Titelseite Amosinternational 1/2011

Heft 1/2011Zivilgesellschaft

Inhalt

Zivilgesellschaft ist und bleibt eine Aufgabe, an der konstruktiv und dialogfähig mitzuwirken Auftrag der Kirche ist. Diese Ausgabe von Amosinternational will mit einer sozialethischen Zwischenreflexion dieses Engagement unterstützend begleiten.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Zivilgesellschaft – nur eine Zauberformel?Zur theoretischen und normativen Deutungskraft des Konzepts

    Zivilgesellschaft bezeichnet einen von Staat, Wirtschaft und Privatsphäre unterschiedenen Handlungszusammenhang in der Gesellschaft, der insbesondere durch freiwillige Assoziationen gekennzeichnet ist. Die Interaktionsweisen sind von Freiwilligkeit und Offenheit beziehungsweise Öffentlichkeit, von Gewaltlosigkeit und dem Bemühen um kommunikative Klärungen geprägt. Dadurch werden sie zugleich mit normativen Erwartungen versehen. Grundlegend ist die Anerkennung der Anderen als gleichwertige und gleichberechtigte Bürger – selbst wenn Überzeugungen und Lebensweisen unterschiedlich sind, Interessen divergieren und Konflikte in grundlegenden Wertefragen bestehen. Zivilgesellschaftliche Aktivitäten wollen zum einen in Kooperation und Solidarität gesellschaftliche Lebensmöglichkeiten erweitern. Zum anderen zielen sie darauf ab, Einfluss zu nehmen auf politische Entscheidungen. Das Konzept Zivilgesellschaft hat Eingang in die neuere kirchliche Sozialverkündigung gefunden.

  • Plus S. 11

    Zivilgesellschaftliches EngagementZwischen Eigenständigkeit und aktiver Teilhabe

    Zivilgesellschaftliches Engagement zeichnet sich durch die Eigenständigkeit der jeweiligen Akteure aus. In freier Selbstbestimmung entscheiden sie darüber, ob sie in Kooperation mit Institutionen des Staates bzw. des Marktes handeln, oder ob sie ohne, möglicherweise auch gegen diese aktiv werden. Es bleibt ihnen selbst überlassen, ob sie sich stabilisierend, korrigierend oder kritisierend einmischen. Es wäre freilich Illusion anzunehmen, dass zivilgesellschaftliches Engagement anstelle dieser Institutionen dauerhafte Stabilitäten gewährleisten könnte. Das Wachsen der Zivilgesellschaft hängt nicht zuletzt davon ab, dass die bereits aktivierten Bürger auch diejenigen einbeziehen, die bisher noch nicht an der Verwirklichung einer zivilen Gesellschaft teilhaben. Es gilt, auch ihnen Kompetenzen zuzugestehen, sie zu unterstützen und sie mit ihren Möglichkeiten in die Pflicht zu nehmen. Dann werden immer mehr Akteure das öffentliche Geschehen beobachten und befragen, bestätigen oder kritisieren, stoppen oder sich entwickeln lassen.

  • Plus S. 19

    Globale ZivilgesellschaftTheoretische Grundlagen und praktische Grenzen

    Die Akteure der globalen Zivilgesellschaft verfügen über weitreichende Möglichkeiten zur Mitgestaltung weltumspannender Prozesse. In theoretischer Hinsicht sind deskriptive und normative Ansätze zu unterscheiden. Diese haben Auswirkungen auf die Bestimmung der Funktion und Reichweite der globalen Zivilgesellschaft und ihrer Netzwerke. Die Analyse zeigt, dass diese Unterscheidung nicht zu strikt gezogen werden sollte, um alle Akteure der globalen Zivilgesellschaft theoretisch wie praktisch-politisch ernst nehmen zu können.

  • Plus S. 26

    Zivilgesellschaft und religiöser PluralismusWas Religionen zur Zivilisierung der Gesellschaft beitragen

    Der Islam als Newcomer im Pluralismus westlicher Zivilgesellschaften stellt die Gretchenfrage neu: Wie hält es die säkulare Zivilgesellschaft mit der Religion? Die erste Antwort scheint ein Abwehrreflex gegen den fremden Islam zu sein. Doch was sind die Alternativen? Soll der Staat, gleichsam von oben, eine Zivilreligion vorgeben, in die der Islam einzupassen wäre? Oder soll die Religion der zivilgesellschaftlichen Pluralität überlassen bleiben, so dass ein neues Arrangement von unten erwachsen kann? Im folgenden Beitrag wird die zweite Variante vertreten. Das jeweilige Verhältnis zur säkularen Zivilgesellschaft muss dabei jede Religion für sich, doch im Dialog mit den anderen klären. Die Geschichte des Katholizismus zeigt beispielhaft, dass der Weg der Auseinandersetzung mit der Moderne von einer prinzipiellen Gegnerschaft zu einem freundlich-kritischen Verhältnis führen kann. Wenn umgekehrt der demokratische Staat und die säkulare Gesellschaft die vorpolitischen Potentiale der Religionsgemeinschaften zu nutzen und zu wahren verstehen, kann sich eine postsäkulare Gesellschaft entwickeln. Sie zeichnet sich aus durch gegenseitige Lernbereitschaft säkularer und religiöser Bürger.

  • Plus S. 35

    „Entscheidend ist die Befreiung von Demütigung und Diskriminierung“Gespräch über Zivilgesellschaft und Sozialstaat

    Welches Maß an Gemeinwohlorientierung kann man von den Akteuren der Zivilgesellschaft erwarten? Woher rühren das verbreitete Ressentiment gegenüber dem demokratischen Rechts- und Sozialstaat sowie seine gelegentliche Entgegensetzung zur Zivilgesellschaft? Wie können sich beide gleichwohl ergänzen? Wo sind die Kirchen in diesem Geflecht einzuordnen? Worin unterscheidet sich die Tätigkeit gemeinnütziger Stiftungen und wohltätiger Organisationen von den Leistungen des Sozialstaats? Welche Bedeutung hat das Engagement von Nicht-Regierungs-Organisationen und unabhängigen Bürgerinitiativen für demokratische und rechtsstaatliche Entscheidungsprozesse? Anhand dieser und weiterer Fragen geht Petra Dobner, Hamburger Politikwissenschaftlerin, dem real beobachtbaren und dem aus ihrer Sicht wünschenswerten Verhältnis von Staat und Zivilgesellschaft auf den Grund.

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