Titelseite Amosinternational 1/2008

Heft 1/2008Klima im Wandel

Inhalt

Ist die Menschheit fähig und willens, verantwortlich mit ihren Ressourcen und Möglichkeiten umzugehen? Eine eminent ethische Frage, die keinen Aufschub duldet. Umkehr oder Untergang: Vor diese drastische Alternative stellen uns die Beiträge dieses Heftes.

Über diese Ausgabe

  • Plus S. 3

    Die Ungerechtigkeit des KlimawandelsÜberlegungen aus der Perspektive einer christlichen Ethik der Nachhaltigkeit

    Im April 2007 haben die katholischen deutschen Bischöfe die zweite, aktualisierte Auflage ihres Expertenpapiers zur Herausforderung des globalen Klimawandels vorgelegt: „Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit“. Nach Ansicht der Bischöfe ist die gefährliche anthropogene, d. h. menschengemachte Beeinflussung des Weltklimas keine Naturkatastrophe, kein unabwendbares Schicksal, sondern „eine massive Ungerechtigkeit [...], die bestehendes Unrecht noch verschärft“ (Nr. 39)1 . Denn die Lasten der Klimaveränderungen sind ungleich verteilt, und zwar umgekehrt proportional zur Verursachung. Auch von daher besteht eine ethische Verpflichtung zum Handeln, zur Minderung und zur Anpassung, wobei nach dem Verursacherprinzip vor allem die Industrienationen und Transformationsländer, aber auch die emerging economies sowie die Reichen in den Entwicklungsländern in der Pflicht sind, ihre nicht nachhaltigen Produktions- und Konsumstile sowie insbesondere ihre „fossilen“ Entwicklungspfade zu verlassen. Nicht zuletzt muss die Kirche selbst in Solidarität mit den Opfern des Klimawandelns und den nachrückenden Generationen ihr wirtschaftliches Handeln als Konsumentin und Investorin nachhaltiger gestalten. Denn „Klimaschutz ist [...] eine unaufschiebbare Aufgabe zur globalen Sicherung menschenwürdiger Existenz und zum Schutz der natürlichen Ökosysteme.“ (Nr. 2)

  • Plus S. 10

    Energie für die ArmeEntwicklungsstrategien angesichts des Klimawandels

    Unter entwicklungsdynamischen Gesichtspunkten ist Energiearmut ein Schlüssel der Armutsproblematik im 21. Jahrhundert, weil sie viele andere Phänomene des Mangels nach sich zieht. Konzepte zu einer nachhaltigen Energieversorgung müssen gleichermaßen den drohenden Klimawandel, das absehbare Ende fossiler Energieträger („peak oil“) und den wachsenden Bedarf der Entwicklungs- und Schwellenländer berücksichtigen. Das ist nur möglich durch eine Abkehr von dem kohlenstoffbasierten Stoffwechsel der Industriegesellschaften sowie eine differenzierte Nutzung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Potentiale regenerativer Energien. Für die nähere Zukunft wird Biomasse in Verbindung mit technischen Innovationen trotz der Flächenkonkurrenz zum Anbau von Nahrung die Hauptressource zur Energiegewinnung für die Armen sein.

  • Plus S. 17

    Der Klimawandel in Vergangenheit und ZukunftWissensstand und offene Fragen

    Das Klima der Erde ist variabel in Zeit und Raum, aus sehr unterschiedlichen Gründen. In den letzten ca. 10.000 Jahren ist es jedoch relativ stabil gewesen, bis im Industriezeitalter eine markante Erwärmung eingesetzt hat. Damit sind Änderungen der Meeresspiegelhöhe und weiterer Klimaelemente wie des Niederschlags verbunden, einschließlich der Extremereignisse. Trotz der regional unterschiedlichen Strukturen des Klimawandels, die in den Klimamodellrechnungen noch nicht voll verstanden sind, ist doch zumindest die im globalen Mittel festgestellte Erwärmung mit hoher Wahrscheinlichkeit anthropogen, d. h. menschengemacht. Die sich auf Szenarien stützenden Zukunftsprojektionen ergeben ein so großes Risiko künftigen Klimawandels und seiner Folgen, dass geeignete Maßnahmen auf der politischen und wirtschaftlichen Ebene notwendig sind.

  • Plus S. 24

    Ein Global Deal für den KlimaschutzHerausforderungen an die Energie- und Klimapolitik

    Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Weltklimarates (IPCC) und des Stern Berichts haben gezeigt, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht ist und gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen wird. Die beiden Berichte haben jedoch auch betont, dass gefährlicher Klimawandel zu geringen Kosten vermieden werden kann – wenn die internationale Gemeinschaft rasch handelt. Angesichts der Größe der Herausforderung ist daher ein „Global Deal“ erforderlich, der ein langfristiges Klimaschutzziel setzt und eine gerechte Verteilung der Klimaschutzkosten im Rahmen eines zu entwickelnden internationalen Emissionshandelssystems festlegt. Anpassungsmaßnahmen an den in jedem Fall nicht mehr vermeidbaren Klimawandel in den ärmsten Regionen der Welt sind vor allem von den Verursachern des Klimawandels zu finanzieren. Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Verhinderung der Abholzung der Regenwälder sowie eine beträchtliche Erhöhung der öffentlichen Ausgaben zur Erforschung von klimafreundlichen Innovationen erforderlich.

  • Plus S. 34

    "Ich kann z. B. Tabus brechen"Gespräch mit Helga Kromp-Kolb über die drängende Herausforderung durch den Klimawandel

    Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik beim Thema Klimaschutz? Was macht es so schwierig, die notwendigen Konsequenzen aus den eindeutigen Erkenntnissen und dramatischen Zukunftsprognosen der Klimaforscher durchzusetzen? Welche Möglichkeiten hat die/der Einzelne, seinen Lebensstil entsprechend der Forderungen nach einer drastischen Reduzierung der CO2-Emissionen umzustellen? Wie müssten z. B. die Mobilität und die Landwirtschaft der Zukunft aussehen, um klimaverträglich zu sein? Die Überlegungen der renommierten Wiener Meteorologin Helga Kromp-Kolb beschränken sich bei weitem nicht auf den Elfenbeinturm der Fachwissenschaft.

  • Plus S. 50

    Welcher Glaube ist heute gefragt?Anstöße aus der Shell-Studie für das ethische Profil der Kirche

    Der Beitrag erinnert an wichtige Ergebnisse der 15. Shell-Jugendstudie von 2006: eine wachsende Sensibilität der jungen Menschen zwischen 12 und 25 Jahren für soziale Grundwerte bei gleichzeitiger Abkehr von rein pragmatischer Anpassung und Nutzenorientierung. Im deutlich artikulierten Wunsch nach Familie und Zusammenhalt, nach Gradlinigkeit und Glaubwürdigkeit (z. B. in der Politik), nach Fleiß und Ehrgeiz für gemeinsame Ziele sieht der Autor viel versprechende Anknüpfungspunkte für ein ganzheitliches christliches Wertekonzept. Zwar spreche die Studie selbst von einer kraftvollen, doch eher säkularen Wertorientierung, doch zeige sich bei genauem Hinsehen ein Zugewinn an Religiosität und religiöser Sinnsuche. Das biete Chancen, das Profi l der personalen christlichen Ethik zu erneuern und die Aufmerksamkeit der wertsensiblen Jugendlichen zu gewinnen.