Titelseite Amosinternational 2/2016

Heft 2/2016Korruption und Compliance

Inhalt

Die Erkenntnis ist nicht neu: Wo immer Geld im Spiel ist, sind Menschen und Organisationen anfällig, für den eigenen Vorteil Gesetze zu umgehen und Gesetzeslücken zu nutzen. Wie kann Compliance zum echten Wettbewerbsvorteil werden?

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Kampf gegen die Nährböden der KorruptionEine Einführung

    Der Tenor der folgenden fünf Beiträge zur Korruption ist einhellig: Die Korruption ist weltweit – freilich in unterschiedlicher Intensität – verbreitet und bewirkt eine ungerechtfertigte Vorteilsverschaffung einzelner Personen, Gruppen bzw. Organisationen auf Kosten anderer. Durchdringt und zersetzt sie weite Teile des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens, resultieren daraus Misstrauen gegenüber den Institutionen, eine verminderte Funktionstüchtigkeit des politischen und wirtschaftlichen Systems, vielerlei Erschwernisse des täglichen Lebens („höhere Transaktionskosten“), Stagnation, letztlich sogar Verarmung, Despotie und Anarchie. Eine großfl ächige Bekämpfung der Korruption drängt sich somit auf: angefangen bei der Stärkung des Ethos des Einzelnen, über den Aufbau von Compliance-Systemen und einer Integritätskultur in Unternehmen und Organisationen, über die Sensibilisierung der Zivilgesellschaft für ihre Anti-Korruptions-Wächterrolle, bis hin zur Schaffung entsprechender staatlicher und völkerrechtlicher Normen sowie von wirksamen Kontroll- und Durchsetzungsmaßnahmen.

  • Plus S. 6

    Bestechung und Bestechlichkeit sichtbar machen und sich ihnen entgegenstellenKorruption und Compliance aus Sicht von Transparency International

    Korruption ist heute zunehmend auf der „Agenda der Welt“ zu finden. Wurde sie früher quasi als Naturgesetz verstanden, erkennt man heutzutage die Korruption als Ursache für Armut, Krieg und Despotie. Besondere Verantwortung tragen Unternehmen, da sie sowohl Opfer von Korruption als auch Täter sind. Innere Werte, Transparenz, eine offene Kommunikationskultur in den Unternehmen, eine aufmerksame Zivilgesellschaft und „kollektive Aktionen“ sind probate Maßnahmen gegen die Korruption

  • Plus S. 14

    Das Völkerrecht als Hoffnungsträger oder stumpfes Schwert?Zur internationalen Korruptionsbekämpfung

    Korruption existiert weltweit, jedoch in unterschiedlicher Intensität. Die Notwendigkeit einer internationalen Korruptionsbekämpfung ist seit langem erkannt. Der globale Markt verlangt nach kohärenten Rahmenbedingungen. Gleichwohl ist die Verständigung darüber, was eigentlich „Korruption“ ausmacht, nicht einfach. Kernelement ist die Bestechung und Bestechlichkeit. In umfassenderer Perspektive liegt Korruption in jedem Missbrauch anvertrauter Macht für den persönlichen Nutzen. Der Beitrag befasst sich mit den zentralen internationalen Anti-Korruptions-Abkommen und stellt dar, wie die Korruptionsbekämpfung völkerrechtlich ausgestaltet ist. Er beleuchtet die Verständigung auf Korruptionstatbestände (Kriminalisierung) und Maßnahmen der Korruptionsvorbeugung sowie sonstiger Korruptionsbekämpfung in internationaler Zusammenarbeit. Insbesondere beschreibt er auch die Kontrolle der Umsetzung derartiger internationaler Verpflichtungen. Da bestimmte Staatsstrukturen Korruption besonders befördern und die notwendigen Reformen von den einzelnen Staaten selbst bewirkt werden müssen, kann das Völkerrecht nur ein Hilfsmedium sein, um Korruption weltweit einzudämmen.

  • Plus S. 22

    Korruption und Korruptionsbekämpfung im SportAus wirtschafts- und gesellschaftsethischer Perspektive

    Korruption fordert Sport auf der Ebene des sportlichen Wettkampfes sowie auf der Ebene des Managements und der Organisation heraus. Die Prinzipien und Werte des Sports werden durch Korruption mit Füßen getreten, sodass Korruptionsfreiheit als ethisch begründetes und theologisch fundiertes Ideal angestrebt wird. Korruption im Sport ist ein komplexes Phänomen; ihre Bekämpfung verlangt daher nach einem koordinierten Vorgehen verschiedener Akteure auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene. Die Dringlichkeit folgt aus der Bedrohung, die von Korruption sowohl für konstituierende Elemente des Sports als auch für die Gesellschaft als Ganze ausgeht.

  • Plus S. 31

    Compliance – der Weg zu einer Integritätskultur im UnternehmenEin Selbstporträt aus dem Siemenskonzern

    Der Beitrag beschreibt am Beispiel der Siemens AG die Bewältigung einer fundamentalen Unternehmenskrise durch die Einführung eines Compliance-Systems, das aus den drei Elementen „Vorbeugen – Erkennen – Reagieren“ besteht. Dabei wird neben der Erläuterung der praktischen Schritte zur Umsetzung von effektiven Compliance Maßnahmen auf die Bedeutung der Entwicklung einer Integritätskultur hingewiesen, die auf der gelebten Vorbildfunktion des Managements und einer offenen Kommunikation mit den Mitarbeitern beruht.

  • Plus S. 39

    Korruptionsbekämpfung muss in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Sektor ansetzenEthische Überlegungen zur Unternehmenskorruption

    In den biblischen Schriften und in den Texten der kirchlichen Sozialverkündigung wird Korruption eindeutig verurteilt. Bis heute werden Bestechung und Bestechlichkeit in keinem Land moralisch gebilligt. Unternehmenskorruption kann daher auch bei Aktivitäten in entfernten Wirtschaftsregionen nicht mit Verweis auf kulturelle Besonderheiten gerechtfertigt werden. Sie betrifft meist nicht nur Interaktionen zwischen Unternehmen, sondern auch Interaktionen zwischen Unternehmen und öffentlichem Sektor (Gesetzgebung, Behörden und Verwaltung, Rechtsprechung). Negative Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft sind dabei unvermeidbar. Der Beitrag beschreibt eine ganze Reihe typischer Formen der Korruption in diesen Bereichen und deren Folgen, aber z. B. auch vereinzelte wirtschaftliche Nachteile bei der Durchsetzung allgemeiner Korruptionsverbote. Die konkreten Vorschläge zur Korruptionsbekämpfung in Unternehmen und Politik lassen deutlich werden, dass die Verantwortung für Rechtstreue und Regelkonformität nicht allein an entsprechende Compliance-Abteilungen delegiert werden kann.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    Selbstabwicklung

    Selbstabwicklung

    Alles eine Frage der Perspektive?

Beitrag

Buchbesprechungen