Titelseite Amosinternational 4/2016

Heft 4/2016Umstrittener Pluralismus

Inhalt

Mit Migration und den weiteren Ursachen der zunehmenden gesellschaftlichen Pluralisierung ist eine Vielzahl von Probleme verbunden, die in den Beiträgen dieses Heftes thematisiert werden.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Wie viel Pluralismus verträgt die Gesellschaft?Es geht nicht nur um die Vielfalt der Religionen und Kulturen

    Was hält eine Gesellschaft zusammen, wenn die Gegensätze in ihr anwachsen? Gesellschaftlicher Pluralismus ist ein umstrittener Sachverhalt. Die einen erkennen in zunehmender Vielfalt das Schrumpfen bisheriger Gemeinsamkeiten und fürchten soziale Konflikte bis hin zum Auseinanderbrechen des Staates. Die anderen deuten den Pluralismus als Konsequenz aus der Modernisierung und Individualisierung einer Gesellschaft, die sowohl den Alt- wie auch den Neubürgern mehr Chancen auf ein selbstbestimmtes Lebensprojekt einräumt. Nicht leicht zu beantworten ist die Frage, wie viele Unterschiedlichkeiten eine Gesellschaft aushält, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen. Das Nachdenken darüber macht es erforderlich, sowohl die Art der Unterschiede zu berücksichtigen als auch die politische Kultur, in der sie Aufmerksamkeit finden.

  • Plus S. 9

    Ein gottgewollter Wettstreit in guten WerkenSozialethische Reflexionen zu Islam und Pluralismus

    Pluralismus gehört zu den konstitutiven Merkmalen der modernen Zivilgesellschaft. Für die religiösen Akteure ist das mit hohen Anforderungen verbunden. Es geht dabei zunächst um grundsätzliche Fragen im Verhältnis von Religionen und Gesellschaft, die nicht allein den Islam betreffen. Der Blick auf muslimische Lebenswelten, Aktivitäten und Diskurse zeigt, in welcher Weise Muslime in Europa versuchen, ihren eigenen Wahrheitsanspruch mit diesem Pluralismus in ein konstruktives Verhältnis zu setzen. Hilfreich sind dabei eigene Potentiale einer pluralistischen Religion, an die die islamische Theologie, die derzeit in Europa entwickelt wird, anknüpfen kann. Die untersuchten muslimischen Autoren sind zurückhaltend gegenüber einem religionstheologischen Pluralismus, aber relativ offen für entsprechende gesellschaftliche Strukturen. Der Beitrag zeigt unter anderem, dass die im Islam verwurzelte Idee des Wettstreits im Guten einen ethischen Pluralismus konkretisieren kann.

  • Plus S. 16

    Gesellschaftlicher Zusammenhalt oder Vereinheitlichung kollektiver Identitäten?Eine Bestandsaufnahme der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen in Ungarn und des kirchlichen Reflexionspotenzials

    Der Demokratisierungsprozess in postkommunistischen Gesellschaften Mittel-Ost-Europas, der am Beispiel Ungarns beschrieben wird, hat erhebliche Hindernisse zu überwinden, die verschiedene historische und strukturelle Ursachen haben. Nach einer Phase des politischen Konsenses und der demokratischen Konsolidierung nach der Wende haben sich Gesellschaft und Politik in eine Lage gesteuert, die zum einen durch eine Legitimationskrise und den Wunsch nach charismatischen Führungsautoritäten, zum anderen vom Streben nach Vereinheitlichung kollektiver Identitäten und durch Liberalismus- und Pluralismusverdrossenheit gekennzeichnet ist. Im folgenden Beitrag werden die Ursachen dieser Entwicklungen im Licht sozial- und politikwissenschaftlicher Forschungen analysiert, um den Kontext kirchlicher Handlungsfelder genauer zu beschreiben. Anschließend wird auf einige Krisensymptome näher eingegangen und nach Kriterien theologischer Reflexions- und Gestaltungspotenziale gefragt, um die Möglichkeit eines theologisch reflektierten Umgangs mit den Krisenerscheinungen zu plausibilisieren.

  • Plus S. 24

    Religiöse Diversität in den NiederlandenZwischen historischer Signatur und gesellschaftlicher Herausforderung

    Mitte des neunzehnten Jahrhunderts endete mit Einführung der Religionsfreiheit die Vorherrschaft es calvinistischen Protestantismus. Es folgte eine Zeit der konfessionellen und weltanschaulichen Segmentierung der niederländischen Gesellschaft. Deren relativ starre Strukturen wurden ab den 1960er Jahren durch den Prozess der Säkularisierung und die Aufnahme zahlreicher muslimischer Migranten überwunden. Der anfänglichen Toleranz gegenüber den verschiedenen religiösen und kulturellen Praktiken folgte jedoch bald die Gegenbewegung. Der Beitrag skizziert die Hintergründe der Entwicklung und die derzeitige Debatte, in der der Islam mehr und mehr als das nicht willkommene Fremde angesehen wird. Zwei aktuelle Herausforderungen für die Sozialethik werden verdeutlicht: der wachsende Druck auf bestimmte Formen praktizierter Religion und die fälschlich behauptete Homogenität einer säkularen niederländischen Kultur. Sie machen eine Differenzierung und eine kritische Analyse des normativen Status verschiedener Komponenten von „Kultur“ erforderlich.

  • Plus S. 34

    Gesetzestreue – Verfassungspatriotismus– LeitkulturWas lässt sich redlich von Zuwanderern einfordern?

    Gefühle von Überfremdung und Heimatverlust im eigenen Land, Angst vor Zuwanderern mit eigenen Bräuchen und Sorge um die angestammte Identität sind allerorts zum Thema geworden. Angesichts der verstärkten Aufnahme von Schutzsuchenden und der Wahlerfolge einer rechtspopulistischen Partei, deren Existenz sich vornehmlich aus diesen Ängsten speist, stellt sich erneut die Frage: Welches Maß an Loyalität kann die Gesellschaft legitim von Zuwanderern verlangen? Drei grundsätzliche Antworten auf diese Frage werden im Folgenden auf ihre Tauglichkeit hin überprüft: die Beschränkung auf das Erfordernis der Gesetzestreue (Ernst-Wolfgang Böckenförde), das Konzept des Verfassungspatriotismus (Jürgen Habermas) und die Orientierung an einer Leitkultur des Einwanderungslandes (Norbert Lammert). Diese Konzepte werden jeweils dreifach befragt: a) Worauf können Bürger/innen und Zuwandernde verpflichtet werden? b) Wie entwickelt sich die Zustimmung zum Grundgesetz? c) Wie entsteht eine Identität als Gesellschaft?

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    guerilla_exil II 28

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    Unsichtbar werden oder um Aufmerksamkeit kämpfen?

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