Ein Beitrag über die Praxis christlicher Weltverantwortung in Rumänien könnte leicht den Eindruck von zwei unterschiedlichen europäischen Welten erwecken. Auf der einen Seite ist im christlichen Rumänien oft die traditionelle Sichtweise anzutreffen, nach der das spezifisch Christliche vorrangig im liturgischen Bereich zu finden ist, weniger außerhalb des sakramentalen Lebens der Kirche. Wenn die Gläubigen ihr Verhältnis zur liturgischen Welt einerseits und zur gesellschaftlichen Welt andererseits nebeneinander stellen, dann entscheiden sie sich für die „göttliche Liturgie“. Rumänische Christen sind in diesem Sinne stolz auf ihre christlichen Wurzeln und Traditionen, und sie neigen nicht selten dazu, die Betonung des Sozialen in den westlichen Kirchen Europas als „sozialen Aktionismus“ zu bezeichnen. Da gebe es kaum noch Platz für die christliche Spiritualität. Auf der anderen Seite erwarten westliche Christen einen gesellschaftlichen Einsatz der Kirche und ihrer Gläubigen auch in Ost-Europa. Wenn dieser Einsatz weniger spürbar ist, sagen sie, es gebe zu viel Liturgie und zu wenig Verantwortung der Kirche für die verschiedenen gesellschaftlichen Lebensbereiche.
Von Lucian Farca