Titelseite Amosinternational 3/2015

Heft 3/2015Ethik in der Stadt

Inhalt

Das Heft wendet sich ausgewählten Großstadtproblemen zu: der Integration aller städtischen Bewohner, den Städten als Zentren des Konsums, der religiösen Pluralität in den Städten, pastoralen Herausforderungen sowie Fragen der gerechten Stadtentwicklung.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Einladung zu einer SpurensucheEinführung in das Schwerpunktthema Ethik in der Stadt

    Ethics in the City : Das klingt wie eine biedere Alternative zu Sex in the City. Mit dieser US-amerikanischen Seifenoper, die seit 1998 das turbulente Liebesleben von vier Frauen vor der telegenen Kulisse von New York erfolgreich inszeniert hat, will dieses Themenheft aber nicht konkurrieren. Die Stadt gehört nicht unbedingt zum traditionellen Themenrepertoire der Sozialethik, obwohl die sozialwissenschaftlichen Partnerdisziplinen seit ihren Anfängen ein intensives Interesse an Phänomenen städtischen Lebens zeigen. Die Ethik in der Stadt ist ein typisches Querschnittsthema, das mit unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen Projekten verknüpft werden kann. Diese Plastizität gibt dem Thema eine auf den ersten Blick spielerische Leichtigkeit, die jedoch den Ernstfall der Frage nach einer gerechten Gesellschaft nicht ausschließt.

  • Plus S. 5

    Religion in der StadtSinnsuche in urbanen Lebenswelten

    Moderne Städte sind Orte des Verschwindens und der Wiederkehr des Religiösen. Auf ihren Straßen und Plätzen gelten nur die Regeln des Säkularen und zugleich werden dort existenzielle Fragen aufgeworfen, welche das Regelwerk des Säkularen aufsprengen. Das Urbane bringt religiöse Lebensentwürfe zwar in Bedrängnis, macht sie aber keineswegs belanglos. Es trifft nicht zu, dass sich Urbanität und Religiosität modernisierungsbedingt gegenseitig ausschließen. Vielmehr lässt die Moderne „postsäkulare“ Konstellationen von Religion und Kultur entstehen. Trotz anhaltender Säkularisierungsprozesse bleiben somit religiöse Sinnofferten präsent. Für Christen sind sie Herausforderung zum Dialog. Nicht das Unterscheidende, sondern das Verbindende sollte für sie im Mittelpunkt stehen.

  • Plus S. 12

    Die Stadt als zentraler Ort des KonsumierensAus wirtschaftsethischer Sicht

    Städte sind Zentren von Produktion und Konsum. Die Fülle des Angebots und die ständigen Innovationen sprengen immer wieder die Konsumerwartungen der Menschen. Daraus erwächst Kritik an der Konsum stimulierenden Wirtschaftsordnung, an der Glücksstrategie der Konsumenten (Konsumismus-Vorwurf) und an der Entwicklung der Städte zu reinen Vergnügungsstätten. Gleichwohl spricht sich der Autor gegen eine stationäre Wirtschaft mit weitgehenden staatlichen Interventionen im Konsumbereich aus. Er setzt vielmehr auf eine liberale Konsumethik, die den Konsum als Bestandteil des individuellen Lebensentwurfs auf der Basis von Bedürfnisoffenheit und Eigenverantwortung versteht.

  • Plus S. 19

    Gott auf der StraßeEin Forschungsprojekt zur Großstadtpastoral in Lateinamerika

    Die Megastädte Lateinamerikas stellen die Kirche vor zahlreiche Herausforderungen. In einem Forschungsprojekt an der Universität Osnabrück wurden sie gemeinsam mit wissenschaftlichen Gruppen in Lateinamerika untersucht. Dieses Projekt und einige seiner Ergebnisse werden hier vorgestellt und einige theologische und sozialethische Überlegungen daran angeschlossen. Es zeigt sich, dass die vielfältigen Probleme der Großstädte nur durch eine diverisifizierte Praxis angegangen werden können. Diese Vielfalt orientiert sich an der Option für die Armen und ist auf das Gute Leben aller ausgerichtet.

