Plus
S. 10
Massenarbeitslosigkeit, steigende Staatsverschuldung, Verschlechterung der sozialen Lage in etlichen Mitgliedsländern – das ist der Hintergrund, auf dem die Europäische Union ihre politische Integration voranbringen und Strukturdefizite überwinden will. Im folgenden Beitrag werden eine Reihe von Impulsen zu der Frage benannt, wie sich dabei jene Solidarität verwirklichen lässt, die der Vertrag von Lissabon als einen zentralen Wert des europäischen Einigungsprozesses bezeichnet. Hierzu gehören u. a. die Erkenntnisse, dass das nationale Gemeinwohl von transnationalen Rahmenbedingungen abhängig ist, dass den sozialen Rechten eine gleichrangige Bedeutung zukommt gegenüber den Freiheitsrechten, etwa dem Recht auf Privateigentum, dass der Wettbewerb als Triebfeder einer modernen Wirtschaft auf starken sozialen Grundlagen beruhen muss. Entsprechende kirchliche Stellungnahmen finden bisher zu wenig Resonanz; sie sollten die Radikalität der Konflikte und sozialen Umbrüche sowie die widerstrebenden Kräfte deutlicher beim Namen nennen Von Ingeborg Gabriel