Titelseite Amosinternational 3/2012

Heft 3/2012Finanzmärkte und Staatsschulden

Inhalt

Die Finanzwirtschaft soll der „Realwirtschaft“ dienen, statt diese in den Bann von Spekulationen zu ziehen. Dafür müssen Einzelmaßnahmen in ein langfristiges Konzept eingebettet, aufeinander abgestimmt und konsequent umgesetzt werden. Dieses Heft formuliert dafür vielfältige Kriterien und Perspektiven.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Von Unsicherheiten, Sachzwängen und demokratischer DebatteKrisenszenarien in Politik und Wirtschaft auf der Spur

    Seit 2007 bestimmen wechselnde Krisenszenarien die gesellschaftliche Debatte: Experten und Politiker ringen in immer neuen Ansätzen um tragfähige Lösungen. Doch das Vertrauen der Bürger in die staatliche Kompetenz wie auch in die Kräfte des Marktes ist deutlich gesunken. Bei all den ungelösten Problemen und der beängstigenden Ungewissheit drängt sich eine Grundfrage demokratischer Gesellschaften in den Vordergrund: Birgt der vielstimmige Ausruf der Krise eine Chance für die Politik, ihre ureigene Macht und Verantwortung zurück zu gewinnen, oder regiert in Zukunft nur noch der Sachzwang?
    Der folgende Beitrag geht dieser Frage aus sozialethischer Sicht nach. Welche Auswirkungen hat die Deutungskategorie der Krise für unseren Umgang mit bestimmten gesellschaftlichen Problemen? Schadet die wachsende Verunsicherung der Demokratie oder brauchen wir eine Ausweitung der öffentlichen Diskurse?

  • Plus S. 8

    Es geht nicht ohne internationalen OrdnungsrahmenZum Verhältnis von Markt und Staat im Angesicht der Finanzkrise

    In der europäischen Finanzkrise wird zunehmend die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Wirtschaft gestellt, da der Staat scheinbar von den Märkten getrieben wird. Im vorliegenden Beitrag wird jedoch anders argumentiert: Das „Primat der Politik“ ist nicht verloren gegangen; vielmehr sind den heutigen krisenhaften Entwicklungen bewusste politische Entscheidungen vorangegangen. Der tiefer liegende Grund für die heutige Krise ist der Versuch, aus politischer Opportunität gegen die Kräfte des Wettbewerbs zu handeln, anstatt die Märkte zum Wohle des Gemeinwesens wirken zu lassen.

  • Plus S. 15

    Finanzmarktkrise und StaatsschuldenkriseUnterscheidung, Ursachen und mögliche Auswege

    Der Beitrag geht den Ursachen für die Krisen der vergangenen Jahre nach und benennt mögliche Wege ihrer Bewältigung. Die Finanz- und die Wirtschaftskrise wurde verursacht durch eine zu expansiv ausgerichtete Geldpolitik, deren Ziel es letztlich war, unangenehme wirtschaftliche Anpassungsprozessen hinaus zu schieben. Die Staatsschuldenkrise Griechenlands und anderer Euro-Länder kann dagegen auf eine bereits seit langem erfolgte Gewöhnung an übermäßige Haushaltsdefizite zurückgeführt werden. Für alle Krisen aber gilt: Weitere zeitliche Verlagerungen der notwendigen Strukturanpassungen sind kaum noch möglich, deren negativen und schmerzhaften Begleiterscheinungen sind längst unvermeidlich.

  • Plus S. 23

    Finanzmarkt und Schuldenkrise aus wirtschaftsethischer SichtProblemverständnis, Ziele und Handlungsspielräume der verschiedenen Akteure

    Die Autorin stellt zunächst das von ihr gewählte wirtschaftsethische Konzept vor und zeichnet sodann die Ursachen und die dramatische Geschichte der Finanzmarktkrise nach. Dabei werden systematische Fehlanreize benannt, die zur Verschärfung der Krise beigetragen haben: vom umsatzabhängigen Einkommen der Banker und Börsenmakler über die irrigen Einschätzungen der Rating- Agenturen bis zum wachstumsreduzierenden Sparzwang gegenüber den am stärksten betroffenen europäischen Ländern. Sinnvolle Auswege aus der Krise lassen sich am besten finden, so die Autorin, wenn es ein Einvernehmen gibt zu den Werten und Zielen, die den Weg bestimmen. Ein gerechtes Finanzmarktsystem dürfe niemandem seine Menschenrechte nehmen und müsse der Fähigkeit der Menschen, ihren Lebensstandard selbst zu sichern, dienlich sein. Die Macht der Akteure dazu beizutragen, sei ganz unterschiedlich auf nationaler und internationaler Ebene, bei politischen Entscheidungsträgern, privatwirtschaftlichen Finanzinstituten und einzelnen Bürgern. Der Beitrag endet mit ganz konkreten, zum Teil kontrovers diskutierten Vorschlägen für jede dieser Ebenen.

Arts & ethics

Interview

  • Plus S. 35

    „Eurobonds und Bankenunion sind unverzichtbar“Gespräch mit Brigitte Unger über Finanzmärkte und Realwirtschaft, über Staatsschulden und Umverteilung

    Wer sind die Gewinner, wer zahlt in der Finanzmarktkrise und bei der Eurorettung? Was hat es auf sich mit der ganz unterschiedlichen Verzinsung von Staatsschulden? Was würde sich ändern durch Eurobonds und Bankenunion? Warum gibt es gegen beide Instrumente noch immer so starke Widerstände? Was haben die Reallohnverluste der vergangenen Jahre mit dem weltweit florierenden Finanzmarkt zu tun? Anhand dieser und weiterer Fragen geht Brigitte Unger, Finanzwissenschaftlerin in Utrecht und zudem Direktorin des WSI in Düsseldorf, den Ursachen der Euro-Krise auf den Grund. Sie zeigt Webfehler auf im System der europäischen Stabilitätsmechanismen und Demokratiedefizite beim aktuellen Krisenmanagement. Bei ihren Lösungsvorschlägen kommen zusätzlich Kriterien der gerechten Verteilung, einer menschlichen Gesellschaft, der Rücksicht auf die junge Generation in den Blick.

Bericht

Buchbesprechungen