Das Bild „Maria lehrt den Jesusknaben den Kopf der Schlange zu zertreten“ von Thomas Jessen bezieht sich auf Michelangelo Caravaggios Gemälde „Madonna dei Palafrenieri“ (oder „Madonna mit der Schlange“) von 1605–1606, Öl auf Leinwand, 292 × 211 cm, Galleria Borghese, Rom.
Der Kardinalsneffe Scipione Borghese erhielt von Papst Paul V. die Genehmigung, Caravaggio mit der Ausführung einer heiligen Jungfrau für den Petersdom zu betrauen. Es handelte sich um das Altarbild für die Kapelle der Bruderschaft der Reitknechte, der Confraternite dei Palafrenieri.
Caravaggio erhielt damit als Künstler die Chance seines Lebens. Er stellte das Gemälde in nur wenigen Tagen fertig – die Reaktionen waren jedoch ein Desaster. Noch nie war Caravaggio in seinem Realismus so weit gegangen.
Der italienische Kunsthistoriker Roberto Longhi schreibt dazu: „Kann es sein, dass sich Caravaggio gerade bei diesem Auftrag, dem begehrtesten und erstrebenswertesten, zu der rohesten Interpretation getrieben fühlte? (…) Obwohl er gut gewusst haben muss, dass das Thema mit dem liturgischen Symbol der unbefleckten Empfängnis verbunden ist, (…) dominiert in dem Werk ein so dumpf plebejischer Ton, dass er sich unfehlbar dem erwähnten Vorwurf aussetzte, ein Maler der „Niederen der Gesellschaft“ zu sein. Die heilige Anna sieht aus wie eine alte Bäuerin aus der Umgebung Roms, die Mutter ist als Wäscherin in einem geschürzten Kleid dargestellt, das Kind nackt, wie Gott es geschaffen hat. (…) Warum begab sich Caravaggio auf diesen nicht ungefährlichen Weg? (…) Dass die Ablehnung durch die wahren Auftraggeber (die Kardinäle von St. Peter) nicht ausbleiben konnte, war vorauszusehen. Die ‚Madonna dei Palafrenieri‘ wurde abgelehnt und die Pforten zum Petersdom schlossen sich vor Caravaggio für immer.“
Heute kann das Meisterwerk in der Galleria Borghese in Rom bewundert werden.
Thomas Jessen,
geb. 1958 in Lübbecke/Westf.,
Studium an der Kunstakademie Düsseldorf,
Meisterschüler von Alfonso Hüppi,
zahlreiche Ausstellungen und Kunstwerke im öffentlichen Raum,
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