Titelseite Amosinternational 3/2014

Heft 3/2014Die Würde der Tiere ist antastbar

Inhalt

Diese Ausgabe geht theologisch-ethischen, philosophischen und gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit Tierethik nach und sucht nach kohärenten Kriterien für praktizierbaren Tierschutz im Kontext moderner Gesellschaft.

Über diese Ausgabe

  • Plus S. 3

    Der Mensch und seine TiereEinführung und Hinweise für eine zeitgemäße Tierethik

    In dem eindrucksvollen Lied „Erbarme dich“ auf seiner CD „Einhandsegler“ aus dem Jahr 2000 schildert der Liedermacher Reinhard Mey einen Transport von Pferden aus Litauen nach Sardinien, wo sie geschlachtet werden sollen. Diese letzte Reise der Tiere über 3000 Kilometer quer durch Europa, die rein ökonomische Gründe hat, ist mit unsäglichen Qualen verbunden. Festgebunden im engen Transporter sind den Tieren nur wenige kurze Pausen gestattet. Mit Schlägen und Elektroschocks werden sie jeweils wieder in den Transporter hineingetrieben – die Behandlung ist so, dass die Tiere keinen Widerstand leisten, aber doch aufrecht stehend am Ziel ankommen, denn sonst gibt es für sie keine Schlachtprämie.

  • Plus S. 6

    Tierzucht, Tierhaltung und ErnährungTierwohl in der industriellen Nutztierhaltung und die Notwendigkeit systemarer Veränderungen am Beispiel Rind

    Am Beispiel von Rinderzucht und Rinderhaltung wird deutlich, wie die ausschließliche Orientierung am Kriterium der Effizienz den Tierschutz ausblendet. In den industrialisierten Formen der Milch- und Fleischproduktion spiegelt sich eine eingeschränkte und technokratische Sichtweise auf Umwelt, Tier und Mensch. Das Ziel eines artgerechten Umgangs mit Nutztieren macht einen Systemwechsel erforderlich. Denn nur bei entsprechenden politischen Rahmenbedingungen und verändertem Verbraucherverhalten kann die Rückbesinnung auf extensive Tierhaltung realisiert werden.

  • Plus S. 13

    Tierschutz und Tierethik im Alten TestamentAm Beispiel des Esels

    Der Esel ist neben dem Rind das wichtigste Haus- und Nutztier im alten Israel wie auch in den großen Nachbarkulturen von Ägypten bis nach Mesopotamien. Daher spielt er in Erzählungen wie Gesetzestexten des Alten Testaments eine keineswegs nebensächliche Rolle. Respekt und Sorge für den Esel, auf dessen Arbeitsleistung man angewiesen war, und die Tendenz, ihn auszubeuten, werden gleichermaßen erkennbar. Mit dem Sabbatgebot für den Esel setzt das Alte Testament aber einen denkwürdigen Meilenstein in Sachen Tierschutz.

  • Plus S. 20

    Im Zeichen des LammesHintergründe und Optionen für eine interkulturelle Verständigung über die Tierschlachtung

    Die religiös-ritualisierte Darstellung des unauflöslichen Zusammenhangs von Fleischessen und Tiertötung, nicht zuletzt beim islamischen Opferfest, provoziert in den westlichen Industrienationen regelmäßig heftige Kritik. Das reicht bis zu deren Verfemung als blutrünstige steinzeitliche Rituale. Verdrängt werden dabei die durch Massentierhaltung, Tiertransporte und Akkordschlachtungen bedingten Grausamkeiten des westlichen Massenfleischkonsums. Verstellt wird auch die Einsicht, dass in den Ritualen ein religiöses Tiertötungsethos aufgehoben ist, das der westlich-christlichen Tradition fehlt und das für eine interkulturelle Tierethik fruchtbar gemacht werden könnte. Im vorliegenden Beitrag wird versucht, die theologischen Hintergründe und ihre interkulturellen tierethischen Optionen auszuleuchten. Dabei kommt dem christlichen Auferstehungslamm eine unerwartet selbstkritische Erkenntnisfunktion zu. Am Beispiel der deutschen Diskussion über die religiöse Tierschlachtung wird zugleich die historisch-politische Dimension deutlich.

  • Plus S. 27

    Der christliche Beitrag zur Tierethik säkularer GesellschaftenRückblick und aktuelle theologische Herausforderungen

    Menschen haben in ihrer langen Geschichte die verschiedenen Arten der Beziehungen zu Tieren auf unterschiedliche Weise gedeutet und legitimiert. Die markantesten Meilensteine dieser Entwicklung: die Domestizierung von Tieren in der Antike wie auch im alten Israel; die zunehmende Instrumentalisierung bis hin zu ihrer Industrialisierung seit dem 18. Jahrhundert; die veränderte Wahrnehmung des Tieres in der modernen Wissensgesellschaft. Die in den letzten Jahrzehnten geführte Diskussion um Tierrechte hat teils weit auseinanderstrebende Ansätze hervorgebracht. Sie münden in eine Vielzahl von Themen, mit denen sich die Tierphilosophie und die Theologie der Gegenwart befassen. Dabei gilt es, neuere Versionen der Evolutionslehre theologisch aufzugreifen und so zu integrieren, dass Theologie für die heutigen Lebenswissenschaften anschlussfähig bleibt.

Editorial

Arts & ethics

Bericht

Dokumentation

  • Plus S. 50

    Kirchliche Soziallehre und Caritas in der Transformationsgesellschaft KroatiensZur aktuellen Entwicklung und zur Geschichte seit 1990

    Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Jugoslawiens wurden große Hoffnungen in die gesellschaftliche Gestaltungskraft der kroatischen Christen gesetzt. Tatsächlich gingen von Caritas und katholischer Soziallehre in den Folgejahren zahlreiche Initiativen und Projekte aus, um die Not der Menschen zu lindern. Zusammen mit zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern kümmerte man sich z. B. um die Beschaffung von Mikrokrediten für Kleinunternehmen, um den Aufbau von Familienberatungsstellen, um die öffentliche Armutsdebatte, um verschieden Spendenaktionen, um die Verbesserung des Managements von Non-profit-Organisationen und vieles andere. Zurzeit nehmen die übergreifenden Aktivitäten ab; im Fokus stehen nun eher die jeweiligen bistumsinternen Projekte.

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