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S. 10
Die Enzyklika „Caritas in veritate“ Benedikt XVI. setzt die Tradition der Entwicklungsenzykliken seiner Vorgänger in spezifischer Weise fort. Der Papst sieht sich als Garant einer Welteinheit, die durch den Globalisierungsprozess einerseits in unmittelbare Nähe gerückt erscheint, andererseits durch moralisches Versagen und Fehlentwicklungen in immer weitere Ferne zu geraten droht. Deshalb ruft der Papst zur Umkehr und zur Übernahme der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen auf. Mehr noch als seine Vorgänger rückt Benedikt die religiöse Dimension von Globalisierung und Entwicklung in das Zentrum seiner Überlegungen. In der eindringlichen Aufforderung zur Übernahme von moralischer Verantwortung gegenüber dem Globalisierungsprozess und seinen Folgen liegt die Stärke der Enzyklika. In der mangelnden begrifflichen und konzeptionellen Klarheit und fehlenden sozialwissenschaftlichen Fundierung sowie im überraschenden Anspruch, für das partikulare katholische Naturrecht im globalen Dialog mit den Religionen und Weltanschauungen Universalität zu behaupten, werden die Schwächen der Enzyklika gesehen. Von Karl Gabriel