Titelseite Amosinternational 2/2011

Heft 2/2011LebensWert Arbeit

Inhalt

Die Arbeiterfrage, so scheint es, ist im 21. Jahrhundert wieder offen, diesmal im Kontext von Bildungsgerechtigkeit und Arbeitsmigration in der globalen Welt. Sie verlangt auch heute nach einer solidarischen Antwort. Wie diese aussehen kann, diskutieren Autoren in dieser Ausgabe.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5

    Teilhabegerechtigkeit als sozialethisches LeitbildGegen die zunehmende Ungleichheit in der postindustriellen Arbeitsgesellschaft

    Der Arbeitsgesellschaft geht, entgegen dem berühmten Diktum Hannah Arendts, die Arbeit nicht aus. Sie befindet sich allerdings in einer tiefen Umbruchphase. Diese ist gekennzeichnet durch eine „Entgrenzung“ der Erwerbsarbeit. Sie steht im Zeichen der Entwicklung hin zu einer Wissensarbeitsgesellschaft, die von einer zunehmenden Ungleichheit geprägt ist. Demgegenüber ist Teilhabegerechtigkeit als sozialethisches Leitbild herauszustellen und hinsichtlich einer Teilhabe an der Erwerbsarbeit zu konkretisieren. Dies bedeutet jedoch nicht, Erwerbsarbeit um jeden und zu jedem Preis einzufordern, sondern nach Bedingungen humaner Erwerbsarbeit zu fragen.

  • Plus S. 19

    Wenn Erwerbsarbeit zur Hauptsache wirdZu den destruktiven Folgen von Subjektivierung und Entgrenzung der Arbeit

    Die Erwerbsarbeit nimmt im Leben der einzelnen und auch im Zusammenleben einen immer größeren Raum ein. Angesichts fortwährender Massenarbeitslosigkeit wird sie auch gesellschaftlich zur „Hauptsache“ erklärt. Der folgende Beitrag lenkt den Blick auf die destruktiven Folgen dieser Entwicklung, die nicht nur die Arbeitskraft, sondern alle subjektiven Fähigkeiten, die persönliche Zeit und Motivation an die Erwerbsarbeit bindet. Welche Auswirkungen hat es, wenn das private Lebensumfeld, die mit anderen Menschen geteilte Freizeit den Erfordernissen der Erwerbsarbeit strikt untergeordnet werden? Wie verändert sich die Fähigkeit der Arbeitenden, auf die eigenen Interessen zu achten, wenn im Betrieb Kontrolle zunehmend ersetzt wird durch Selbstkontrolle? Wie wirkt sich die in der Arbeitswelt geforderte Flexibilität auf andere gesellschaftliche Sphären aus? Einige Vorschläge, der Erwerbsarbeit erneut Grenzen zu setzen, beschließen den Beitrag.

  • Plus S. 19

    Der Trend zu prekärer BeschäftigungEine Diagnose aus sozialthischer Perspektive

    Prekäre, das heißt rechtlich ungeschützte, sozial ungesicherte und schlecht entlohnte Arbeit nimmt in Deutschland und weltweit immer weiter zu. Es gibt eine Schicht von Arbeitnehmern, die als flexible Verfügungsmasse gilt. Sie können dem Produktionsprozess je nach Bedarf „just in time“ zugeführt werden. Die Prekarisierung ist aber nicht nur auf eine soziale Randgruppe beschränkt, sondern reicht weit hinein in die Mitte der Arbeitnehmerschaft. Die Folge ist eine allgemeine Verunsicherung. Der Beitrag gibt zunächst einem Überblick über diesen Trend und seine Hintergründe. Danach werden sozialethische Leitlinien für die Regelung von Beschäftigungsverhältnissen vorgestellt, die auch die Interessen von Arbeitnehmern berücksichtigen: Personalität, Fairness, Lohngerechtigkeit und Arbeitsplatzsicherheit.

  • Plus S. 27

    Gerechter Lohn - was soll das sein?Für eine andere Verteilung der unternehmerischen Wertschöpfung

    Die Mehrheit der Bevölkerung hält die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht. Doch was ist ein gerechter Lohn? Der Autor stellt verschiedene Modelle vor, die bis heute vertreten werden: der bedarfsgerechte Lohn, der leistungsgerechte Lohn, der funktionsgerechte Lohn. In einer modernen Gesellschaft füge sich jedoch allein das Konzept des verteilungsgerechten Lohns ein in eine angemessene Aufteilung der gemeinsamen gesellschaftlichen Wertschöpfung zwischen den vier beteiligten Parteien Natur, Gesellschaft, Arbeit und Kapital. Für die Arbeitnehmer sei es beim Aushandeln gerechter Löhne entscheidend, gegenüber den Kapitaleignern auf eine gleich starke Verhandlungsmacht (materielle Parität) bauen zu können.

  • Plus S. 36

    Dach, nicht Regenschirm für globale ArbeitnehmerrechteDie Decent Work Agenda der Internationalen Arbeitsorganisation

    Seit bald einhundert Jahren versucht die internationale Gemeinschaft ein Dach für Arbeitnehmer zu „zimmern“, unter dem sie vor Ausbeutung und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen sicher sind. Doch auch heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist die globale soziale Frage ungelöst. Millionen Menschen, vor allem in den Entwicklungsländern, werden weiterhin fundamentale Arbeitsrechte vorenthalten. Mit der Decent Work Agenda der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labor Organization, ILO) liegt seit 1999 ein politisch zunehmend akzeptiertes Normen-und Verfahrenspaket vor, dem allein die institutionelle Durchsetzungskraft fehlt. Konkrete Änderungen der Global-Governance-Architektur sind notwendig, um diese Normen menschenwürdiger Arbeit justitiabel werden zu lassen. Zu den Anregungen für eine Implementierung der Arbeitsstandards gehört auch die Enteignungsoption der katholischen Sozialtradition.

  • Plus S. 42

    Liberalisierung - Privatisierung - DeregulierungDer Wandel der ARbeit im sambischen Kupferbergbau

    Gerade in den Ländern der so genannten Dritten Welt sind Arbeitsplätze oft extrem unsicher und nur gering entlohnt. Es fehlt an Arbeitsschutz und geregelten Arbeitszeiten, aber auch an sozialer Infrastruktur und Bildungschancen. Im folgenden Beitrag wird am Beispiel Sambias dargestellt, wie sich die Lage der Arbeiter auch angesichts einer wirtschaftsfreundlichen Politik und umfangreicher ausländischer Investitionen immer weiter verschlechtert hat. Wo liegen die Gründe für den scheinbar unumkehrbaren Weg Sambias in die Armutsfalle? Wie konnte es zur weitgehenden Ohnmacht der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften kommen? Welche langfristigen Folgen hat es, wenn Arbeitslöhne weit unter der Armutsgrenze liegen? Anhand dieser und weitere Fragen zeichnet der Autor ein ganz konkretes Bild vom Wandel und der Entwertung menschlicher Arbeit.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    Ohne Worte

    Ohne Worte

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