Titelseite Amosinternational 4/2007

Heft 4/2007Internationale Finanzmärkte

Inhalt

Angesichts der rasanten Entwicklungen in der Finanzwelt möchte diese Ausgabe den Blick für die Funktionsmechanismen der modernen Finanzmärkte schärfen und das Verständnis für Prozesse und Verflechtungen erleichtern.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    FinanzmarktkapitalismusDie Macht der Finanzmärkte und ihre Bedeutung für die Realökonomie

    Der Beitrag behandelt aktuelle ökonomische Entwicklungen unter dem Begriff des Finanzmarktkapitalismus. Finanzmarktkapitalismus steht dabei für eine Konstellation, in der Finanzmärkte und Finanzmarktakteure als entscheidende Impulsgeber der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung fungieren. Diese Macht wächst ihnen – so die zentrale These des Beitrags – nicht aufgrund verschärfter ökonomischer Zwangsmittel zu, sondern beruht auf der Herausbildung einer neuen Begründungsordnung in der Finanzmarktöffentlichkeit. Finanzmarktkapitalismus stellt sich auf dieser Grundlage weniger als konsistente und stabile neue Epoche des Kapitalismus dar, sondern als höchst spannungsvolle und widersprüchliche Konstellation mit erheblichen Risiken für die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung.

  • Plus S. 10

    Insiderhandel mit AktienEin neuer Blick auf die ethische Beurteilung

    Beschränkungen des Insiderhandels wurden in den 90er Jahren zum Markenzeichen einer soliden Regulierung der Kapitalmärkte. In diesem Beitrag werden vier Formen von Insidertransaktionen mit Aktien unterschieden. Während es leicht ist, ethische Argumente zu finden, die für das Verbot von drei dieser Typen sprechen, fällt dies beim Insiderhandel im engen Sinne schwer. Gesetzliche Einschränkungen lassen sich hier nur mit negativen Auswirkungen dieser Transaktionen auf die Marktmoral begründen. Das ist aber ein Problem, das es in der gleichen Weise auch bei Aktienoptionsplänen gibt.

  • Plus S. 19

    Gerechtigkeitsprobleme bei privaten Finanzströmen in den Schwellen- und TransformationsländernAnsatzpunkte einer Ethik der internationalen Finanzmärke

    Auf den internationalen Finanzmärkten tauschen zumeist private Akteure Geld und Finanztitel. Indirekt, nämlich vermittelt über diese privaten Transaktionen, kooperieren dabei auch Gesellschaften, nämlich die in die Finanzmärkte integrierten Länder: Ihre Regierungen setzen die Regeln fest, die bestimmen, wie sich die Gesamtheit der privaten Finanztransaktionen auf die beteiligten Länder auswirken. Wichtige Gerechtigkeitsfragen werden erst sichtbar, wenn man diese Perspektive einnimmt, also die internationalen Finanzmärkte als einen inter-nationalen Kooperationszusammenhang begreift. Das gilt vor allem für die wichtige Frage, wie sich diese Märkte auf die Chancen der extrem Armen auswirken, ihr Recht, genug zum Überleben zu haben, verwirklichen zu können.

  • Plus S. 27

    Freiheit - Effizienz . GerechtigkeitFinanztransaktionen aus Sicht der päpstlichen Spoziallehre

    Zu den großen Leistungen der katholischen Soziallehre gehört die Ausarbeitung einer differenzierten Eigentumslehre. Lange bevor die Kirche auf anderen Sachgebieten Anschluss an die Standards der politischen Philosophie der Neuzeit findet, kombiniert sie in der Eigentumsethik das moderne Freiheitsargument der liberalen politischen Philosophie mit dem klassischen aristotelisch-thomanischen Effizienzargument. Viele Aspekte der römischen Eigentumslehre lassen sich relativ problemlos für eine ethische Bewertung von Transaktionen auf internationalen Finanzmärkten nutzen. Dies zumal, weil die globale Situation, gewissermaßen die globale soziale Frage, heute ähnlich strukturiert ist wie zur Zeit von Rerum novarum (1891) die Situation in einzelnen Volkswirtschaften: Prekäre und elende Lebensverhältnisse bei der marginalisierten Mehrheit der Weltbevölkerung auf der einen Seite, extremer Reichtum und Überfluss bei einer wohlhabenden Minderheit in den westlichen Industrieländern auf der anderen Seite.

  • Plus S. 37

    "Der Finanzsektor ist der Motor einer Volkswirtschaft"Interview mit Karin Kortmann über Finanzmärkte und Entwicklungsfinanzierung

    Wie wird Entwicklung in den armen Ländern heute vornehmlich finanziert? Welche Rolle spielen einerseits private ausländische Investoren und internationale Kreditgeber, wie kann andererseits der Aufbau eines funktionierenden internen Finanzsystems unterstützt werden? Welche Perspektiven der Armutsbekämpfung und der Entschuldung gibt es für die ärmsten Länder Afrikas? Karin Kortmann, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), erläutert im Kontext dieser und weiterer Fragen die Politik ihres Ministeriums. U. a. geht sie auch auf den Beitrag der kirchlichen Hilfswerke zur Entwicklungsfinanzierung ein.

Bericht

Vorgestellt

  • Plus S. 41

    In der Schuldenkrise - Beispiel SambiaHintergründe und Perspektiven

    Sambia gehörte einst zu den eher wohlhabenden Ländern Südafrikas. Heute ist es eines der ärmsten Länder der Welt. Es leidet trotz des umfangreichen Schuldenerlasses von 2006 weiterhin unter der finanziellen Abhängigkeit von seinen internationalen Gläubigern. Der Beitrag zeigt die Hintergründe der sambischen Schuldenkrise auf und geht dann auf die Schuldengeschichte Sambias ein: Im Zuge immer neuer Kreditvereinbarungen verpflichteten IWF und Weltbank das Land zu Strukturanpassungsprogrammen, die in den neunziger Jahren zu einer rapiden Verarmung der Bevölkerung führten. Die ethische Frage nach der Rechtmäßigkeit und Zumutbarkeit stetig wachsender Schuldenberge und Schuldzinszahlungen stellt sich am Beispiel Sambias besonders dringlich. Angesichts der aufgezwungenen Belastung und Machtlosigkeit der armen Mehrheit zeigt sich die Reformbedürftigkeit eines Weltfinanzsystems, das demokratische und soziale Errungenschaften leichtfertig aufs Spiel setzt.

Buchbesprechungen