Das päpstliche Schreiben „Evangelii gaudium“ hat vielfältiges Interesse in Kirche, Theologie und Öffentlichkeit gefunden. Bemerkenswert ist auch die Resonanz, die dieses Dokument in der Wirtschaftspresse bzw. der wirtschaftsnahen Presse ausgelöst hat. Dort wurde es als Fundamentalkritik an der marktwirtschaftlichen Ordnung wahrgenommen, und dem Papst wurde – in der wirtschaftsliberalen Sicht durchaus in Aufrechterhaltung der kirchlichen Tradition – ein unzureichendes Verständnis der auf Privateigentum und Wettbewerb beruhenden Wirtschaftsordnung vorgehalten. 1 Die Kritik der Wirtschaftspresse hatte den Tenor, dass das generelle Unverständnis der Kirche für eine moderne Gesellschaft exemplarisch in der Haltung zur Wirtschaft deutlich wird.
Von Joachim Wiemeyer