Titelseite Amosinternational 4/2012

Heft 4/2012Stark gegen Rechts

Inhalt

Die Aufarbeitung der Morde des NSU hat das Thema Rechtsextremismus wieder verstärkt auf die politische Agenda gebracht. Dieses Heft will an den gesamtgesellschaftlichen Diskurs anschließen, zu dem die Kirche einen spezifischen Beitrag leisten kann.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Neonazis und Neonazismus in der Bundesrepublik DeutschlandEine seit Jahrzehnten agierende Szene mit wachsender Schlagkraft

    Extrem rechte Tendenzen in der Bundesrepublik wurden schon in den 1950er und 1960er Jahren als neonazistisch bezeichnet. Als Geburtsstunde des Neonazismus, wie wir ihn heute verstehen, gelten die Jahre 1970/71. Nach verschiedenen Organisationsverboten haben sich scheinbar informelle Strukturen („Kameradschaften“) herausgebildet. Seit den 1990er Jahren ist eine neue extrem rechte Jugendkultur entstanden. Zusammen mit der inzwischen radikalisierten NPD haben die Neonazis eine beachtliche Mobilisierungsfähigkeit erreicht. Anhaltend hoch ist die Gewaltbereitschaft, auch wenn die Mordserie der NSU bislang eine Ausnahme darstellt. Zivilgesellschaft und Staat sind aufgefordert, wachsam zu bleiben.

  • Plus S. 10

    Die politische Entwicklung der NPDIdeologie, Organisation, Strategie und Wirkung einer rechtsextremistischen Partei

    Der Beitrag zeichnet die wechselvolle Geschichte der NPD nach. 1964 gegründet, um das rechtsextremistische Wählerpotential zu bündeln, legte sich die Partei ein möglichst konservatives bürgerliches Image zu. Das führte zwar zu heftigen internen Konflikten, doch auch zu einem beträchtlichen Zuwachs an Mitgliedern und Wählern. Zwischen 1967 und 1969 gelang der Einzug in fünf Landesparlamente. Bei der Bundestagswahl 1969 konnte die Fünf-Prozent-Hürde allerdings nicht überwunden werden. Es folgte eine lange Zeit der Richtungskämpfe und des Niedergangs. Erst 1996 begann der langsame Wiederaufstieg mit einem neuen Programm und unter neuem Vorsitz. Erfolg bei den Wahlen und eine relativ feste regionale Verankerung hat die NPD heute in einigen östlichen Bundesländern. Im Gegensatz zu den Rechtsaußen-Parteien in manchen europäischen Nachbarländern gelingt es der NPD bis heute aber nicht, sich auf Dauer ein gemäßigtes und seriöses Image zuzulegen. Ihr Rechtsextremismus bleibt unverkennbar.

  • Plus S. 20

    Rechtsextremismus als Herausforderung für die DemokratieChancen und Grenzen pädagogischer Gegenstrategien

    Der Beitrag geht von der anhaltenden Debatte um die Gefahren eines wiedererstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland aus. Die Chancen und Grenzen pädagogischer Gegenstrategien werden aus erziehungswissenschaftlicher Sicht beschrieben. Dazu werden zunächst zentrale Diskurse, Entwicklungstrends und Erklärungsansätze für Rechtsextremismus, insbesondere unter Jugendlichen, umrissen. Schulische und außerschulische Konzepte beim Umgang mit Rechtsextremismus werden diskutiert. Doch was sind die möglichen Konsequenzen? Unter anderem gehören dazu die frühzeitige Förderung des sozialen und demokratischen Handelns, eine Stärkung der Professionalität und Wertorientierung der Pädagogen, aber auch eine verbesserte Kooperation zwischen Schule und Jugendverbänden. Vieles kann die Pädagogik kaum beeinflussen, etwa die Weichstellungen durch Sozialpolitik, Justiz und Polizei. Sie muss sich gleichwohl ständig weiterentwickeln – nicht zuletzt mit Blick auf die jeweiligen Adressaten und deren sozialen Kontext.

  • Plus S. 27

    Rechtspopulismus in Europa als Herausforderung für die christliche SozialethikZur Antwort gehört eine Kultur der universalen Geschwisterlichkeit

    Der in Europa erstarkte Rechtspopulismus befördert die Fremdenfeindlichkeit, insbesondere die Islamophobie. Wesentliche Ursachen dafür gehen einher mit dem neoliberalen Globalismus: die Entpolitisierung und der mangelnde Widerstand gegen die Vorherrschaft der Ökonomie; die Beschränkung der Solidarität auf die jeweils eigene Gruppe, gepaart mit gemeinsamer Feindschaft nach außen; die Neigung zu einer Konsens-Demokratie, in der Minderheiten leicht zum Sündenbock abgestempelt werden können. Christliche Kirchen können der Gefahr des Rechtspopulismus entgegenwirken, indem sie über Religionsgrenzen hinweg für die gleichen Rechte aller Menschen eintreten und den Geist der Geschwisterlichkeit in der Zivilgesellschaft stärken.

Arts & ethics

Interview

Beitrag

  • Plus S. 44

    Rechtsextremismus in osteuropäischen LändernZeitschriftenlese OST-WEST. Europäische Perspektiven, Heft 3/2012

    Bricht die Mitte weg? Diese Frage stellt sich die neue Ausgabe von OST-WEST unter dem Schwerpunktthema „Rechtsextremismus in Mittel- und Osteuropa“. In Zeiten des Wandels und der Krisen melden sich nicht nur die zu Wort, welche den Fortschritt mitgestalten und die Krisen konstruktiv bewältigen wollen, sondern auch solche, die angesichts derartiger Veränderungen einen destruktiven gesellschaftspolitischen Revisionismus propagieren. Drohende Staatspleiten, milliardenschwere Rettungspakete, Arbeitslosigkeit und soziale Not angesichts immer härterer Sparmaßnahmen – die Eurokrise lässt Fragen um die Zukunft Europas entstehen. Antworten auf diese Fragen formulieren vermehrt auch rechtsextreme Parteien, die sich am rationalen Diskurs nicht beteiligen, sondern damit auf Stimmenfang gehen, dass sie Europa eine gemeinsame Zukunft absprechen und die Vision Europa verneinen.

Dokumentation

  • Plus S. 41

    Katholische Akademiearbeit und RechtsextremismusKompetenzen gegen Rechts – Katholisch-soziale Bildung in Deutschland

    Bildung zählt zu den wichtigsten Schlüsseln im gesellschaftlichen Kampf gegen den Rechtsextremismus, besonders in Deutschland. Hierzulande beteiligen sich daran zahlreiche Akteure, zu denen traditionell auch die katholischen Akademien und Bildungseinrichtungen gehören. Die katholisch-soziale, außerschulisch organisierte Bildung in Deutschland leistet seit Jahrzehnten bis heute ihren ganz spezifischen Beitrag für den Erhalt einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die sich aus christlicher Sicht als ein bewährter Ort für die Entfaltung von Gemeinwohl und individuellem Leben begreifen lässt. Die Vermittlung von Kompetenzen für die Begegnung mit zutiefst menschenfeindlichen extremistischen Gesinnungen ist eine Daueraufgabe der Bildung, auch abseits des aktuellen politischen Tagesgeschehens.

Buchbesprechungen