Plus
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Pluralismus gehört zu den konstitutiven Merkmalen der modernen Zivilgesellschaft. Für die religiösen Akteure ist das mit hohen Anforderungen verbunden. Es geht dabei zunächst um grundsätzliche Fragen im Verhältnis von Religionen und Gesellschaft, die nicht allein den Islam betreffen. Der Blick auf muslimische Lebenswelten, Aktivitäten und Diskurse zeigt, in welcher Weise Muslime in Europa versuchen, ihren eigenen Wahrheitsanspruch mit diesem Pluralismus in ein konstruktives Verhältnis zu setzen. Hilfreich sind dabei eigene Potentiale einer pluralistischen Religion, an die die islamische Theologie, die derzeit in Europa entwickelt wird, anknüpfen kann. Die untersuchten muslimischen Autoren sind zurückhaltend gegenüber einem religionstheologischen Pluralismus, aber relativ offen für entsprechende gesellschaftliche Strukturen. Der Beitrag zeigt unter anderem, dass die im Islam verwurzelte Idee des Wettstreits im Guten einen ethischen Pluralismus konkretisieren kann. Von Hansjörg Schmid