Titelseite Amosinternational 3/2010

Heft 3/2010Neue Generation Internet – grenzenlos frei?

Inhalt

In kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich hat es in den letzten 25 Jahren so grundlegende Änderungen gegeben wie im Mediensektor. Fortschritt ist jedoch immer mit Ambivalenzen verbunden, welche nach ethischer Reflexion rufen.

Über diese Ausgabe

  • Plus S. 3

    Jugendliche im Social WebEmpirische Befunde zu Nutzungspraktiken

    Zahlreiche Angebote und Plattformen des Internets eröffnen Möglichkeiten zur Kommunikation und Zusammenarbeit. Gerade für Heranwachsende sind die Angebote des Social Web von Interesse, weil diese für die Identitätsarbeit, Beziehungspflege und Informationssuche eingesetzt werden können. Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Onlinenutzung von 12- bis 24-Jährigen verweisen auf die große Bedeutung von Social-Web-Angeboten im Medienalltag, wobei sich in einigen Bereichen deutliche geschlechtsspezifische, seltener und weniger ausgeprägt auch bildungsspezifische Unterschiede finden lassen. Das Internet unterstützt Jugendliche dabei, altersspezifische Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, verändert gleichzeitig aber auch das Umfeld, in dem persönliche Informationen geteilt und verbreitet werden.

  • Plus S. 11

    Gewalt im InternetEine medienethische Herausforderung

    Die Fortentwicklung des Internets zum Web 2.0 bietet den Nutzern neue Chancen, aber auch Risiken. Vor allem Kinder und Jugendliche, für die das Netz integraler Bestandteil ihrer alltäglichen Lebenswelt ist, geraten gewollt oder ungewollt an Gewaltvideos oder werden Opfer von Cyber-Mobbing. Auf der Basis empirischer Studien zur Internetgewalt können die Verantwortungsbereiche der betroffenen Akteure (z. B. Internetindustrie, Nutzer und Eltern) sowie deren Handlungsoptionen reflektiert werden. Die Entwicklung und Anwendung effektiver technischer Schutzmaßnahmen durch die Betreiber ist dabei nur eine Maßnahme zur Abwendung der Gefahren. Als genau so wichtig erweist sich die Stärkung der Selbstkontrolle auf Seiten der Nutzer. Es gilt, die medienethische Urteilsfähigkeit und Wertekompetenz der Jugendlichen zu fördern sowie den Nutzen ethischer Kommunikations- und Verhaltensregeln im Netz, kurz: den Nutzen einer „Et(h)ikette“, aufzuzeigen.

  • Plus S. 18

    NetzpolitikEntwicklungsstand und sozialethische Perspektiven

    Netzpolitik ist ein entscheidendes Politikfeld der Zukunft. Wichtige gesellschaftliche Bereiche wie Wirtschaft, Medien und Kultur finden im Netz statt. Das neue Internet mit seinen schnellen Leitungen, den mächtigen Anwendungen, den mobilen Diensten und der grenzenlosen Informationsfülle wird damit zu einem anspruchsvollen und wichtigen Feld gesellschaftlicher Gestaltung. Dieses Bewusstsein hat sich mittlerweile auch in der deutschen Politik durchgesetzt und ernsthafte politische Bemühungen, wie die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“, lösen die unglücklichen Versuche der letzten Jahre ab. Das Themenfeld Netzpolitik erweist sich dabei als breit und umfassend und berührt neben wirtschafts- und sicherheitspolitischen Fragen auch bildungs- und sozialpolitische Gebiete. Nach einem Überblick über diese netzpolitischen Bemühungen werden Freiheit und gerechte Teilhabe als sozialethische Perspektiven der Netzpolitik vorgestellt und erläutert.

  • Plus S. 24

    Medienerziehung 2.0Neue Antworten auf neue Herausforderungen?

    Die gemeinsame Erklärung der DBK und EKD von 1997 beschrieb vorsichtig abwägend „Chancen und Risiken der Mediengesellschaft“ und sah die Gesellschaft quasi noch auf dem Weg dahin. Inzwischen sind wir mit hohem Tempo in der Mediengesellschaft unterwegs und der Pädagogik kommt wiederum die Aufgabe zu, über notwendige Kompetenzen und Inhalte für Bildung und Erziehung in der jeweiligen gesellschaftlichen Situation zu reflektieren.
    Insofern Medien im Zuge der digitalen Revolution eine historisch noch nie da gewesene Bedeutung erlangt haben, ist die Frage berechtigt, ob und inwiefern Medienerziehung im 21. Jahrhundert anders als bisher konzipiert werden muss und welche Antwortansätze auf die aktuellen Herausforderungen bisher im Bildungsbereich gefunden wurden.

  • Plus S. 34

    "Autoritären Systemen die Maske herunter ziehen"Gespräch mit Christoph Schuck über Nutzen und Missbrauch des Web 2.0

    Was hat es auf sich mit dem „digitalen Graben“ zwischen junger und älterer Generation? Macht das Web 2.0 das Internet endgültig zu einem „demokratischen Medium“, das die Partizipation aller am politischen Meinungsbildungsprozess begünstigt? Oder wachsen vor allem die Gefahren des Missbrauchs, durch den internationalen Terrorismus, durch zweifelhafte kommerzielle Interessen oder durch Pädophilenzirkel? Was macht einerseits die Freiheit des Netzzugangs so wertvoll, vor allem in internationaler Perspektive? Wie viel Regulierung ist andererseits notwendig? Christoph Schuck, Politikwissenschaftler der jungen Generation, reflektiert anhand dieser und weiterer Fragen beide Seiten, die Chancen und Gefahren dieses relativ jungen global verfügbaren Mediums.

  • Plus S. 49

    Wider den dunklen Durst der RacheZur Todesstrafe als Instrument staatlichen Gewalthandelns

    Zum zivilisatorischen common sense gehört seit Jahrzehnten weithin die Ächtung der Todesstrafe. Dieser common sense wird bis in unsere Gegenwart hinein leidlich eingetrübt durch das Faktum von – weltweit betrachtet – jährlich mehreren Tausend vollstreckter Hinrichtungen, die teilweise öffentlich, teilweise aber auch im Verborgenen stattfinden. Mit der Problematik der Todesstrafe ist man als Mitteleuropäer auch heute noch konfrontiert, wenn auch meist mit einer beträchtlichen räumlichen Distanz: entweder durch aufklärende Menschenrechtsberichte, medienpräsente Verfahren in den USA, Solidaritätskampagnen gegen Steinigungen in islamischen Gesellschaften oder auch immer wieder durch cineastische Impulse mit ihrer sozialkritischen Reflexion auf gesellschaftliche Missstände, insbesondere in den Vereinigten Staaten oder in asiatischen Gesellschaften (exemplarisch: Dead Man Walking, USA 1995; Return to Paradise [Für das Leben eines Freundes], USA 1998).