Titelseite Amosinternational 4/2011

Heft 4/2011Soziale Marktwirtschaft für Europa

Inhalt

Der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft ist seit Inkrafttreten des Lissabonner Vertrages Bestandteil europäischen Primärrechts. Hat er das Potential das europäische Sozial- und Gesellschaftsmodell zu erneuern?

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Gratis S. 3

    Soziale Marktwirtschaft - deutscher Sonderweg oder europäisches Gemeingut?Eine kulturgeschichtliche Spurensuche

    Im Vertrag von Lissabon wird die Soziale Marktwirtschaft erstmals verbindlich als Leitidee der Europäischen Union benannt. Der Begriff erlangte seine Prominenz in der jungen Bundesrepublik Deutschland der 1950er Jahre. Er prägte die Debatte um eine neue Wirtschafts- und Sozialordnung. Seitdem beziehen sich Politiker, Ökonomen, Sozialethiker beim Richtungsstreit um die Gewichtung von Marktfreiheit und staatlicher Ordnung, von Sozialstaat und Leistungsgerechtigkeit auf die Soziale Marktwirtschaft. Nicht zuletzt ist diese Debatte auch beeinflusst durch die kulturelle Herkunft und konfessionelle Bindung der jeweiligen Akteure. Außerhalb Deutschlands hatte der Begriff zu keiner Zeit eine vergleichbare Anziehungskraft. Gleichwohl wurzeln die Ziele, Marktfreiheit und Bürgersolidarität, wirtschaftlichen Wettbewerb und sozialen Fortschritt mit einander zu verbinden, im gemeinsamen europäischen Kulturerbe.

  • Plus S. 10

    Europäische Ordnungspolitik in der KriseZu den Urachen und möglichen Auswegen

    Der Begriff Ordnungspolitik lässt sich zwar kaum in andere Sprachen übersetzen; es ist aber gleichwohl möglich, das Leitmotiv auf Europa zu übertragen. Wilhelm Röpke war gleichzeitig Ordnungspolitiker und Europaskeptiker. Seine frühen Befürchtungen haben sich während der letzten 50 Jahre Europäischer Integration in mancher Hinsicht erfüllt; teilweise ist die Europäische Union aber auch ein Instrument erfolgreicher ordnungspolitischer Selbstbindung durch Verträge und Delegation. Die aktuelle Staatsschuldenkrise zeigt indes, dass beide Verfahren auch scheitern können. Die Währungsunion musste Krisen hervorrufen, nachdem zu viele Länder zu früh beigetreten sind und Stabilitätsversprechen permanent gebrochen wurden. Der Weg aus der Krise führt allerdings nicht über noch mehr Zentralisierung und Stimmentausch in einer „Wirtschaftsregierung“. Nur automatische Mechanismen der strikten Regelbindung („Schuldenbremse“) schaffen wieder Vertrauen und vermeiden in Zukunft weitere Krisen dieser Art.

  • Plus S. 16

    Wettbewerb der Sozialsysteme oder integriertes Sozialmodell?Perspektiven europäischer Sozialpolitik

    Der soziale Fortschritt ist von Beginn an ein gemeinsames Ziel der europäischen Staaten. Gleichwohl folgt die jeweilige staatliche Sozialpolitik ganz unterschiedlichen Konzepten. Es stellt sich daher die Frage, mit welchen Mitteln eine stärkere Angleichung oder gar ein einheitliches europäisches Sozialmodell erreichbar wäre. Welches Maß an Vereinheitlichung ist überhaupt sinnvoll und erstrebenswert? Wie lassen sich die sozialen Herausforderungen durch die Globalisierung und den demographischen Wandel am ehesten meistern? Der Autor plädiert für ein differenziertes Sozialsystem und die Vorteile des Wettbewerbs. Das begünstige das notwendige institutionelle Lernen. Die Vereinheitlichung sollte sich dagegen auf soziale Mindeststandards und den ordnungspolitischen Rahmen beschränken.

  • Plus S. 20

    Europa und die ökologische Erneuerung der Sozialen MarktwirtschaftZu Leitbild und Strukturen der Nachhaltigkeit

    Hintergrund des Beitrags ist die bereits seit einigen Jahrzehnten geführte ökologische Debatte. Der Fokus liegt im Folgenden zunächst auf der Skizze eines differenzierten Naturbegriffs sowie auf der Entfaltung des Nachhaltigkeitskonzepts in (sozial-)ethischer Perspektive. Es ist das Anliegen des Beitrags zu verdeutlichen, dass dieses Konzept nicht dazu führt, eine neue Soziale Marktwirtschaft zu „erfinden“, sondern dass es anschlussfähig ist an die ursprüngliche Intention der Väter der Sozialen Marktwirtschaft. Insofern leistet das Leitbild der Nachhaltigkeit einen konstitutiven Beitrag dazu, die klassischen Ziele von Freiheit und Gerechtigkeit für die Gegenwart und Zukunft adäquat zu formulieren und inhaltlich zu konkretisieren und damit das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zu erneuern. Zugleich wird aufgezeigt, an welcher Stelle es noch der konzeptionellen Weiterentwicklung bedarf, will man von einer Europa bezogenen Sozialen Marktwirtschaft sprechen.

  • Plus S. 27

    Ökonomie und Ehtik - aus Sicht der katholischen SoziallehreEine osteuropäische Perspektive

    „Caritas in Veritate“, die Sozialenzyklika Papst Benedikts XVI., beansprucht, Botschaft der Wahrheit zu sein für die heutige Gesellschaft, für ihre Kultur, für ihr politisches und wirtschaftliches System. Dabei handelt es sich um eine Wahrheit, die sich von universellen, unveränderlichen Prinzipien ableitet und die sich in der Liebe Gottes verankert weiß. Der folgende Beitrag will der Frage nachgehen, wie dieses Leitbild in den Volkswirtschaften der Länder verwirklicht werden kann, die angesichts der andauernden globalen Krise im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Der erste Abschnitt fragt nach der Wechselwirkung von Wirtschaft und Moral. Im zweiten Teil wird die Bekämpfung der Armut in den Blick genommen, die ein zentrales Anliegen der katholischen Soziallehre und auch der jüngsten Sozialenzyklika ist.

  • Plus S. 34

    „Der Binnenmarkt braucht beide Beine: Wettbewerb und Solidarität“Interview über Finanzmarktregulierung und soziale Marktwirtschaft in Europa

    Wie lassen sich die Finanzmärkte auf europäischer Ebene regulieren? Was sind zurzeit die Prioritäten der EU-Kommission? Welche Maßnahmen sind bereits umgesetzt? Wie können wir dem Ziel einer sozialen Marktwirtschaft näher kommen? Und wie ist eine größere Akzeptanz der Europäischen Union bei seinen Bürgern zu erreichen? Auf diese und weitere Fragen gibt Michel Barnier Antworten, die informieren und die das Zutrauen zum Projekt Europa stärken.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    Das Volk

    Das Volk

Bericht

Vorgestellt

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