Plus
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Obwohl in der Ethik der Status von Werten nicht präzis bestimmbar ist, wird immer wieder auf ihre Notwendigkeit hingewiesen. Offensichtlich setzt der Begriff „Wert“ im Prozess der Kommunikation über Moral eine Assoziationskraft frei, die seine Bedeutungsunschärfen wieder wettmacht. Offenkundig ist er anschlussfähig für emotional stark besetzte, aber begrifflich nicht vollends einholbare moralische Dispositionen und Sensibilitäten. Auf dem Wege der Differenzierung, Abgrenzung und „Dissoziation“ von anderen Grundbegriffen der Moral lässt sich der Wertbegriff jedoch nicht befriedigend definieren. Das deutet darauf hin, dass es einen präreflexiven Bereich moralischer Erfahrung gibt, für den ein Ineinander von Sein und Sollen, des Guten und Gerechten, des Evaluativen und Normativen charakteristisch ist. Gibt es also ein unsichtbares Geflecht des Moralischen, ein untergründiges, reich verzweigtes moralisches Rhizom? Lässt sich dabei auch eine gemeinsame Wurzel moralischer und religiöser Erfahrung entdecken? Liegt hier womöglich der Schlüssel zum Verständnis des Unbedingten als Grund unverfügbarer Werte? Von Hans-Joachim Höhn