Titelseite Amosinternational 1/2016

Heft 1/2016Soziale Ungleichheit

Inhalt

Das Problem der Ungleichheit ist kein rein deutsches, sondern ein globales und sich zuspitzendes. Dieses Heft zeigt die Debatte über soziale Ungleichheit in ihren vielfältigen Dimensionen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Soziale Ungleichheit und Armut in DeutschlandUrsachen und aktuelle Entwicklung, Bewertung und Maßnahmen zur Begrenzung

    Jede Beschreibung von relativer Armut enthält normative Vorentscheidungen. Eine allgemein gültige Armutsgrenze kann auch die Christliche Sozialethik nicht vorgeben. In Deutschland sind heute vor allem Langzeitarbeitslose und allein erziehende Mütter armutsgefährdet. Die Armutsbekämpfung muss sich an ihnen orientieren, damit sich die Armut bestimmter Gruppen und Familien nicht dauerhaft verfestigt. Erschwert wird die Armutsprävention dadurch, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahrzehnten beständig vergrößert hat. Die sozialen Aufstiegschancen der Marginalisierten sind geringer geworden. Das macht ein ganzes Bündel an Gegenmaßnahmen erforderlich: z. B. eine verbesserte regionale Wirtschaftsförderung und eine langfristige Umverteilung der Vermögen, genauer angepasste Erziehungs- und Bildungskonzepte, ein ausreichendes Ausbildungsplatzangebot, eine erweiterte Vorsorge zur Vermeidung von Altersarmut.

  • Plus S. 12

    Zunehmende Ungleichheit aus ökonomischer PerspektiveAusmaß, Ursachen und Auswirkungen

    Nachdem die Einkommensverteilung über Jahrzehnte gleichmäßiger geworden war, hat die Ungleichheit seit den achtziger Jahren wieder erheblich zugenommen. Dies gilt für die Vereinigten Staaten und, wenn auch etwas abgeschwächt, auch für Deutschland und viele andere Länder. Der Anstieg der Ungleichheit ergab sich fast ausschließlich durch den Anstieg der Einkommen des obersten 1 Prozents der Bevölkerung. Neuere Arbeiten zeigen, dass dadurch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt wurde. Ursachen für diesen Anstieg sind neben dem technischen Fortschritt Änderungen in der Besteuerung sowie auf den Arbeitsmärkten. Die steigende Ungleichheit führt zu mehr Kriminalität und gefährdet das Vertrauen in das politische und wirtschaftliche System. Mit Steuer- und Arbeitsmarktpolitik könnte man versuchen, auf mehr Gleichheit hinzuwirken. Die Mittel dazu sind freilich begrenzt.

  • Plus S. 20

    Europa – (k)ein Gerechtigkeitsprojekt?Die soziale Erosion einer politischen Vision

    Europa kommt seit geraumer Zeit als Gerechtigkeitsraum in den Blick. Soziale Ungleichheiten, die lange Zeit nur im nationalstaatlichen Rahmen Beachtung und Kritik fanden, werden zunehmend im Kontext der Europäischen Union wahrgenommen und problematisiert. Die Ungleichheitssoziologie liefert hierzu unter anderem mit einem Index sozialer Gerechtigkeit die empirische Datenbasis. Sie ist Grundlage für jede normativ-ethische Reflexion. Als normative Bezugsgrößen fungieren Gerechtigkeitsprinzipien und Solidaritätsnormen, die eingebunden sind in den Kontext der europäischen Rechts- und Wertegemeinschaft. Soll das europäische Friedensprojekt eine Zukunft haben, dann gilt es, auf die Gerechtigkeitsfrage wirkungsvolle Antworten zu geben und für die Herausforderungen durch soziale Ungleichheiten effektive Lösungen zu finden. Angesagt sind die Entwicklung einer europäischen Sozialstrategie sowie der Ausbau einer europäischen Wohlfahrtspolitik.

  • Plus S. 26

    Wie viel soziale Ungleichheit verträgt die Gerechtigkeit?Perspektiven der empirischen Gerechtigkeitsforschung

    Gleichheit ist der erste natürliche Bezugspunkt für das menschliche Gerechtigkeitsempfinden. Ungleiche Verteilungsergebnisse werden mehrheitlich nur dann als akzeptabel empfunden, wenn sie aufgrund transparenter und in sich gerechter Verfahren zustande gekommen sind. Weithin akzeptiert wird Ungleichheit aufgrund der Belohnung tatsächlich erbrachter Leistung. Auch die Chancengerechtigkeit genießt in der Bevölkerung eine breite Wertschätzung. Verdeckte Asymmetrien beim Zugang zu Chancen sowie ungerechte oder intransparente Verfahren bei der Verteilung von Lasten (Beispiel Steuergesetzgebung) unterminieren dagegen den gesellschaftlichen Zusammenhalt über alle Ungleichheiten hinweg. Nicht nur ethisch, sondern auch politisch geboten ist daher eine Verringerung von ungerecht strukturierter sozialer Ungleichheit.

Arts & ethics

Interview

  • Plus S. 35

    „Neue gesellschaftliche Leitbilder für die Verteilungspolitik“Interview mit Andreas Fisch (Dortmund) über Flüchtlinge, über Armut und Reichtum sowie über gerechte Steuern

    Mit der aktuellen Flüchtlingskrise sind besondere Belastungen, aber auch Chancen verbunden. Die Frage, wie die Besteuerung einerseits und staatliche Transferleistungen andererseits verteilt werden sollen, stellt sich mit neuer Dringlichkeit. Die Herausforderung zur Umverteilung ist jedoch nicht neu angesichts der seit langem wachsenden gesellschaftlichen Spaltung in Arm und Reich. Die wichtigsten Ansatzpunkte zur Sicherung sozialer Mindeststandards für alle und zur Schaffung gerechterer Startbedingungen liegen in der Steuerpolitik, im Bildungsbereich, beim sozialen Wohnungsbau und beim Abbau von lange gehegten Privilegien. So sollten zum Beispiel alle Einkommensarten in gleicher Weise besteuert und ein effektiver Ausgleich für die Armutsgefährdung durch Kindererziehung geschaffen werden. Die politischen Rahmenbedingungen könnten beispielsweise verändert werden durch die Einführung des Wahlrechts für Minderjährige und durch die Verpflichtung zur Transparenz bei allen Verflechtungen von Politik und wirtschaftlichen Interessen.

Bericht

Vorgestellt

Buchbesprechungen