Titelseite Amosinternational 3/2008

Heft 3/2008Gerüstet für den Frieden?

Inhalt

Brücken für den Frieden: Wo Terror, Ungerechtigkeit und Gewalt immer bedrohlichere Ausmaße annehmen, ist der Einsatz für geistig-moralische Erneuerung ebenso geboten wie das handgreifliche Engagement, um Perspektiven der Versöhnung zu erarbeiten.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Zur Lage des Friedens im dritten MillenniumÜberlegungen mit Blick auf aktuelle Kriegsdiskurse und Friedenstheorien

    Die Realitäten „neuer Kriege“ und eines globalen Anti-Terror-Kampfes dementierten nach 1990 die Hoffnungen auf eine friedliche ‚neue Weltordnung‘. Sie verpflichten westliche Öffentlichkeiten und Politiker nachzudenken über den Umgang mit fremder Gewalt und die Legitimität militärischer Gewalteinsätze. Nuklearismus und ausgeweitete Abschreckungsstrukturen werfen die Frage auf nach der Überlebensfähigkeit der Gattung angesichts ihrer ungeheuren Destruktionspotentiale. Unklar bleibt weiterhin, wie eine friedliche Welt aussehen und wie man sie realisieren könnte. Strittig bleibt aber auch die Antwort auf die grundsätzliche Frage, was Frieden ist oder für uns sein sollte. Armut und Verelendung wachsender Teile der Weltbevölkerung wie die absehbaren Folgen des Klimawandels erneuern alte Fragen nach dem Zusammenhang von Frieden und Entwicklung, von Frieden und Umwelt, von Frieden und Sicherheit. Der Beitrag liefert Analysen und Befunde, benennt aber auch Mittel und Möglichkeiten, für weniger Gewalt und mehr Frieden zu sorgen.

  • Plus S. 11

    Humanitäre InterventionenIhre Beurteilung aus friedensethischer Sicht

    Militärische Interventionen aus humanitären Gründen setzen nicht nur eine wohl abgewogene politische Entscheidung voraus. Sie müssen auch in ethischer Hinsicht gerechtfertigt sein. Doch was sind die Kriterien einer legitimen Anwendung militärischer Gewalt? Wer ist berechtigt und befähigt, die entsprechende Überprüfung vorzunehmen und für eine Interventionsentscheidung gerade zu stehen? Die klassische Lehre vom gerechten Krieg bietet unter heutigen Bedingungen keinen genügenden Argumentationsrahmen mehr. Das Ziel, der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen, ist zwar immer noch ein entscheidendes Kriterium. Es bedarf aber der Ergänzung. Denn immer häufiger geraten heute der alte Grundsatz, die Integrität unabhängiger Staaten zu schützen, und die unabweisbare Pflicht, in jedem Fall gegen massive Menschenrechtsverletzungen einzuschreiten, miteinander in Konflikt. Es bedarf daher eines differenzierten Katalogs vernetzter Prinzipien, um zu einer tragfähigen Urteilsbildung zu kommen. Aus den gelungenen und misslungenen Interventionserfahrungen der vergangenen zwanzig Jahre sollte dabei gelernt werden.

  • Plus S. 20

    Staatsaufbau durch InterventionDas Beispiel Afghanistan

    Internationale Interventionen haben in den letzten 15 Jahren ihren Ausnahmestatus verloren. Am Beispiel der Intervention in Afghanistan seit 2001 sollen Konzepte und Dynamiken des Eingreifens der internationalen Gemeinschaft in Bezug auf das Ziel des Staatsaufbaus untersucht werden. Der Auftrieb, den das Paradigma des Staatsaufbaus im Falle Afghanistans erst seit 2006 erhalten hat, ist auf Lernprozesse auf Seiten der Interventionskräfte zurückzuführen. Die ursprüngliche Motivation für die Intervention ist eher in einer pragmatischen Zielvorgabe, nämlich der Terrorismusbekämpfung unmittelbar nach dem 11. September 2001, zu suchen. Gleichzeitig beeinflussen der Wunsch nach Stabilität sowie das Konzept der langfristigen Friedensschaffung durch Demokratisierung die Beweggründe für die Intervention stark. Der Beitrag beleuchtet daher die Rolle, die der Staatsaufbau im Dreieck der Zielvorstellungen von Terrorbekämpfung, demokratischem Frieden und Stabilität einnimmt.

