Menschheitshoffnung und politischer Auftrag

Dass Frieden eine Jahrtausende alte Menschheitshoffnung ist, bringen die Schriften des Alten und Neuen Testaments deutlich zum Ausdruck. So sieht der Prophet Jesaja den Frieden als Werk der Gerechtigkeit (Jes 32,17) an. In seiner eschatologischen Friedenshoffnung schildert er, dass das Lamm friedlich beim Wolf liegt (Jes 65, 25). In dieser Welt sind Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet (Jes 2,4). Die Geburt Jesu wird mit dem Frieden verbunden (Lk 2,14). Nicht nur in der Bergpredigt (Mt 5,9) preist er diejenigen, die Frieden stiften. Auch bei seiner Gefangennahme am Ölberg weist er Petrus, der zum Schwert greift, zurecht: Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen (Mt 26,52).

In der Realität einer sündigen Welt mussten sich Christen aber immer wieder der Gewalt stellen und nach Wegen suchen, um sie zu minimieren. Dazu haben große Theologen wie Augustinus und Thomas v. Aquin die Lehre vom gerechten Krieg entwickelt. In der jüngsten Vergangenheit (bis 1989) wurde die friedensethische Debatte vor allem über die Legitimation der atomaren Abschreckung und einen möglichen Einsatz von Massenvernichtungswaffen geführt.

Dieses Heft ist friedensethischen Herausforderungen der Gegenwart gewidmet. So greift der Beitrag von Thomas Hoppe die immer wiederkehrende und auch im Syrienkonflikt relevante Frage auf, wie die Staatengemeinschaft auf massive Menschenrechtsverletzungen totalitärer Regime reagieren soll. Menschenrechte bilden das Fundament jeder internationalen Ordnung. Insofern ist die Vorstellung einer absoluten Souveränität von Staaten überholt, was auch die Christliche Sozialethik seit der Enzyklika „Pacem in Terris“ von Johannes XXIII. aus dem Jahr 1963 anerkennt. Doch zeigt Thomas Hoppe die Probleme auf, die sich stellen, wenn die internationale Gemeinschaft nicht jede Form von Menschenrechtsverletzungen dulden will.

Seit 1999 gibt es einen deutschen zivilen Friedensdienst, der sowohl der Prävention dienen soll als auch nach Ende akuter Gewaltkonflikte einen Beitrag zur gesellschaftlichen Versöhnung leisten kann. Martin Vehrenberg schildert aus der Sicht der katholischen Entwicklungsorganisation das Zusammenwirken der am Friedensdienst beteiligten Akteure und zeigt die Spannungsfelder, die sich dabei aufgrund unterschiedlicher Perspektiven ergeben.

Dem Ausbruch gewaltsamer Konflikte sowie der Bereitschaft zur Gewalt gegen Menschen gehen zahlreiche Prozesse voraus, in denen Hass geschürt, Feindbilder aufgebaut und selektive Geschichtsbilder vermittelt werden. Dabei spielen Medien eine zentrale Rolle. Durch die Art ihrer Berichterstattung können sie entweder zur Konfliktverschärfung oder zur Konflikteindämmung beitragen. Axel Heinrich geht in diesem Zusammenhang den Herausforderungen nach, vor denen Medien aus ethischer Sicht stehen.

Der bekannte Friedens- und Konfliktforscher Dieter Senghaas skizziert in seinem Beitrag die zentralen Problembereiche einer Weltordnungspolitik. Auf dem Hintergrund weltweiter Zerklüftungen, die er trotz oder gerade angesichts globaler Interdependenzen perzipiert, fragt er nach den Zusammenhängen, die zwischen ökonomischen und friedenspolitischen Herausforderungen bestehen.

Im Interview plädiert Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi und Sprecherin der „Aktion Aufschrei – stoppt den Waffenhandel!“ für eine breite Diskussion der aktuellen Rüstungsexportpolitik sowie für eine rigorose Einschränkung der Geschäfte mit Waffen und anderem Kriegsgerät. Die Politik müsse intensiver die Ergebnisse von Militäreinsätzen wie in Afghanistan evaluieren, aber auch die Opfer sehen, die in ärmeren Ländern und Regionen bereits durch die Verwendung der knappen Staatseinnahmen für den Kauf teurer Waffensysteme entstehen.

Die deutschen Bischöfe haben Ende letzten Jahres ein nachdenkliches Wort zur Abwehr und Überwindung des Terrorismus vorgelegt. Ihre friedens- und rechtsethischen Überlegungen rücken die Würde jedes einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Johannes J. Frühbauer stellt den Text vor und würdigt ihn als weiterführenden Impuls für die fortdauernde Terrorismus-Debatte.

Dass es für eine Christliche Sozialethik fruchtbar sein kann, sich der eigenen Tradition zu vergewissern, versuche ich in meinem Beitrag aus Anlass des 200. Geburtstags des bedeutenden Sozialbischofs Wilhelm Emanuel v. Ketteler zu zeigen.