Titelseite Amosinternational 1/2014

Heft 1/2014Ressourcenkonflikte

Inhalt

Die Ressourcen der Erde sind endlich und knapp. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und drohender Konflikte gewinnen die Fragen des Erhaltens und Verteilens zunehmend an Dringlichkeit. Mit einigen dieser Fragen beschäftigen sich die Autoren dieses Heftes.

Über diese Ausgabe

  • Plus S. 3

    Die wachsende Konkurrenz um die Güter der ErdeRessourcenkonflikte aus schöpfungstheologischer und christlich-ethischer Sicht

    Ressourcenkonflikte, hier verstanden als inner- oder zwischenstaatliche Auseinandersetzungen um ökonomisch relevante, teils auch lebenswichtige Umweltgüter, etwa um Boden (im Sinne von Agrarland und Bodenschätzen), Wasser und Klima, sind zwar altbekannte Phänomene, scheinen jedoch in neuerer Zeit immer mehr zuzunehmen. Knappheit ist dabei nur einer der möglichen Gründe. In der Regel müssen weitere Faktoren hinzutreten, damit Konflikte entstehen. Deren Austragung kann, muss aber nicht gewaltförmig erfolgen, sie kann auch kooperativ gestaltet werden. Nach einem Überblick über das vielschichtige und facettenreiche Problem der Ressourcenkonflikte schließen sich schöpfungstheologische Überlegungen hinsichtlich der Eigentümerschaft an der Natur und christlich-ethische Ausführungen zur universalen Zweckbestimmung der Erdengüter an. In einem letzten Schritt werden Schlussfolgerungen für die politische Praxis gezogen.

  • Plus S. 12

    Rohstoffpolitik als globale OrdnungsaufgabeHerausforderungen an deutsche und europäische Rohstoffstrategien

    Der Abbau von Bodenschätzen führt in wachsendem Maß zu Umweltproblemen sowie zu wirtschaftlichen und sozialen Konflikten und nicht selten zu Menschenrechtsverletzungen. Daher ist eine internationale Rohstoffpolitik erforderlich, die auf einen Ausgleich der divergierenden Interessen zielt. Die deutsche sowie die europäische Rohstoffstrategie liefern Beispiele dafür, dass die Industrienationen im Umgang mit kostbaren Ressourcen vor allem die eigene Wirtschaft im Blick haben. Dennoch sind aus einigen freiwilligen Initiativen zur Rohstoffgovernance verbindliche Regulierungen hervorgegangen. Hieran sollte angeknüpft werden. Dabei scheint ein themenbezogener Ansatz kurzfristig eher erfolgversprechend zu sein, als der Versuch einer umfassenden Steuerung.

  • Plus S. 17

    Seltene Erden als Treibstoff des grünen Wachstums?Zu den ökologischen und sozialen Missständen bei ihrer Gewinnung

    Beim Abbau der Metalle, die in der Gruppe der Seltenen Erden zusammengefasst werden, bestehen große ökologische und soziale Probleme. China beherrscht derzeit noch den Markt für die Förderung von Seltenen Erden. Dort sind zusätzlich die ersten Stufen der Weiterverarbeitung konzentriert. Undurchsichtige institutionelle Strukturen, die gegenwärtig reformiert werden, sind mitverantwortlich für die vielfältigen Missstände in dieser Branche. Insbesondere die verstärkte Verwendung der Metalle für sog. grüne Produkte wie Hybridfahrzeuge oder Windkraftanlagen belegt die Dringlichkeit, bei Abbau und Verarbeitung ökologische und soziale Mindeststandards durchzusetzen. Daran wird auch eine sich abzeichnende Verlagerung der Produktion von China in andere Staaten wenig ändern, da man dort vor den gleichen Herausforderungen steht.

  • Plus S. 23

    Ressourcenkonflikte und MenschenrechteGefährdungen und Schutzpflichten der verschiedenen Akteure

    Der Abbau von Ressourcen geht oft mit der Verletzung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Menschenrechte einher. Hauptakteure sind dabei vor allem multinationale Unternehmen, die Defizite in der Gesetzgebung der rohstoffliefernden Länder ausnutzen. Dennoch lassen sich auch sie in eine internationale, den Menschenrechten verpflichtete Rechtsordnung einbinden. Als wichtigste Instrumente hierfür erweisen sich juristische Maßnahmen, noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten eines sensibilisierten Verbraucherverhaltens sowie eine Wirtschaftspolitik, die Menschenrechtsverstöße sanktioniert. Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen oder internationale Leitlinien zur Einhaltung ethischer Standards sind bestenfalls Ansporn zu einem menschenrechtskonformen Agieren.

  • Plus S. 32

    Energiewende im Dickicht von GerechtigkeitsabwägungenEthische Leitlinien für die mit ihr verbundenen Konflikte

    Auch wenn die Energiewende im Dienst intergenerationeller und globaler Gerechtigkeit steht, so führt ihre Umsetzung doch zu Konflikten. Diese lassen sich im Rahmen des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit identifizieren und entschärfen: Sowohl auf ökonomischer als auch auf sozialer und ökologischer Ebene ergeben sich miteinander verflochtene, aber durchaus lösbare Spannungsfelder. Hierzu gehören u. a. der schon sprichwörtlich gewordene Konflikt zwischen Teller und Tank, soziale Schieflagen sowie der mögliche Widerspruch zwischen Klima- und Naturschutz. Diese Problemlagen sollten nicht als Einwand gegen die Energiewende missbraucht werden. Sie sollten Herausforderung sein, sie gerecht zu gestalten.

  • Plus S. 38

    Macht euch die Erde untertan – aber beutet sie nicht ausÜber einen verantwortungsvollen Umgang mit endlichen Ressourcen

    Der Auftrag, sich die Erde untertan zu machen, steht im Kontext der menschlichen Gottesbeziehung. Er muss als Aufforderung zur verantwortungsvollen Verwalterschaft begriffen werden. Ein Beispiel für die Wahrnehmung der Schöpfungsverantwortung aus dem Glauben an den Schöpfer sind die Klöster bzw. Mönchsgemeinschaften, die in der abendländischen Geschichte wichtige Kulturträger waren, auch im Hinblick auf Ackerbau, Weinbau und Viehzucht. Dieser Verantwortung bedarf es auch heute angesichts der aktuellen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene. Eine nachhaltige Landwirtschaft, die auf Ressourceneffizienz, Umwelt- und Generationenverträglichkeit bedacht ist, wird auch angesichts der gegenwärtigen Markterfordernisse ihrer Schöpfungsverantwortung gerecht und erweist sich als zukunftsfähig.

  • Plus S. 50

    Papst Franziskus und die WirtschaftAnmerkungen zum apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“

    Das päpstliche Schreiben „Evangelii gaudium“ hat vielfältiges Interesse in Kirche, Theologie und Öffentlichkeit gefunden. Bemerkenswert ist auch die Resonanz, die dieses Dokument in der Wirtschaftspresse bzw. der wirtschaftsnahen Presse ausgelöst hat. Dort wurde es als Fundamentalkritik an der marktwirtschaftlichen Ordnung wahrgenommen, und dem Papst wurde – in der wirtschaftsliberalen Sicht durchaus in Aufrechterhaltung der kirchlichen Tradition – ein unzureichendes Verständnis der auf Privateigentum und Wettbewerb beruhenden Wirtschaftsordnung vorgehalten. 1 Die Kritik der Wirtschaftspresse hatte den Tenor, dass das generelle Unverständnis der Kirche für eine moderne Gesellschaft exemplarisch in der Haltung zur Wirtschaft deutlich wird.