Titelseite Amosinternational 4/2015

Heft 4/2015Laudato si’

Inhalt

Die Enzyklika „Laudato si’“ wurde mit großem Interesse aufgenommen. Sie stellt Umweltfragen in einen weiten politisch-sozialen und ökonomischen Zusammenhang. Zum Gespräch über die Enzyklika und ihre Themen will das Heft einladen und beitragen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Ein neues Kapitel der katholischen SoziallehreGanzheitliche Ökologie – eine Frage radikal veränderter Lebensstile und Wirtschaftsformen

    Laudato si’ ist die erste Umweltenzyklika der katholischen Kirche; sie eröffnet damit ein neues Kapitel der katholischen Soziallehre, vergleichbar mit der Anerkennung der Menschenrechte vor 50 Jahren. Den Klimawandel begreift sie als epochale Herausforderung für die Zukunft der Menschheit, für globale und intergenerationelle Gerechtigkeit sowie für eine Revision des Naturverhältnisses. Ihr Leitbegriff lautet „ganzheitliche Ökologie“. In ihm sind systemtheoretische, ethisch-sozialökologische und schöpfungstheologische Dimensionen verbunden. In radikaler Kritik der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsstile fordert die Enzyklika eine „ökologische Umkehr“ besonders der reichen Nationen sowie jedes Einzelnen. Impulse für christlich-ökologische Lebensstile ergeben sich dabei aus der Verbindung von franziskanischer Schöpfungsspiritualität und lateinamerikanischem „buen vivir“.

  • Plus S. 11

    Buen Vivir – Gut leben im Einklang mit Mutter ErdeDas kulturelle Erbe der Indigenen und die Suche nach einem anderen Fortschritt in Laudato si’

    Laudato si’ lässt sich leichter verstehen, wenn man die lateinamerikanischen Hintergründe von Papst Franziskus mitbedenkt. Seine Wertschätzung indigener Weisheit, seine parallele Bezugnahme auf den „Schrei der Armen“ und den „Schrei der Mutter Erde“ sowie seine Anknüpfung an das sozial-ökologische Konzept des Gut-Lebens ( buen vivir) weisen in diese Richtung. Für die Menschen in den reichen Ländern und die Reichen in den armen Ländern enthält die Enzyklika Einsichten und Forderungen, die mit erheblichen Zumutungen verbunden sind: Sie sollen nach einem ressourcenschonenderen Zivilisationsmodell suchen, den technischen Fortschritt ganz in den Dienst von mehr Lebensqualität stellen, ihre Kreativität einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung widmen. Die Moderne-Kritik der Enzyklika sollte niemanden abhalten vom unvoreingenommenen Dialog mit den enthaltenen lateinamerikanischen Ansätzen.

  • Plus S. 18

    Die Bedeutung der Enzyklika Laudato si’ für die Klimaverhandlungen in ParisKritische Würdigung mit Blick auf klimawissenschaftliche und verteilungspolitische Positionen

    Mit seiner weltweit viel beachteten Enzyklika1 macht Papst Franziskus unmissverständlich klar, dass er einen massiven Konflikt zwischen dem Zustand der Umwelt und dem Wirtschaftswachstum sieht. Bei der weitgehend positiven Resonanz in Deutschland fällt die Zurückhaltung der großen Wirtschaftsverbände auf. Zu den in der Enzyklika entwickelten internationalen verteilungspolitischen Vorstellungen gehen jedoch nicht nur Vertreter der Wirtschaft auf Distanz. Im folgenden Text wird zunächst der klimawissenschaftliche Forschungsstand dargestellt, danach der Stand der Verhandlungen zu einem neuen Klimaabkommen. Die sich anschließende Frage lautet: Inwiefern verfügt die katholische Kirche mit Laudato si’ über einen Ansatz, direkt oder indirekt auf die Klimaverhandlungen in Paris Einfluss zu nehmen? Es zeigt sich, dass die Enzyklika keine Handlungsanleitung bietet; sie hat eher appellativen Charakter und lädt zur Diskussion ein.

  • Plus S. 26

    Gelobt seist Du, nicht aber die „jetzige Wirtschaft“Zur Wirtschaftskritik in Franziskus’ Öko-Sozial-Enzyklika

    In Laudato si’ wird die „jetzige Wirtschaft“ als eine ausufernde und die Gesellschaften dominierende Marktwirtschaft verstanden. Wegen ihres exzessiven Umweltverbrauchs und der übermäßigen Umweltbelastung wird sie als maßgebliche Ursache für die ökologischen Verwerfungen ausgewiesen. Sie stehe in Gefahr, das „gemeinsame Haus“ zu zerstören. Eine extrem ungleiche Verteilung der Verfügungsmacht über die begrenzten Ressourcen führe zur Willkürherrschaft der Stärksten; die Folge seinen wachsende Ungerechtigkeit und Gewalt. Den Lösungsweg für die anstehende ökosoziale Transformation sieht die Enzyklika deshalb nicht in der Wirtschaft, geschweige denn beim Prinzip „mehr Markt“, sondern bei der Politik: Diese müsse der „jetzigen Wirtschaft“ wieder Grenzen setzen und sie unter das Primat der Politik bringen.

  • Plus S. 36

    Ein klares Wort zur rechten Zeit

    Im folgenden Beitrag geht es um eine kritische Würdigung der ersten Sozialenzyklika Papst Franziskus’ aus evangelischer Sicht. Betont werden die Parallelen zwischen Laudato si’ und der protestantischen Tradition des Nachhaltigkeitsdenkens seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Wichtige Parallelen liegen
    • in der Verbindung von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit,
    • im Hinweis auf die Ungleichverteilung der Macht und die Notwendigkeit entsprechender Reformen,
    • in der genauen Krisenwahrnehmung und der Aufmerksamkeit für eine Nachhaltigkeitskultur,
    • im Selbstverständnis der Enzyklika als Diskursangebot eher denn als Lehrschreiben.
    Zudem formuliert der Autor aus protestantischer Perspektive kritische Anfragen an das Moderne- und Naturverständnis der Enzyklika.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    ... und hoffentlich wird morgen alles gut!

    ... und hoffentlich wird morgen alles gut!

    Vom Menschen zum Flüchtling – vom Flüchtling zum Menschen Cornelia Suhan erzählt in ihren Fotografi en von Menschen, von Flüchtlingen, ihren Ängsten, ihren Träumen und Hoffnungen. Sie träumen von einem guten Leben, in dem sie all ihre Potentiale entwickeln können. Einem Leben ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne Angst, ohne Hunger, einem Leben in Frieden, einem Sterben in Würde. Dafür würden sie alles geben. Träume öffnen Grenzen, Träume überwinden scheinbar unüberwindliche Hindernisse, Träume verbinden. Träume sind unverzichtbar, um einen tagtäglichen Albtraum auszuhalten. Träume zeigen auch ungenutzte Möglichkeiten.

Bericht

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