Große Wünsche, kleine Toreleiten.pech.pannen

Was nützt es, sich für die Wünsche der Kinder einzusetzen, wenn eine höhere Instanz andere Vorgaben macht? Und zwar nicht irgendeine Instanz, sondern der Deutsche Fußballbund.

Als erfahrene KitaLeitung lasse ich mir ja eigentlich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen und stehe für meine Werte und meine pädagogischen Überzeugungen ein. Außer dann offenbar, wenn sich niemand geringeres als der Deutsche Fußballbund (DFB) „einmischt“…

Aber der Reihe nach und von Anfang an: Als wir gemeinsam mit den Kindern unser neues Außengelände planten, war schnell klar: Wir brauchen unbedingt auch einen eigenen Fußballplatz. Und die Tore sollten groß sein, forderten die Kinder unmissverständlich, so groß wie im echten Fußballstadion. Ordentlich breit mussten sie ebenfalls sein, denn die Kinder stehen gern auch mal zu dritt im Tor und halten die Bälle gemeinschaftlich ab. Im Grunde sollte alles genauso sein wie auf dem benachbarten Sportplatz, wo die Kinder bisher auf Tore für Erwachsene geschossen hatten. Also hielt ich umgehend Ausschau nach professionellen Fußballtoren und reichte die Angebote bei unserem Träger ein.

Auf einer der folgenden Trägersitzungen wurden unsere Anschaffungswünsche dann ausführlich erörtert. Anfangs wähnte ich mich noch siegessicher und sah unseren neuen Fußballplatz komplett nach den Wünschen der Kinder schon vor mir. Doch dann meldete sich plötzlich ein Gemeindevertreter zu Wort: „So große Tore wollt ihr? Bist du dir da ganz sicher? Für diese Altersklasse empfiehlt der Deutsche Fußballbund doch ganz andere Torgrößen“. Und auf einmal befand ich mich mitten in einer hitzigen Diskussion über neue Spielformen des DFB für jüngere Kinder ganz ohne Torwart, Vergleiche mit Torgrößen bei anderen Sportarten wie Hockey oder Handball und Spekulationen darüber, wie groß Kita-Kinder überhaupt durchschnittlich so seien. Einige zogen dann auch noch die Fußballtrainings ihrer eigenen Kinder als Beleg heran.

Völlig perplex saß ich dazwischen und versuchte noch verzweifelt, mit den Wünschen der Kita-Kinder und ihrer tatsächlichen Spielweise zu argumentieren. Aber umsonst! Der Träger blieb standhaft: Wenn wir schon Tore haben wollten, dann bitte nur solche nach DFB-Standard. Und so kam es, wie es kommen musste: Die neuen Fußballtore wurden geliefert und waren jeweils 2 Meter breit und 1,20 Meter hoch.

Zwar freuten sich die Kinder anfangs einigermaßen darüber, aber mittlerweile schießen sie nur noch recht selten auf die „Zwergentore“, wie sie sie jetzt nennen. Stattdessen klettern sie inzwischen lieber drauf herum oder bauen sich eine Höhle daraus. Zum eigentlichen Fußballspielen gehen wir wieder nach nebenan auf den Sportplatz – so wie früher.

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