  • Plus S. 26

    Städte als Orte der Inklusion und der ExklusionAus dem Blickwinkel politischer Ethik

    Das Leben in der Stadt ist mit einem Versprechen von Freiheit und Erfolg verbunden, das nicht für alle Betroffene n eingelöst wird. Die Geschichte der normativen Konzepte der Stadt weckt erhöhte Erwartungen, deren Pathos an einer Wirklichkeit scheitert, die statt offener Grenzen und integrativer Maßnahmen auf Abschottung und Exklusion drängt. Am Beispiel der gestuften Mitgliedschaftsregelungen für Bürger und Einwanderer lässt sich zeigen, wie der Sozialraum von Grenzen und Statuszuschreibungen durchzogen ist. Im öffentlichen Raum der Städte begegnen sich Menschen als Fremde, die einander oft nicht mehr schulden als den minimalen wechselseitigen Respekt im Rahmen eines zufälligen Kontakts. Wie aus dieser Unverbindlichkeit ein am Gemeinwohl orientiertes Projekt entwickelt werden kann, ist Gegenstand einer sozialethisch reflektierten Urbanistik.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    ... und hoffentlich wird morgen alles gut!

    ... und hoffentlich wird morgen alles gut!

    Vom Menschen zum Flüchtling – vom Flüchtling zum Menschen Cornelia Suhan erzählt in ihren Fotografi en von Menschen, von Flüchtlingen, ihren Ängsten, ihren Träumen und Hoffnungen. Sie träumen von einem guten Leben, in dem sie all ihre Potentiale entwickeln können. Einem Leben ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne Angst, ohne Hunger, einem Leben in Frieden, einem Sterben in Würde. Dafür würden sie alles geben. Träume öffnen Grenzen, Träume überwinden scheinbar unüberwindliche Hindernisse, Träume verbinden. Träume sind unverzichtbar, um einen tagtäglichen Albtraum auszuhalten. Träume zeigen auch ungenutzte Möglichkeiten.

Interview

  • Plus S. 34

    „Stadtplanung reagiert auf veränderte Bedürfnisse“Frank Othengrafen (Hamburg) im Interview über städtischen Wohnraum, Stadtentwicklung und basisdemokratische Beteiligungsverfahren

    Stadtplanung ist in erster Linie eine Angebotsplanung. Die tatsächliche Nutzung städtischer Räume wird von vielen Akteuren, deren Interessen und weiteren Faktoren beeinflusst. Bei der Planung spielt heute unter anderem der Dialog mit Bürgerinitiativen und Protestbewegungen eine beachtliche Rolle. Andere basisdemokratische Formen zur Beteiligung der verschieden zivilgesellschaftlichen Gruppen gilt es noch zu entdecken. Bei der Wohnraumentwicklung in einzelnen Stadtteilen geht es in der Regel um die langfristige Verbesserung der Gesamtsituation einer Stadt. Angesichts der Interessen beteiligter Privatinvestoren wird die Rücksicht auf einkommens- und durchsetzungsschwache Teile der Stadtbevölkerung dabei zu einer vordringlichen Herausforderung. Zudem gewinnen die Kriterien der Integration verschiedener ethnischer Zugehörigkeiten sowie der Umweltschutz weiter an Bedeutung.

Bericht

  • Plus S. 48

    Sozialkatholizismus in den NiederlandenEine Minderheit auf dem langen Weg der Emanzipation

    Das Geschick der niederländischen katholischen Kirche in den letzten eineinhalb Jahrhunderten lässt sich am Beispiel des Sozialkatholizismus trefflich veranschaulichen. Einerseits geht es dieser Spielart des Katholizismus um die reflexive Verantwortung im Hinhören auf die „Zeichen der Zeit“. Andererseits hat sie auch die praktische Umsetzung eines normativen Gesellschaftsideals im Blick. Sie bildet in folgender Übersicht den Leitfaden, anhand dessen sich zahlreiche kirchliche Initiativen und Einrichtungen in den Niederlanden beleuchten lassen. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf der Entwicklung während der zweiten Hälfte des 19. und während des gesamten 20 Jahrhunderts. Schließlich soll erkundet werden, ob und in welcher Form sozialkatholischen Vorstellungen im gegenwärtigen Umfeld noch Gehör verschafft werden kann.

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