Heft 4/2006Markt der Werte

Inhalt

Aktualität und Kontinuität, Vision und Tradition, Bewahrung des Bewährten und Weichenstellung für die Zukunft: In dieser Spannung lebt, wer heute Gesellschaft gestalten will. Werte und ethische Prinzipien, aus christlicher Überzeugung gewachsen, wollen hineinbuchstabiert werden in eine Zeit, in der die soziale Frage auch im wohlstandsgesättigten Europa mit eruptiver Kraft neu aufbricht.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Verkannt oder überschätzt?Zum fragwürdigen Mehrwert der Werte

    Obwohl in der Ethik der Status von Werten nicht präzis bestimmbar ist, wird immer wieder auf ihre Notwendigkeit hingewiesen. Offensichtlich setzt der Begriff „Wert“ im Prozess der Kommunikation über Moral eine Assoziationskraft frei, die seine Bedeutungsunschärfen wieder wettmacht. Offenkundig ist er anschlussfähig für emotional stark besetzte, aber begrifflich nicht vollends einholbare moralische Dispositionen und Sensibilitäten. Auf dem Wege der Differenzierung, Abgrenzung und „Dissoziation“ von anderen Grundbegriffen der Moral lässt sich der Wertbegriff jedoch nicht befriedigend definieren. Das deutet darauf hin, dass es einen präreflexiven Bereich moralischer Erfahrung gibt, für den ein Ineinander von Sein und Sollen, des Guten und Gerechten, des Evaluativen und Normativen charakteristisch ist. Gibt es also ein unsichtbares Geflecht des Moralischen, ein untergründiges, reich verzweigtes moralisches Rhizom? Lässt sich dabei auch eine gemeinsame Wurzel moralischer und religiöser Erfahrung entdecken? Liegt hier womöglich der Schlüssel zum Verständnis des Unbedingten als Grund unverfügbarer Werte?

  • Plus S. 11

    Der Preis der WerteWirtschaftsethische Notizen

    Es gibt eine Vielfalt verschiedener Wertetypen (ökonomische, moralische, religiöse, technische Werte). Welche Werte in den alltäglichen Entscheidungen von Personen oder Unternehmen zum Zuge kommen sollten und welche nicht, ist theoretisch umstritten und praktisch unterschiedlich. Neben einer Schematisierung der verschiedenen Wertetypen zeigt der Beitrag auf, inwiefern Werte ein Moralkapital und als solches nicht kostenlos zu haben sind. Die Stabilisierung gesellschaftlich erwünschter Werte hat ihren Preis. Voraussetzung für die alltäglich notwendigen Investitionen in die Stabilität gesellschaftlich erwünschter Werte ist daher die Vitalität moralischer Interessen.

  • Plus S. 19

    Mehr als nur Unterhaltung. Wertediskurse im Leitmedium "Fernsehen"

    Aufgrund seiner einfachen Verfügbarkeit hat das Fernsehen heute eine herausragende kulturelle Bedeutung; es übernimmt in der Lebenswelt der Zuschauer vielfach die Rolle eines Leitmediums. Neben der Unterhaltungsfunktion werden die Zuschauer auf einer zweiten Ebene mit lebensrelevanten und sinnorientierten Themen angesprochen. Indem das Fernsehen anhand verschiedener Unterhaltungsformate (Soaps, Serien und Spielshows) Wertmaßstäbe und Moralvorstellungen thematisiert, präsentiert es eine besondere Form der „Alltagsethik“ und trägt somit zum allgemeinen Wertediskurs bei. Anhand der zur Sprache gebrachten Werte kann freilich auch sozialer Wandel abgelesen werden: Die Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit wird in dokumentarisch gestalteten Spielshows aufgehoben durch die zunehmende enttabuisierte Darstellung des alltäglichen Lebens; verstärkt wird dieser Effekt durch die Inszenierung des Privatlebens von Politikprominenz in populären Talkshows.

  • Plus S. 26

    „Die Frage ist, wie sich Werte in lebbare Praxisformen implementieren lassen“Gespräch über Werte und Werte-Diskurse aus soziologischer Sicht

    Wo und warum wird das, was in der Gesellschaft passiert, mit Werten belegt? Zwar waren Werte nie verschwunden, doch erst in jüngster Zeit sind sie wieder verstärkt zum Thema geworden. Das deutet auf ihre akute Gefährdung bzw. auf Unsicherheiten oder vermeintliche Ausweglosigkeiten hin. So scheint die Renaissance der sog. Sekundärtugenden bei einem Teil der jungen Menschen v. a. deren wachsende Zukunftsunsicherheit zu kompensieren. In anderen Bereichen, etwa in den Ethikkomitees der Krankenhäuser oder bei wirtschaftsethischen Diskursen geht es u. a. darum, einerseits die Begründbarkeit dessen, was die einzelnen Akteure tun, auf den Prüfstand zu stellen und andererseits ein Regelsystem zu kreieren, in dem gewünschtes wertorientiertes Handeln praktische Begünstigung erfährt. Auch für religiös begründete Werte gilt, dass sie nur in religiös motivierter Praxis, nicht aber durch moralische Appelle wirksam werden.

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