Sicherheit oder Freiheit für Menschen mit Demenz?Zur Güterabwägung beim Einsatz von Detektions- und Ortungssystemen in der Pflege

Die öffentliche Aufmerksamkeit zum Thema Demenz wendet sich gelegentlich einem einzelnen Menschen zu. Das geschieht in der Regel dann, wenn der Krankheitsverlauf einen eindrücklichen Vergleich aufzwingt; den Vergleich zwischen einem Davor und Jetzt. Aufgezwungen wird er dem Betrachter, sobald die Differenz zwischen Davor und Jetzt die immer noch namhaft gleiche Person wahrnehmbar entzweit: Wo klare Argumente galten, reihen sich unzusammenhängende Satzstücke aneinander, wo überblickende Weitsicht war, bleibt alles auf den Moment bezogen, wo Selbständigkeit eingefordert wurde, bleibt nur noch das Faktum des Angewiesenseins. Bei Walter Jens muss dies so gewesen sein. Im Juni 2013 ist er gestorben. Sowohl sein Sohn als auch seine Frau haben die Öffentlichkeit über diese Differenz informiert. Den wahrnehmbaren Beginn jener Differenz schildert Inge Jens in den Details ungekannter Defizite: „Von der ihn stets auszeichnenden Fähigkeit, Probleme exakt und in überzeugendem Kontext zu analysieren und die konstitutiven Fakten und Umstände präzise herauszuarbeiten, war nichts, aber auch gar nichts mehr zu spüren“ (Jens 2009, 268). Auf den immer offener zu Tage tretenden Graben, den die Differenz markiert, deutet Tilman Jens mit den Reaktionen auf einen nächtlichen Weglaufversuch: „Der Ausreiß-Versuch ist beendet. Wenn es Not tut, lässt er sich von meiner Mutter noch windeln. Viel sagt er nicht. Manchmal aber scheint er sich seiner Situation bewusst zu werden, vor ein paar Tagen hat er weinend auf das stinkende Zellstoffbündel gezeigt. Es ist schrecklich, dass Du das jetzt tun musst. Ob er wirklich genau weiß, was er da sagt?“ (Jens 2010, 13).

Summary / Resumé

Bernhard Bleyer, Andreas Hornig, Manfred Beham, Rita Dziemballa, Barbara Städtler-Mach: Security or Freedom for People with Dementia? Weighing up the Choices of the Use of Detection- and GPS-Systems in Health Care
Various producers of intel
ligent assistance-systems for people with dementia have marketed technically aided detection and GPS-systems. At the same time fi rst attemts to assess these technologies have been developed. With respect to difference basic values criteria have been named, on the basis of which the ethical tenability of a technology can been evaluated. Ethical, juridical, scientific and health-care-related deliberations have to be considered here. The following contribution shows in a fi rst step the ethical priority of two fundamental goods that have to be considered in a debate about the use of detection- and GPSsystems in the care people with dementia and with tendencies to run away. In a second step the paper argues in favour of supplementing the technological assessment by local ethical counselling.

Bernhard Bleyer et autres : Sécurité ou liberté pour les personnes souffrant de démence ? Choix éthiques en lien avec l’usage de systèmes de détection et de localisation dans les soins
Plusieurs fournisseurs de systèmes intelligents d’assistance aux pesonnes souffrant de démence viennent de lancer sur le marché des systèmes de détection et de localisation avec appui technique. Parallèlement, on a développé de premières ébauches d’évaluation de ces techniques. Se référant à des valeurs fondamentales, ces études désignent des critères permettant de vérifi er si telle ou telle technique se justifie. Pour le vérifier, il faut tenir compte non seulement d’arguments éthiques et juridiques mais encore de points de vue des sciences techniques et du secteur sanitaire et social. Cette contribution démontre d’abord la priorité éthique de deux biens fondamentaux qu’il faut respecter dans le débat sur l’utilisation de systèmes de détection et de localisation dans les soins déstinés aux personnes atteintes d’une démence avec risque de fuite. Elle plaide ensuite pour l’idée de compléter les schémas d’évaluation de ces techniques par une consultation éthique sur place.

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