Plus
S. 20
Europa kommt seit geraumer Zeit als Gerechtigkeitsraum in den Blick. Soziale Ungleichheiten, die lange Zeit nur im nationalstaatlichen Rahmen Beachtung und Kritik fanden, werden zunehmend im Kontext der Europäischen Union wahrgenommen und problematisiert. Die Ungleichheitssoziologie liefert hierzu unter anderem mit einem Index sozialer Gerechtigkeit die empirische Datenbasis. Sie ist Grundlage für jede normativ-ethische Reflexion. Als normative Bezugsgrößen fungieren Gerechtigkeitsprinzipien und Solidaritätsnormen, die eingebunden sind in den Kontext der europäischen Rechts- und Wertegemeinschaft. Soll das europäische Friedensprojekt eine Zukunft haben, dann gilt es, auf die Gerechtigkeitsfrage wirkungsvolle Antworten zu geben und für die Herausforderungen durch soziale Ungleichheiten effektive Lösungen zu finden. Angesagt sind die Entwicklung einer europäischen Sozialstrategie sowie der Ausbau einer europäischen Wohlfahrtspolitik. Von Johannes Frühbauer