Harvard-Professor Robert Langdon, gespielt von Tom Hanks, jagt im Kinofilm »Illuminati« eine alte Geheimgesellschaft, die Vatikan, Wissenschaft und Politik heimlich lenkt – und macht Dan Browns gleichnamigen Bestseller von 2003 weltberühmt. Die Realität ist nüchterner: Hinter dem Mythos steht ein bayerischer Professor mit ein paar Studenten.
Ein Ingolstädter gründet die späteren "Illuminaten"
Am 1. Mai 1776 gründet der 28-jährige Ingolstädter Kirchenrechtsprofessor Adam Weishaupt den »Bund der Perfektibilisten«, später »Illuminaten« (die Erleuchteten) genannt. Als Aufklärer will er Vernunft gegen Aberglauben, Jesuiten und Feudalismus setzen und Staat sowie Kirche reformieren. Der Orden nutzt Rituale, Decknamen – Weishaupt nennt sich Spartacus –, gestufte Grade und ist inspiriert von den Freimaurern, aber ohne Okkultes. Er wächst auf 1500 bis 2000 Mitglieder, darunter viele Beamte, Adlige und Offiziere. Dazu zählt zeitweise Adolph Knigge, dessen Name durch sein Buch über Umgangsformen als »Knigge« sprichwörtlich wird.
Wie aus einem bayerischen Reformzirkel eine internationale Verschwörung wird
1784/85 verbietet Kurfürst Karl Theodor alle Geheimgesellschaften, beschlagnahmt Papiere und zerschlägt den Orden. Weishaupt flieht ins Exil. Dann beginnt die Legende. Als die Französische Revolution 1789 Europa erschüttert, stilisieren Konservative die Illuminaten zu deren Drahtziehern. Aus einem bayerischen Reformzirkel wird eine internationale Verschwörung. Im 19. Jahrhundert vermischt sich der Mythos mit Feindschaft gegen Freimaurer, Liberale und Juden.
Adam Weishaupt
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