  • Plus S. 27

    Religion und GewaltKritische Randnotizen zur aktuellen Debatte

    Die Beziehung von Religion und Gewalt wird heute wieder vielfach diskutiert. Selbstmordattentate und andere Formen der religiös motivierten Gewalt drängen zur Auseinandersetzung mit einer Frage, die im Europa der Aufklärung längst überwunden schien. Zu unterscheiden ist dabei zwischen den Deutungsmustern, mit denen Religionen die Gewalt in der Welt erklären und der Bedeutung von Gewaltphänomenen innerhalb der Religionen selbst. Eine Welt ohne Gewalt ist für die meisten Mythologien und Religionen jedenfalls kaum denkbar. Die biblischen Schöpfungsberichte entwerfen aber immerhin eine ideale Zukunft, die ohne gewalttätiges Handeln Gottes oder der Menschen auskommt. Um den religionsinternen Stellenwert von Gewalt richtig einzuschätzen, genügt rein friedensethische Besinnung nicht. Vielmehr gilt es grundsätzlicher anzusetzen, insbesondere bei der theologischen Aufklärung einer überkommenen Opferpraxis, die letztlich die Göttlichkeit Gottes missachtet und dadurch Religion und Gewalt unlösbar miteinander verquickt.

Arts & ethics

Interview

  • Plus S. 38

    "Friedensarbeit macht leider keine Schlagzeilen"Angelika Beer im Gespräch über Konzepte und Perspektiven europäischer Sicherheitspolitik

    Die Koordinatorin der grünen Außen- und Sicherheitspolitik im Europaparlament plädiert für eine konsequente atomare Abrüstung und für ein ausnahmsloses Verbot von Streubomben. Andererseits sieht sie weltweit wachsende sicherheitspolitische Erwartungen auf die EU zukommen. Die Fähigkeit zur militärischen Intervention solle daher gestärkt werden, vor allem für den Fall, dass es so genannte ethnische Säuberungen zu verhindern gilt. Im Zentrum stehe der Schutz von Menschen und Menschenrechten. Das wirft viele Fragen auf: In welchem Verhältnis sollen zukünftig die Verteidigungsausgaben zu den Investitionen für Ressourcen zur zivilen Konfliktregulierung stehen? Wie soll eine neue sicherheitspolitische Aufgabenverteilung zwischen Europäern und Amerikanern aussehen? Wie realistisch sind Forderungen aus dem Friedensgutachten 2008, den geplanten US-Raketenschild in Osteuropa zu verhindern, ein Verbot von Weltraumwaffen oder den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland durchzusetzen? Und nicht zuletzt: Was ist aus dem Slogan „Frieden schaffen ohne Waffen“, den die Grünen sich einst auf die Fahnen geschrieben haben, geworden?

Bericht

  • Plus S. 51

    Soziallehre und christliche WeltverantwortungDie rumänische Kirche vor aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen

    Ein Beitrag über die Praxis christlicher Weltverantwortung in Rumänien könnte leicht den Eindruck von zwei unterschiedlichen europäischen Welten erwecken. Auf der einen Seite ist im christlichen Rumänien oft die traditionelle Sichtweise anzutreffen, nach der das spezifisch Christliche vorrangig im liturgischen Bereich zu finden ist, weniger außerhalb des sakramentalen Lebens der Kirche. Wenn die Gläubigen ihr Verhältnis zur liturgischen Welt einerseits und zur gesellschaftlichen Welt andererseits nebeneinander stellen, dann entscheiden sie sich für die „göttliche Liturgie“. Rumänische Christen sind in diesem Sinne stolz auf ihre christlichen Wurzeln und Traditionen, und sie neigen nicht selten dazu, die Betonung des Sozialen in den westlichen Kirchen Europas als „sozialen Aktionismus“ zu bezeichnen. Da gebe es kaum noch Platz für die christliche Spiritualität. Auf der anderen Seite erwarten westliche Christen einen gesellschaftlichen Einsatz der Kirche und ihrer Gläubigen auch in Ost-Europa. Wenn dieser Einsatz weniger spürbar ist, sagen sie, es gebe zu viel Liturgie und zu wenig Verantwortung der Kirche für die verschiedenen gesellschaftlichen Lebensbereiche.

Dokumentation

Buchbesprechungen