Editorial

Die Schrecken des Grabenkrieges übersteigen die menschliche Vorstellungskraft. Ein Universum aus Dreck und Schlamm, bevölkert von Läusen und Ratten und beherrscht von einem industriellen Tod. Tief ergreifen mich die Gedichte von Robert Graves, Wilfred Owen oder Siegfried Sassoon, die von diesem Schattenland künden – und trotzdem oftmals die Hoffnung an das Gute und Wahre schenken. Zum Symbol dafür avancierte in Großbritannien der Klatschmohn, der auf den Schlachtfeldern an der Somme in den Bombentrichtern erblühte und noch immer zwischen den endlosen Reihen der Kriegsgräber wächst.        

»Auf den Schlachtfeldern von Verdun wachsen Leichen als Vermächtnis«,
dichtet Erich Kästner. Zehn Monate kämpfen Deutsche und Franzosen verbissen um den Festungsring der Stadt. Eine halbe Million Menschen fallen, hinzu kommen Hunderttausende Verwundete an Körper und Seele. Und bis heute entstellen die Pockennarben des Krieges die Landschaft.

»Nichts anderes als dummes, massenweises gegenseitiges Abschlachten«,
resümiert der Zeitzeuge und Militärhistoriker Liddell Hart über das Blutjahr 1916 an der Westfront. Zwei Jahre wütet der Krieg weiter. Als im November 1918 endlich die Waffen schweigen, bleiben die Gräben im Kopf und es fehlt der Mut zu einer echten Versöhnung. Die Mahnung der Toten wird ignoriert.        

Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier, Chefredakteur

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