Titelseite Amosinternational 3/2011

Heft 3/2011Wohlstand ohne Wachstum?

Inhalt

Die internationalen Finanzmarkt- und Schuldenkrisen zeigen, dass die bloße Steigerung der auf dem Markt bewegten Kapital- und Gütermenge kein hinreichender Indikator für eine gute Wirtschaftsentwicklung ist. Wie ist die Sicht der christlichen Soziallethik?

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Wachstum - oberstes Ziel der Wirtschaft?Anfragen aus der Sicht kirchlicher Sozialverkündigung

    Die kirchliche Sozialverkündigung steht einer reinen Wachstumsorientierung der Wirtschaft kritisch gegenüber. Ihrer Auffassung nach darf nicht das gesamte gesellschaftliche Leben von ökonomischem Denken und entsprechenden Verhaltensweisen dominiert werden, so dass geistig-kulturelle Werte zurücktreten und das Sozialkapital der Gesellschaft gefährdet wird. Eine gerechte Verteilung des Erwirtschafteten, ökologische Rücksichtnahme und Arbeitsbedingungen, die mit den Menschenrechten vereinbar sind, haben eine so hohe Bedeutung, dass für sie auch Wachstumseinbußen hinzunehmen sind. Auch Entwicklungsländer sollten ihre Entwicklung nicht allein nach technokratisch-ökonomischen Gesichtspunkten ausrichten.

  • Plus S. 11

    Wie lassen sich Lebensqualität und Wohlstand messen?Zu den Methoden und den Konsequenzen für die Europapolitik

    Obwohl man für die Messung wirtschaftlicher Leistung allgemein das Bruttoinlandsprodukt (BIP) angibt, zeigen sich die Beschränkungen dieses Maßstabs, wenn es darum geht, Lebensqualität oder Wohlstand zu messen. Im Folgenden werden zunächst verschiedene neuere Arbeiten universitärer Herkunft („Stiglitz-Kommission“), oder aus internationalen Organisationen (UN, OECD, Europarat) vorgestellt, die den Begriff des „Wohlstands“ zu präzisieren suchen und neue spezifische Indikatoren für dessen Messung und Analyse entwickeln. In einem zweiten Teil soll dargestellt werden, in welchen unterschiedlichen Weisen Lebensqualität und Wohlstand fortschreitend Aufnahme in die Politik der EU gefunden haben, etwa im Rahmen der Strategien von Lissabon oder Europa 2020, oder auch wie von diesem Zusammenhang verschiedene Initiativen ausgehen, etwa die internationale Tagung „Mehr als BIP“ oder die „Europäische Studie über Lebensqualität“, die von Eurofound durchgeführt wurde.

  • Plus S. 19

    Glücksforschung und WirtschaftspolitikWachstum und Wohlstand unter neuer Perspektive

    Das Wirtschaftswachstum spielt weiterhin eine dominante Rolle als Ziel und Maßgabe gesellschaftlicher Entwicklung. Das muss einen neutralen Beobachter verblüffen: Auf der einen Seite scheint eine große Mehrheit dieses Ziel wie selbstverständlich anzuerkennen, ohne sich die Mühe zu machen, es im Einzelnen zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite steht eine immer größer werdende Gruppe kritischer Köpfe; seit Jahrzehnten führen sie ein ganzes Arsenal an triftigen Gründen an, weshalb Wirtschaftswachstum ein äußerst fragwürdiges Ziel sei. Woher kommt diese Diskrepanz? Sind die Gegengründe nicht zwingend genug? Übersehen die Kritiker den wahren Wert wirtschaftlichen Wachstums? Oder begreifen die Befürworter einfach nicht, dass die Wirtschaft dem Glück zu dienen hat und nicht umgekehrt? Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, diese Fragen aus der Perspektive der Glücksforschung zu klären. Dadurch wird es möglich, deren Rolle in der Wirtschaftspolitik aufzuzeigen und den Beitrag darzustellen, den sie in den gesellschaftlichen Diskurs um Wohlstand und Wachstum einzubringen vermag.

  • Plus S. 30

    Befähigung zum GedeihenAuf dem Weg zur integrativen Wirtschaftsindikatoren

    Seit knapp zwei Jahrhunderten leben wir in der Welt eines enormen wirtschaftlichen Wachstums. Es hat in den dadurch wohlhabenden Ländern den Hunger überwunden, stößt aber nun an seine ökologischen Grenzen. Seit einigen Jahren wird daher darüber diskutiert, wie man den traditionellen Wohlfahrtsindikator Bruttoinlandsprodukt (BIP) ergänzen könnte, um zu einer integrativeren Wohlstandsmessung zu kommen. Dabei soll neben der produktiven Wirtschaftsleistung auch die Lebensqualität der Menschen sowie die Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftens Berücksichtigung finden. Das allgemeine Ziel der Messung dieser Indikatoren besteht dabei in der Befähigung zum Gedeihen (Amartya Sen). Von der christlichen Sozialethik kann diese Debatte nur begrüßt werden. Denn die Religionen haben stets das Bewusstsein dafür wach gehalten, dass „der Mensch nicht vom Brot allein lebt“ und ein gedeihliches Leben zwar auch, aber nicht ausschließlich aus materiellen Werten besteht.

Arts & ethics

Vorgestellt

  • Plus S. 45

    Digitale Mediengesellschaft - Nachhaltige Energieversorgung - Chancengerechte GesellschaftDrei aktuelle Impulspapiere der Deutschen Bischofskonferenz,

    In den vergangenen Wochen haben zwei Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz drei Impulspapiere vorgelegt. Von besonderer Bedeutung für den Diskurs dürfte vor allem das am 27. Juni 2011 veröffentlichte sozialethische Impulspapier „Chancengerechte Gesellschaft. Leitbild für eine freiheitliche Ordnung“ sein. Verantwortet wird es von der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz. Es enthält eine aktuelle sozialethische Positionsbestimmung – vierzehn Jahre nach dem ökumenischen Sozialwort „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ und nach zwei höchst umstrittenen Stellungnahmen in der Zwischenzeit. Daneben wurde von der gleichen Kommission ein umweltethisches (auf eine nachhaltige Energieversorgung bezogenes) Impulspapier publiziert. Zudem hat die Publizistische Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ein medienethisches (insbesondere auf das Internet bezogenes) Impulspapier vorgelegt. Diese beiden Papiere schließen an frühere Texte an, thematisieren jedoch zugleich auch wichtige neue Gesichtspunkte.

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