"Es darf kein Lohndumping geben"Gespräch mit Norbert Feldhoff über die Bedingungen eines gerechten Lohns für die Mitarbeitenden bei Kirche und Caritas

Bundesweit gesehen sind heute mehr als 600 000 Menschen bei den Einrichtungen von katholischer Kirche und Caritas beschäftigt. Bei der Evangelischen Kirche und ihren diakonischen Einrichtungen sind es etwa noch einmal so viele. Seit der Frühzeit der Bundesrepublik haben beide großen Kirchen ihr im Grundgesetz verankertes Selbstbestimmungsrecht in eigene Angelegenheiten dazu genutzt, für und für die Aushandlung der Vergütungen einen eigenen, den so genannten Dritten Weg zu beschreiten: Streik und Aussperrung sind ausgeschlossen, verhandelt und entschieden wird in paritätisch besetzten Kommissionen zur Ordnung des Arbeitsvertragsrechts im kirchlichen Dienst, den KODAen. Eine besonders große Reichweite kommt der Gestaltungsmacht der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes (AK) zu. Sie entscheidet bisher bundesweit über Arbeitsentgelte und Arbeitsbedingungen für mehr als 480 000 Beschäftigte und legt diese in den Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) fest.
Diese spezielle Form des Caritas-Flächentarifs ist zur Zeit vielfach in Frage gestellt: Lässt sich die bundesweite Einheitlichkeit noch durchhalten oder muss zukünftig nach Branchen und Regionen differenziert werden? Welche Bedeutung hat die Anlehnung an andere Tarife, etwa den des öffentlichen Dienstes? Wie verbindlich sind die AVR für die einzelnen Dienstgeber? Was unternimmt die Kirche gegen regelwidrige Abweichungen, vor allem im Niedriglohnbereich? Werden die Kriterien der Katholischen Soziallehre für einen gerechten Lohn intern noch eingehalten? Gibt es zukünftig bei der Caritas einen Leistungslohn?

Summary / Resumé

Norbert Feldhoff: No wage-dumping
For more than 480.000 staff in the various institutions of the German charity organization Caritas there is a unifi ed wage under the collective agreement. Wages and working conditions are decided on by an equal representation committee. In view of the pressure of growing competition among all sectors of public health and social services this system is being often called into question today. Will the collective wage system of the Caritasassociation have to be differentiated by regions and branches in order not to demand too much of the performance of individual companies and associations? Will the wages still be – which is today‘s practice – linked to collective wages in other areas in the public sector? How obligatory is the Caritas collective wage system for the individual employers? What does the Church do against departures from this system, particularly in the low-pay sectors? Are the criteria of Catholic social teaching for fair pay still internally valid? Will there be – in the near future – a competitive wage system in charitable institutions? Norbert Feldhoff pointedly and competently gives answers to these and others questions.

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