BildungspolitikWo hakt es beim Übergang in die Schule, Frau Stolz?

Ein Porträt von Kultusministerin Anna Stolz.
© StMUK, München

Anna Stolz: Aus dem vertrauten Kita-Alltag geht es für Kinder in einen neuen Lebensabschnitt mit vielen Veränderungen wie neuen Räumen, Bezugspersonen, Abläufen, aber auch neuen Erwartungen. Das kann Kinder schnell verunsichern. Entscheidend ist daher die frühzeitige Kooperation zwischen Familien, Kitas und Schulen. Mit der gemeinsamen Empfehlung1 wollen wir die Zusammenarbeit weiter stärken. Wir müssen früh hinschauen, wo ein Kind steht, wo seine Stärken liegen und wo es Unterstützung braucht.

Was ist das Kernstück der Empfehlung?
Den Übergang konsequent vom Kind aus zu denken. Kita und Grundschule prägen die Bildungsbiografie eines Kindes gemeinsam. Dieser ganzheitliche Blick ist entscheidend. Der Übergang gelingt nur, wenn Eltern und pädagogische Fachkräfte ihre Verantwortung gut miteinander verbinden. Die Empfehlung setzt auf enge und regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Kita, Grundschule und Eltern. Sorgfältige Beobachtung und Dokumentation gehören ebenso dazu wie vertrauensvoller Dialog und praktische Informationsangebote für die Eltern. Inhaltlich geht es darum, Kinder in den Kompetenzen zu stärken, die sie für den Schulstart brauchen – besonders sprachliche, mathematische und sozial-emotionale. Sprache nimmt hier eine Schlüsselrolle ein. Wer sich ausdrücken kann, versteht und verstanden wird, kann mitreden, mitlernen und Selbstvertrauen entwickeln. So eröffnen wir Kindern von Anfang an faire Bildungschancen.

Was bedeutet das für die Arbeit von Kita-Fach- und Leitungskräften?
Zunächst Anerkennung. In den Kitas wird täglich Bildungsarbeit geleistet, auf die die Schule aufbaut. Das kann man nicht hoch genug schätzen. Gleichzeitig ist die Kita kein kleiner Schulbetrieb und soll es auch nicht werden. Kinder lernen im Spiel und Gespräch, beim Erzählen, Bauen, Sortieren, Bewegen, Streiten und Sich-wieder-Vertragen. In all dem steckt Bildung. Es geht nicht darum, Kita zu verschulen, sondern Lernanlässe im Alltag wahrzunehmen und Kinder gut zu begleiten. Für Fachkräfte bedeutet es, die Entwicklung jedes Kindes gut im Blick zu haben, Eltern einzubeziehen und rechtzeitig den Kontakt zur Grundschule zu suchen. Für Leitung heißt es, die Kooperation gut zu organisieren – etwa über feste Ansprechpersonen, Hospitationen, Übergangskonzepte oder gemeinsame Fortbildung. Die Zusammenarbeit muss sich in der Praxis bewähren. Vor allem soll sie helfen und nicht zusätzlich belasten.

Wie wollen die Landesministerien Kitas beim Thema Übergang unterstützen?
Mit der Empfehlung haben sich die Länder erstmals auf gemeinsame Leitlinien für einen gelingenden Übergang verständigt. Sie schafft Orientierung für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit von Kita und Grundschule. Die Umsetzung erfolgt gemäß Zuständigkeit in den Ländern. Zu den Schwerpunkten der Empfehlung zählen Bildungs- und Lehrpläne, Verfahren zur Beobachtung und Dokumentation, Fort- und Weiterbildung sowie regionale Strukturen zur Vernetzung von Kita und Grundschule. Ein besonderer Fokus liegt auf früher Sprachbildung. Die Länder unterstützen Verfahren, mit denen Förderbedarfe früh erkannt und Kinder gezielt begleitet werden. Das gilt vor allem für Kinder, die keine Kita besuchen oder erst kurz vor der Einschulung nach Deutschland kommen. Die Länder signalisieren damit: Ein gelingender Übergang ist gemeinsame Aufgabe von Kitas, Grundschulen und Eltern. Wird diese Verantwortung angenommen, schaffen wir beste Voraussetzungen dafür, dass Kinder mit Vertrauen, Neugier und guten Bildungschancen ihre Schullaufbahn starten. Das ist das gemeinsame Ziel der Bildungsministerkonferenz und Jugend- und Familienkonferenz.

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