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Heft 4/2010„Gebt ihr ihnen zu essen!“ Agrarpolitik und Welternährung

Inhalt

Das Themenheft Agrarpolitik/Welternährung erscheint erneut in direktem Bezug zur politischen Aktualität. Die Zeitschrift bleibt damit ihrer Linie treu, die Diskussion zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen durch sozialethische Überlegungen zu befruchten.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Perspektiven einer nachhaltigen LandwirtschaftFür eine neue Agrarpolitik in Europa

    Seit 1992 leistet die Europäische Union umfangreiche Direktzahlungen an die Landwirtschaft. Die ursprünglichen Argumente für eine einheitliche Flächenprämie sind jedoch heute kaum noch haltbar. Für die Zeit nach 2013 ist daher mit einer Neuausrichtung der EU-Subventionen für die Landwirtschaft zu rechnen. Neben der Zahlung einer Basisprämie könnten Gemeinwohlleistungen gezielt honoriert werden. Das Spektrum dieser Leistungen wird zukünftig auch neue Herausforderungen wie Klimaschutz, Wassermanagement und Biodiversität umfassen. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollen instand gesetzt werden, sich an einer langfristigen Balance von ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit zu orientieren. Dazu sind drei Ansätze in der Diskussion: das Ordnungsrecht, die Honorierung höherer Standards durch staatliche Programme und die Information der Verbraucher über Art und Weise der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte, um sie zu einem entsprechenden Kaufverhalten zu animieren.

  • Plus S. 10

    Das Menschenrecht auf ErnährungSeine Begründung sowie Hindernisse und Wege zu seiner Verwirklichung

    Die Anzahl der Hungernden ist im vergangenen Jahrzehnt noch einmal deutlich gestiegen. Gleichzeitig werden weltweit genügend Nahrungsmittel produziert, um alle Menschen zu ernähren. Die moralische Verpflichtung zur Beseitigung des Hungers wird in den Texten der kirchlichen Sozialverkündigung immer wieder in Erinnerung gerufen und begründet. Das Menschenrecht auf Ernährung ist zudem völkerrechtlich verbindlich verankert. Eine dauerhafte Ernährungssicherung für alle Menschen kann aber nur durch vielfältiges nationales Handeln und internationale Entscheidungen gewährleistet werden. Ein entsprechender Aktionsplan, der im Jahr 2000 auf dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, hat bisher nicht zum Ziel geführt. Um bis 2015 zu einem besseren Ergebnis zu kommen, müssen die Entwicklungsländer angemessene Unterstützung erhalten, vor allem aber müssen das Agrarabkommen der Welthandelsorganisation sowie das Abkommen über geistige Eigentumsrechte korrigiert werden.

  • Plus S. 19

    Zwischen Ernährungssouveränität, Exportorientierung und EnergiegewinnungSozialethische Analysen zu Landwirtschaft und Ernährungssituation in Afrika

    Die Zunahme des Hungers in Afrika hat tiefgehende strukturelle Ursachen. Lokale und globale, agrarpolitische und kulturelle, ökologische und ökonomische Faktoren kommen zusammen. Konflikte sind zu bewältigen zwischen Exportorientierung und Ernährungssouveränität, zwischen Hunger und Überlebensangst der Menschen im Süden sowie den Existenzängsten bäuerlicher Familien im Norden. Wassermangel und Klimawandel, Verschlechterung des Bodens, und Landkauf durch ausländische Investoren, Boom der Bioenergie und Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energieproduktion erzeugen neue Formen der Knappheit und komplexe agrarpolitische Reaktionen. Der folgende Beitrag befasst sich mit den Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in den afrikanischen Ländern. Er beruht auf der Überzeugung, dass der Einsatz für die Entwicklungschancen der ärmsten Menschen mehr erfordert als eine abstrakte Analyse aus der Ferne.

  • Plus S. 32

    Patente auf Pflanzen und TiereRechtliche Aspekte und ethische Herausforderungen

    Beim Europäischen Patentamt werden in den letzten Jahren immer mehr so genannte Biopatente angemeldet. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Proteste gegen jede Form von Patenten auf Tiere und Pflanzen. Immer mehr Menschen, Initiativen und Verbände aus verschiedenen Ländern und Kontinenten beteiligen sich daran. Worum geht es bei diesem Streit? Welche Interessen und welche Optionen für die zukünftige Produktion von Nahrungsmitteln stehen auf dem Spiel? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die aktuelle rechtliche Situation und erläutert, warum Tiere und Pflanzen nicht patentierbar sein können. Aufgezeigt werden u. a. die problematischen Übergänge vom ethisch sinnvollen Schutz eines Verfahrens zum unzulässigen Besitzanspruch auf Leben. Am Schluss stehen einige Überlegungen zu der Frage, wie das Dargestellte im europäischen und im nationalen Rechtsrahmen Berücksichtigung finden kann.

Arts & ethics

Kommentar

  • Plus S. 42

    Beschäftigung von Menschen mit MigrationshintergrundUnternehmensstrategien angesichts des gegenwärtigen Fachkräftemangels

    Der Autor plädiert dafür, die dramatische demographische Entwicklung ernst zu nehmen und angesichts eines wachsenden Fachkräftemangels verstärkt auf junge Menschen mit Migrationshintergrund zu setzen. Das Handwerk beteilige sich dabei durch positive Beiträge zur Integrationsdebatte, durch Förderung der schulischen Bildung, durch verbesserte Angebote zur Berufsorientierung, durch verstärkte Kontakte zwischen Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen sowie durch zusätzliche Einstiegshilfen. Die dazu von den Jugendlichen geforderte Eigeninitiative und Selbstverantwortung sei Ausdruck von Zutrauen und Wertschätzung.

  • Plus S. 46

    Durch Zuwanderung dem Arbeitskräftemangel begegnenGesellschaftspolitische und ethische Erwägungen

    Ausgehend von den zahlreichen pragmatischen Ausnahmen vom seit lange geltenden Anwerbestopp plädiert der Autor für eine geregelte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte. Dazu gehört vor allem eine Bedarfserhebung und gezielte Anwerbung; gegebenenfalls ließe sich auch die Umwandlung irregulärer Beschäftigung von illegalen Einwanderern in reguläre Beschäftigungsverhältnisse erwägen. Auf Dauer muss aber nach den Kriterien einer Christlichen Sozialethik der Arbeitsaufenthalt in Deutschland auch mit einem sicheren Bleiberecht und schließlich mit dem Recht auf Einbürgerung verbunden sein.

Dokumentation

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