kreutz
stammt aus einer renommierten Kölner Künstlerfamilie. Sie studierte bei Ben Willikens an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie bei Hanns Herpich, Ottmar Hörl und Georg Winter an derAkademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Arbeitsaufenthalte und Reisen führten sie nach Israel, Italien und in die Schweiz. 2003 schloss sie die Akademie mit Auszeichnung und als Meisterschülerin ab. Sie lebt und arbeitet seit 2003 als freischaffende Künstlerin in Fürth und ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Informationen zu ihren Werken, ihren Ausstellungen und Auszeichnungen unter: www.ursula-kreutz.de.