Tarifpolitik im weißen KittelErfolge und Defizite exklusiver Solidarität

Die Krankenhausärzte haben im vergangenen Jahr Solidarität und Kampfeseinsatz gezeigt – und sich in einem Arbeitskampf gegenüber Kommunen und Ländern durchsetzen können. Damit haben sie den Nutzen von Solidarität bestätigt – und dies auf dem Feld der Tarifpolitik, deren Nutzen heutzutage häufig bestritten wird. Dass den Ärzten Solidarität jedoch nur auf dem Weg der Absonderung möglich war, wird man gegenüber denen nicht rechtfertigen können, die sie aus ihrer Solidarität ausgeschlossen haben. Der Ärztestreik leitet wahrscheinlich nicht die Zukunft einer nach Berufsgruppen gespaltenen Tarifpolitik ein. Allerdings werden die Gewerkschaften zukünftig stärker auf die Beschäftigtengruppen mit höheren Einkommen Rücksicht nehmen; das deutsche Tarifvertragssystem wird daher weniger als in der Vergangenheit für ein ausgeglichenes Einkommensgefälle sorgen.

Summary / Resumé

Matthias Möhring Hesse: Free collective bargaining for white collars
Last year hospital doctors have shown solidarity and fi ghting spirit – and have succeeded in industrial action against councils and state authorities. In this they have proved the advantage of solidarity – and this in the area of collective bargaining, whose advantage is often being disputed these days. The fact that solidarity was only obtainable for the physicians by segregating themselves from other groups, cannot be justifi ed towards those who have excluded them from their solidarity. The doctors‘ strike was probably not the beginning of a collective bargaining policy that is differentiated by occupational groups. Unions will, however, have to take into account groups with higher income; the German system of collective bargaining will therefore be less than in the past be in a position to take care of an even balance of income.

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