Die kolossale Hamburger Bismarckstatue »blickt noch immer starr über den Hafen – und weiter, über ein Land voller Bismarcktürme«, schreibt unser Autor Steffen Greiner in seinem amüsanten Beitrag ab Seite 64, den ich Ihnen besonders empfehlen möchte. Greiner schildert die Auswüchse der Bismarck-Manie, die nach dessen Tod einsetzte und bis heute nachwirkt – vom Bismarckhering über den Bismarck-Archipel zu den eigenartigen Bismarcktürmen, die bis zu 45 Meter hoch aufragen. Wissen Sie, wie viele es davon gibt? Ursprünglich waren es 240, jetzt stehen noch etwa 175 in der Landschaft. Wer einen besichtigen will: Auf Wikipedia finden Sie eine umfassende »Liste von Bismarcktürmen« und auf der Webseite www.bismarcktuerme.net eine Deutschlandkarte der skurrilen Bauwerke.
An dem ersten Kanzler der deutschen Einheit scheiden sich bis heute die Geister: War Bismarck ein Visionär oder ein Reaktionär? Das Gleiche gilt für den ersten deutschen Nationalstaat, den er 1871 federführend mitbegründete. War dieses neue Deutsche Reich das letzte Aufbäumen der Monarchie oder der Beginn der Demokratie? Mit dieser Frage setzt sich unser Autor Simon Akstinat in seinem klugen Essay ab Seite 20 auseinander. Letztlich kommt es auf den Blickwinkel an – wobei wir uns heute vor Hochmut hüten sollten. Wer weiß, wie künftige Generationen über unser Staatswesen urteilen werden.
Ihr
Dr. Christian Pantle, Chefredakteur