Editorial

»In deutscher Mission« reist 1874 der katholische Historiker Johann Nepomuk Sepp in den Orient, um mit Bismarcks Segen die Gebeine Kaiser Barbarossas im libanesischen Tyros zu suchen. Im »Triumphzug« sollen die kaiserlichen Überreste in den Kölner Dom übertragen werden, wo auf sie die letzte Ruhestätte an der Seite der Heiligen Drei Könige wartet. Doch der Jäger der verlorenen Knochen findet in den Ruinen der Kathedrale von Tyros nur einen leeren Mauerkasten im Seitenschiff. Statt Köln wird der Kyffhäuser in Thüringen zum Zentrum des Kultes um den Kaiser avancieren.

»Er hat hinabgenommen des Reiches Herrlichkeit«,
dichtet 1817 Friedrich Rückert über den schlafenden Kaiser im Kyffhäuser. Die Sternstunde dieser Herrlichkeit ist das Mainzer Hoffest von 1184. Ein Heer aus erlauchten Gästen wird fürstlich verköstigt, Musiker und Gaukler sorgen für Unterhaltung, und Ritter präsentieren bei Reiterspielen ihr ganzes Können. 

Doch hinter diesem höfischen Glanz von Mainz verbirgt sich eine kaiserliche Tragödie.
Nach fünf Feldzügen ist Barbarossa an Italien gescheitert. Papst Alexander III. und die freiheits­liebenden Städte haben den Kaiser, wie ein Zeitgenosse spottet, vom »wilden Löwen zum sanften Schaf« degradiert. Doch nicht der reumütige Verlierer wird in die Legende eingehen, sondern der kühne Kreuzfahrer.    

Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier, Chefredakteur

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