Titelseite Amosinternational 3/2013

Heft 3/2013Geschlechter­gerechtigkeit

Inhalt

In den letzten Jahren hat sich, wenn auch spät und zögerlich, die wissenschaftliche Sozialethik im deutschsprachigen Raum verstärkt Fragen der Geschlechtergerechtigkeit zugewandt. Davon zeugen die Beiträge in diesem Heft.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Was meint „geschlechter­gerechte Entlohnung“?Sozialethische Überlegungen

    Geschlechtergerechte Entlohnung gehört zu den Grundsätzen europäischer Politik. Sie wird gefasst als „gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit von Frauen und Männern“. Dennoch sind geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede vorhanden. Vor allem Frauen sind von dieser Art der Benachteiligung betroffen: Der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen ist regelmäßig beträchtlich niedriger als der von Männern. Aus ethischer Sicht ist hervorzuheben, dass die Fragen der geschlechtergerechten Entlohnung aber weder auf den Erwerbsarbeitsbereich beschränkt noch ausschließlich auf die Verbesserung der Lage von Frauen bezogen sind. Dabei stellt Geschlechtergerechtigkeit keine Sonderform der Gerechtigkeit dar. Vielmehr unterstreicht „geschlechtergerechte Entlohnung“, dass die Behandlung von Gerechtigkeitsfragen Gendersensibilität verlangt.

  • Plus S. 10

    „Hüter der gläsernen Decke“ – oder warum Frauen nicht oben ankommenZur Verteilung von Macht- und Führungspositionen

    Frauen in Führungspositionen – das ist nach wie vor ein brisantes gesellschaftliches Thema. Unser Alltag ist immer noch von Vorurteilen und auch falschen Annahmen geprägt, die sich negativ auf Frauenkarrieren auswirken. Sowohl die Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als auch die Sozialtheorie von Pierre Bourdieu, die exemplarisch herangezogen wird, veranschaulichen das eindrucksvoll. Eine Christliche Sozialethik muss diese Tatsachen erkennen, auf strukturelle Ursachen und Diskriminierungen im Sinne ihrer prophetischen Tradition aufmerksam machen und sich aus theologisch-ethischer Perspektive der Problematikder Geschlechtergerechtigkeit stellen. Die Frauenfrage ist ein „Zeichen der Zeit“, und als solches ist sie theologisch zu reflektieren – mit ihren Konsequenzen sowohl für die Christliche Sozialethik als auch für gesellschaftliches und kirchliches Handeln.

  • Plus S. 18

    Frauen in der MigrationUnterwegs zu einem besseren Leben?

    „Migration“ bezeichnet die Verlagerung des Lebensschwerpunktes innerhalb von Grenzen oder über Grenzen hinweg. Die Formen von Migration sind dabei so unterschiedlich wie die Motivationen. In diesem Beitrag geht es vorrangig um Arbeitsmigration. Für Frauen bedeutet Migration häufig einen Autonomiegewinn – gleichzeitig ist die Verwundbarkeit besonders groß und oft entstehen neue Abhängigkeiten. Am Beispiel transnationaler Fürsorgeketten leuchtet der Beitrag diese Spannungen aus und zeigt Reflexionsbedarf und erforderliche Maßnahmen an.

  • Plus S. 25

    Wann ist Bildung „geschlechtergerecht“?Zur Balance zwischen Gleichheits- und Freiheitsansprüchen

    Armut, Migrationshintergrund, besonderer Förderbedarf und Geschlecht sind nach einer Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) zentrale Faktoren für die Verwirklichung des Rechts auf Bildung. Dabei geht es nicht allein um gleichen Bildungszugang. Die Debatte um bildungsbezogene Geschlechtergerechtigkeit hat sich verlagert: von den „Chancen zur Bildung“ auf die Nutzung dieser Chancen. Die „Chancen durch Bildung“ lassen sich aber um der Freiheit des Individuums willen nicht steuern. Denn Gerechtigkeit ist nur im komplementären Zusammenspiel von Gleichheit und Freiheit zu verwirklichen. Dies gilt auch für „geschlechtergerechte“ Bildung.

Arts & ethics

Interview

  • Plus S. 34

    „Wir erleben weltweit dramatische Umbrüche im Geschlechter­verhältnis“Gespräch mit Margareta Gruber OSF (Jerusalem) über die Rolle der Frau in biblischer Zeit und heute

    Wie egalitär war das Verhältnis von Männern und Frauen in den frühen christlichen Gemeinden? Warum stehen die Frauen gleichwohl nicht im Vordergrund der biblischen Texte? Welche Veränderungen gibt es heute im realen Verhältnis der Geschlechter in Gesellschaft und Kirche? Wie stehen das Christentum und die westlich geprägten Länder da im Vergleich zu anderen Kulturen und Religionen? Kann die Festschreibung der Gleichberechtigung als Grundrecht allgemein durchgesetzt werden? Wie hat sich die Situation der Frauen in den revolutionär aufgewühlten Ländern des Nahen Ostens verändert? Wie ist das Verhältnis zwischen säkularen und religiösen Impulsen zur freien Selbstbestimmung von Frauen und Männern zu bewerten? Anhand dieser und weiterer Fragen geht Schwester Margareta Gruber, Franziskanerin und Neutestamentlerin, dem Potenzial auf den Grund, dass in der Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen liegt, sei es in Deutschland oder in Nahost, sei es im Kontext von Religion oder Gesellschaft.

Bericht

Dokumentation

Buchbesprechungen